Die Orchideen
ihre Beschreibung, Kultur und Züchtung
Handbuch für Orchideenliebhaber, Züchter und Botaniker
herausgegeben von
Dr. Rudolf Schlechter
Assistent am Königl. Botanischen Mum in Dahlem bei Berlin unter Mitwirkung von
Ökonomierat O. Beyrodt-Marienfelde, Oberhofgärtner H. Jancke-Berlin, Professor Dr. G. Lindau-Berlin und Obergärtner A. Malmquist-Herrenhausen i. Hannover
Mit 12 in Vielfarbendruck nach farbigen Naturaufnahmen hergestellten Tafeln und über 242 Textabbildungen
PR
BERLIN VERLAGSBUCHHANDLUNG PAUL PAREY
Verlag für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen SW 11, Hedemannstraße 10 u. 1]
1915
MıssouRr! BOTAnNICAB GARDEN LIBRARK
? IE wie BR BE
auch das der Überse
/ Paul Parey. Berlin 1915.
tzung, vorbeh: Iten..
Vorwort.
Schon seit Jahren wurde in den Ländern deutscher Sprache der Mangel eines Buches empfunden, aus dem sich der Liebhaber über die einzelnen Formen der großen Pilanzenfamilie der Orchideen und der Züchter über deren Kultur die nötige Unterweisung einholen konnten. Das von B. Stein im: Jahre 1892 herausgegebene »Orchideenbuch« entsprach schon längst nicht mehr den jetigen Bedürfnissen und war zudem schon seit einigen Jahren vergriffen. Die teils französischen teils englischen Handbücher standen ebenso nicht mehr auf der Höhe oder waren, wie »Veitchs Manual of Orchidaceous Plants«, infolge ihres schier unerschwinglichen Preises vielen unzugänglich, abgesehen davon, daß auch keine Übersegungen vorlagen. Mit Freude nahm ich daher ein Angebot der Verlagsbuchhandlung Paul Parey an, ein derartiges Buch mit Hilfe bewährter Praktiker herauszugeben.
Da es sich vor allen Dingen hier darum handelte, ein Buch zu schaffen, dessen Preis auch dem Minderbemittelten erschwinglich sein sollte, so mußte natürlich auch der Umfang ein mäßiger sein, um so mehr als auch durch reiche und gute Abbildungen viele der interessanten Formen dargestellt und der Text erläutert werden sollten. Diesem Umstande Rechnung tragend habe ich mich mit Hilfe meiner Herren Mitarbeiter bemüht, hier dasjenige zusammen- zutragen, was zu wissen den Liebhaber besonders interessieren dürfte.
Bei der ungeheuren Fülle der Gattungen und Arten mußten die Be- schreibungen derselben oft kürzer gehalten werden, als es vielleicht bei kriti- schen Formen manchmal angebracht war, doch hoffe ich, daß sie immerhin genügen werden, um dem Interessenten das vor Augen zu führen, was er sich unter der von ihm gesuchten Art vorzustellen hat.
Troß der knappen Behandlung ist der systematische Teil, in welchem bedeutend mehr Arten besprochen worden sind, als in irgendeinem anderen bisher vorhandenen derartigen Handbuche, erheblich länger geworden, als ursprünglich beabsichtigt worden war; hieß es doch auch, hier sämtliche bis jest bekannt gewordenen Gattungen kurz zu besprechen und dem neuesten Stande der botanischen Wissenschaft gemäß anzuordnen, damit das Buch auch für den Botaniker eine Übersicht über den derzeitigen Stand des Orchideen- systems bieten konnte.
Für die Abfassung der nicht systematischen und pflanzengeographischen Kapitel ist es mir gelungen, hervorragende Fachleute zu gewinnen, die hier
VI Vorwort,
ihre reiche, langjährige Erfahrung zusammengestellt haben. So hat Herr Obergärtner A. Malmquist, in Herrenhausen, den kulturellen Teil über- nommen; Herr Oberhofgärtner H. Jancke, in Berlin-Moabit, die Abschnitte über die Hybriden und deren Anzucht aus Samen geschrieben ; Herr Ökonomierat O. Beyrodt, in Marienfelde, uns seine reichen Erfahrungen auf dem Gebiete der Schnittblumenkultur und des Baues von Kulturräumen zum Besten gegeben und Herr Prof. Dr. G. Lindau, in Dahlem, das wichtige Kapitel über Schäd- linge und Krankheiten der Orchideen sowie deren Bekämpfung behandelt.
Indem ich glaube, daß die Bestrebungen, welche meine Herren Mitarbeiter und mich bei der Abfassung der einzelnen Teile geleitet haben, den Wünschen des Leserpublikums entsprechen, kann ich mich wohl der berechtigten Hoff- nung hingeben, daß somit ein Werk geschaffen ist, das nicht nur dem neuesten Stande der Wissenschaft entspricht, sondern auch die Aufgabe erfüllen wird, dem Fachmann sowohl wie dem Laien ein zuverlässiger Ratgeber und Führer zu sein.
Es bleibt mir nun noch die angenehme Pflicht, allen denen zu danken, welche das Erscheinen des Buches gefördert haben. Vor allen Dingen bin ich meinen Herren Mitarbeitern für ihre wertvollen Beiträge sehr verpflichtet, ohne welche das Buch nicht hätte zustande kommen können. Sodann haben die Herren Baron v., Fürstenberg auf Schloß Hugenpoet, Prof. Dr. H. Goldschmidt in Essen, Herr Ökonomierat A. Siebertin Frankfurt a. M. und Herr E. Miethe in Frankfurt a. M. durch Überlassung zahlreicher Photo- graphien zur Vervielfältigung einen sehr wertvollen Beitrag geliefert.
Besonders fühle ich mich auch bewogen, hier nochmals der Verlags- buchhandlung Paul Parey für die vorzügliche Ausstattung des Buches durch den klaren Druck auf Kunstdruckpapier, zahlreiche Abbildungen sowie für das mir in jeder Weise gezeigte Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Vor allen Dingen möchte ich auch auf die prächtigen, nach der Natur direkt farbig aufgenommenen Tafeln aufmerksam machen. - Diese Tafeln wurden nur ermöglicht durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Ökonomierat O. Beyrodt, welcher die dazu nötigen lebenden Pflanzen gütigst zur Verfügung gestellt hat, und übertreffen an Naturgetreuheit alle bisher vorhandenen derartigen Abbildungen.
Berlin-Schöneberg, im Dezember 1914.
Dr. Rud. Schlechter.
aan ul ne
SB Th
Inhalt.
Seite
I. Allgemeines. Von R, Schlechter. :.......v.rr. 0. r0e 00. 1
Il. Geographische Verbreitung. Von R. Schlechter. ...... ver... 14 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten. Schlech#e r 2 7. 3. 2 SEIN ee
Erste: UHmterlamilie: Diandrae: .... II I 21
Zweite Unterfamilie: Monandrae...... .: . =... ...=. 45
Abteilimg 1. Basitönhe na. ne er 45
Abteilung 1: Actoionde‘. WE BE ne on 84
Unterabteilung I. Polychondreae ... .....:: 2.0.0059 4
Unterabteilung ‘If. Kerosphaereae. .. - -.... "2m... 128
A ee 12 22 2 128
a Eee 2 a ee 297
ereahe L. Sympodiales. . . 0. 2... nes ernenn 298
* Unterreihe I. Monopodäales . ... -: »-:» ren. 532
IV. Klima der hauptsächlichsten Heimatländer der Orchideen. VonR. Schlechter 612
V. Die Einfuhr und Kultur. Von A. Malmquist. .....: ee... 0.0. 623
Die Einfuhr der Orchideen aus den Tropenländen .. ... 2... 623
Die Behandlung der neu eingeführten Pflanzen. ..... vr... 629
Die: Kultur. der Orchideen. v # : 3). 2. 2 ae 631
ee ER N a u ee 640
em A De ee ee 640
Fahre ee ee en re 649
Wen a 657
All. a en en. a en 664
7 ee a 672
EEE 679
en a ee 683
N a 686
Be een re 688
Ge en ee 692
RE RE ER N EEE 695
RR ee LE 697
teen 2. en nne ade 698
Die Pflege der Orchideen im Zimmer. .. cr een 704
VI. Die Orchideen als Schnittblumen. Von O. Beyrodt .... er. 706
VII. Die Orchideen-Hybriden. Von H. Jancke .... ce =
Liste der hauptsächlichsten Hybriden . .. re rreee
Vu Inhalt.
Seite VIl. Die Befruchtung und die Anzucht aus Samen. Von H, Jancke. ..... 761 IX. Schädlinge und Krankheiten der Orchideen. Von G. Lindau... .. .. 779 a) Tierisch Fi 5... m... une... 779 by. Piel sis 202000, 0:0. 0. 786 X. Die Kulturräume der Orchideen. Von O. Beyrödt.:.. ... 0 0. 7% Hilfsmittel zur Orchideenzucht im Zimmer . 2 HC Ir 799 a N er ee 801 ein ee 835 aka, er Po U, 836 Verzeichnis der Farbendrucktafeln. : : Zwischen Seite Tafel El Odontoglossum grande ldl. : . .:.4:2.5.2 W has so, 26.u. 17 = : Paphiodedilum .callosum Piibk........ ..... : a 32u. 33 “ in. Cattleya labiata Ldl. var. Mossiae Rchb. f. ..... ..... 222 u. 223 »„ IV: Dendrobium Wardianum Wamer. . -: 2: 2.2. ..... 278 u. 279 BE SIE DicariHe O, Ryan re ea u. 305 9 Gyabidiun Lowiasum Raib: 2 0.02.08 u. 361 a’. Wi Aveasse Snhen IA. . . . . 0 0 ee 410 u. 411 „ SE: Giussonlossum crispum LÄL. . .. .. „000 476 u. 477 u Im: ARlOMG vextllaria Nichble. : . .. . ..:.. er 490 u. 491 = = BREBENUR Var ....,...:. 0.0 524 u. 525 ‚„ Xl: Phalaenopsis. Schilleriann Rs 1 544 u. 545 w Al: Panda mE nenn. 558 u. 559 Die einzelnen Lieferungen des Werkes sind erschienen: Lieferung 1: Bogen 1-6 am 25. April 1914. | Lieferung 7: Bogen 32—37 ET, | ne a “ 3, BE Eh . 9: „ 44-47 „ 20.Febr.1915. » 4 „17-21 „ 22. Juli 1914, | 53 ; „5, 2. 12 Sepkiota | = 10: „f,, Tier) m, 15-Märzig15, & 6: ,„ 26-31 „ 10. Okt. 1914. |
I. Allgemeines.
Von
R. Schlechter.
Zu den merkwürdigsten Kindern Floras gehören wohl unstreitig die Orchideen, welche schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts durch ihre bizarren Formen die Aufmerksamkeit der Gartenliebhaber auf sich zogen. Da sich mit jedem Jahre die Zahl der Arten, welche in die europäischen Gärten eingeführt wurden, vermehrte, war es nur natürlich, daß sich bald Spezial- sammlungen bildeten. Diese zu unterhalten, war selbstverständlich nur den begüterteren Liebhabern möglich, so daß wir die Orchidee bald als die Mode- blume des Adels und der Geldaristokratie in England finden. Es dauerte nun geraume Zeit, bis die Vorliebe für diese Pflanzen sich auch nach Frankreich, Belgien, Deutschland ausdehnte, und gerade bei uns in Deutschland fand dies erst in den lesten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts statt, um sich
. dann aber schnell auszubreiten. Durch die Möglichkeit, heute verhältnismäßig billig gute Arten zu erstehen, und die Vereinfachung ihrer Kulturen sowie vor allen Dingen auch durch die bessere Erkenntnis ihrer Lebensbedingungen sind die Orchideen nun auch dem weniger begüterten Gartenliebhaber zugänglich geworden, und dadurch hat sich ihre Popularität ganz besonders erhöht. Ist es doch heute schon möglich, viele Arten ohne große und kostspielige Vorkehrungen alljährlich im Zimmer zur Blüte zu bringen, ebenso wie auch in jedem Garten eine Anzahl der ‚schönen bei uns winterharten Freiland-Orchideen in eigens dazu hergerichteten Beeten gezogen werden könnten. = Die Zahl der bis jest bekannten Orchideen ist sehr groß, denn sicher sind über 15000 Spezies beschrieben worden, und alljährlich wächst diese Zahl
nmer noch um verschiedene Hundert, da durch die bessere Zugänglichkeit aer Tropenländer immer neue Orchideengebiete erschlossen werden. Meine Expedition in Neu-Guinea in den Jahren 1907—1909, während welcher ich zirka 1350 Arten sammelte, von denen sich 1102 als neu erwiesen, haben gezeigt, was wir noch aus einigen Ländern erwarten können. Ebenso sind die Anden Südamerikas noch ungeheuer reich an neuen Arten; werden doch auch je&t noch alljährlich viele prächtige Sachen von dort eingeführt, die der Orchideologie noch unbekannt waren.
Schlechter, Die Orchideen. 1
2 I. Allgemeines.
Die Vielgestaltigkeit der Orchideen in ihren vegetativen wie in den Blüten- merkmalen ist ja bekannt, doch ist es auch für den Kultivateur von Wichtig- keit, besonders über die erstere Aufschluß zu erhalten, deshalb will ich hier zunächst darauf eingehen.
In bezug auf den vegetativen Aufbau der Orchideen können wir einige sehr charakteristische Grundtypen unterscheiden, die sich für die Einteilung der Familie als sehr wichtig erwiesen haben. Ihre richtige Definition haben wir dem bedeutenden Morphologen E. Pfitzer, der vor nunmehr sieben Jahren in Heidelberg gestorben ist, zu verdanken. Wir können hier den sympodialen und den monopodialen Aufbau scharf gegenüberstellen. Zunächst wollen wir uns mit dem ersteren beschäftigen.
Als sympodial bezeichnet man diejenigen Orchideen, welche infolge eines begrenzten Spigenwachstums seitlich neue Triebe hervorbringen, die am Grunde stets Niederblätter bilden (Fig. 1). Diese Triebe können allerdings in selteneren
Fig. 1. Sympodialer Aufbau der Orchideen (schematisch).
Fällen, wie zum Beispiel bei Pholidota articulata Ldl. und Scaphnyglottis- Arten infolge einer Verschmelzung der Vegetationsachse mit der Pseudobulbe an der Spiße erscheinen, doch ist hier bei näherer Untersuchung ohne jede Schwierigkeit der sympodiale Aufbau dennoch stets erkenntlich, Die sym- podialen Orchideen gehören verschiedenen Typen an, von denen ich hier die hauptsächlichsten anführen will.
Die knollenbildenden Orchideen zeichnen sich dadurch aus, daß seitlich der alten Knolle alljährlich (meist an einem wurzelartigem Stielchen) eine neue Knolle gebildet wird, aus deren Spite der nächstjährige Trieb hervorsprießt, wie bei Orchis (Fig. 2), oder es wird eine ganze Anzahl an der Spite büschel- artig zusammenhängender meist spindelförmiger Knollen gebildet, an deren Spige stets seitlich am Grunde des alten Sprosses der neue entsteht (z. B. bei Spiranthes). Alle diesem Typus angehörigen Arten pflegen nur krautige Stengel zu entwickeln, welche in jedem Jahre durch neue erseßt werden.
Sie bedürfen nach der Blütezeit alle einer Ruheperiode, bis der Sproß ein- gezogen ist.
I. Allgemeines. 3
Dem knollenbildenden Typus am nächsten stehen diejenigen Formen, welche aus gebüschelten Wurzeln mehrere Jahre andauernde verkürzte oder mehr oder minder verlängerte Sprosse bilden, an deren Basis noch vor Verschwinden der lestjährigen die ee neuen Triebe alljährlich entwickelt ; 4 werden (z. B. Paphiopedilum, Den- \ \ drobium). Es entsteht so mit der | Zeit ein Büschel von Sprossen.
Der häufigste Typus ist der mit verlängertem Rhizom, auf dem in mehr oder minder deutlichen Ab- ständen die Triebe entstehen, welche sich uns entweder in Form von be- blätterten Sprossen oder als Pseudo- bulben zeigen, die teils ein-, teils mehrgliederig sein können. Die Wurzeln entspringen bei diesem Typus an verschiedenen Stellen des Rhizoms, das entweder, wie bei Anoectochtlus, einen Teil des ehe- maligen Stengels darstellt, oder, wie bei Bulbophyllum, sehr schlank und dünn sein kann, oder fest und dick, wie bei Cattleya, und schließ- lich, wie bei Zulophia, aus einer Kette von knollenartig verdickten Gliedern zusammengesegt ist.
Die monopodialen Orchideen, die durch den Vandeentypus reprä- sentiert werden, haben ein ideal- unbegrenztes Spigenwachstum und zeigen keine deutliche Scheidung in verschiedene Triebe, da eine Nieder- blattbildung nicht stattfindet. Ihre Vegetationsachse kann, wie bei Pha- laenopsis, so stark verkürzt sein, daß kaum irgendwelche Stamm- bildung festzustellen ist, oder sie ist, Fig. Küollen von Dre wie bei Vanda, deutlich verlängert.
Die Triebe können bei den sympodialen Orchideen sehr verschieden be- schaffen sein, während bei den monopodialen Formen eine große Variation ja infolge ihres Aufbaues nicht möglich ist und sich eine laterale Infloreszenz von selbst ergibt. Wir können so die sympodialen Gattungen sogleich in solche scheiden, welche endständige (akranthe) und in solche, ser seitliche
4 I. Allgemeines.
(pleuranthe) Blütenstände haben. Die akranthen Orchideen bestehen teils aus stammlosen Gattungen, wie Paphiopedilum und einigen Orchis-, Cynosor.chis- und /abenaria-Arten, teils aus Formen mit krautigem verlängertem Stamm (Orchis, Habenaria, Disa und Goodyera) oder verholzendem mehrjährigem Stamm, der zur völligen Entwicklung zuweilen mehr als ein Jahr benötigt (Zpi- dendrum), oder mit Pseudobulben, welche, wie bei Coelogyne und manchen Epidendrum-Arten, nur aus einem Internodium bestehen, oder wie bei Cattleya, Laelia und Polvstachya aus mehreren Internodien zusammengesegt sein können. Bemerkenswert ist dabei, daß bei einigen Gruppen, wie z. B. den Podochi- linae und den Dendrobiinae, die wohl als akranthe Orchideen zu betrachten sind, in vielen Fällen die endständige Iniloreszens nicht zur Ausbildung
nur noch dadurch zu erbringen, daß bei einigen Gattungen und Sektionen dieser Gruppen die endständigen Infloreszenzen stets wirklich ausgebildet werden. Erwähnenswert ist schließlich noch, daß bei einigen akranthen Formen die Blütenstände auf besonderen blattlosen, oft verkürzten Sprossen stehen und dann seitlich erscheinen, so bei Coelogyne cristata Ldl., Epiden- drum Stamfordianum Batem., Cattleya nobilior Rchb. t., Nephelaphyllum u.a. Bei den pleuranthen Orchideen fehlen die krautigen Formen, mit Aus- nahme der Phajinae und Cyrtopodinae, fast vollständig, die mit verlängertem Stamm sind sehr selten (Phreatia $ Caulophreatia und Octarrhena ), alle übrigen bilden Pseudobulben oder unterirdische knollenartige Rhizome.
blütigen Infloreszenzen bis zur vielfach verzweigten Rispe finden sich alle erdenklichen Übergänge. Am häufigsten ist die gewöhnliche, mehr- bis viel- blütige Traube, die sich allmählich an der Spite verlängert.
Die Blätter zeigen sehr große Verschiedenheiten, sowohl in ihrer Form wie auch in ihrer Textur. Doch bevor wir zu ihrer Beschreibung übergehen, ist es vielleicht angebracht, kurz auf die Lebensweise der Orchideen einzugehen, da von dieser ja zum großen Teile die Blattbildung abhängig ist,
Wir können in bezug auf ihre Lebensweise drei verschiedene Typen unterscheiden, nämlich die sapro phytischen Orchideen, d. h. diejenigen, welche als bleiche, mehr oder minder chlorophyllose Pflanzen im Humus der Wälder zwischen abgefallenem Laub wachsend, in ihren Lebensbedingungen so eng an die mit ihnen in Symbiose lebenden Wurzelpilze gebunden sind, daß ohne deren Vorhandensein für sie keine Lebensmöglichkeit existiert, Diese Formen sind daher auch meist sehr lokal verbreitet, und ihre Kultur ist fast unmöglich, wenn auch hie und da einmal für kurze Zeit geglückt,
Die terrestrischen Orchideen stellen nach unserer heutigen Kenntnis der Familie doch ein größeres Kontingent, als man früher annahm. Es sind dies die wirklichen Erdbewohner der Familie. Manche große Gruppen wie die Cypripedilinae, fast sämtliche Basitonae und Polychondreae, die
I. Allgemeines. 5
Corallorrhizinae, Phajinae und Cyrtopodiünae gehören hierher. Wenn auch wahrscheinlich und in vielen Fällen erwiesen ist, daß sie ebenfalls in Sym- biose mit Wurzelpilzen leben, so scheint ihr Gedeihen doch nicht so sehr von diesen abzuhängen wie bei den Saprophyten, um so mehr als die reiche Chlorophylientwicklung in den oberirdischen Teilen die Aufnahme organischer Substanzen aus der Luft zuläßt.
Die epiphytischen Orchideen, die noch oft vom Laien fälschlich als Parasiten bezeichnet werden, sind typische Baumbewohner oder besser noch Rindenbewohner. Ihnen dient die Baumrinde nur als Haftpunkt und nur insofern als Nahrungszuführer, als sie auch aus dem sich durch Zersegung bildenden Humus, dem anhaftenden Staub und dem herabfließenden Wasser einen Teil ihrer Nahrung entnehmen, nie aber aus den lebenden Geweben derselben. Auf ihrem luftigen Standorte gewinnen sie einen großen Teil ihrer Ernährung aus der Atmosphäre selbst, wozu sie durch ihre oft sehr lang hinkriechenden besonders konstruierten Wurzeln in hervorragendem Maße befähigt sind.
Bei den saprophytischen Orchideen ist von einer wirklichen Blattbildung kaum zu reden, vielmehr sind die Blätter meist auf kleine Schuppen reduziert, welche ebensowenig Chlorophyll enthalten wie der Stamm. In einigen wenigen Fällen, wie bei einigen Galeola-Arten und auch bei Neottia er- reichen einige dieser Schuppen eine gewisse Größe, können aber auch dann kaum als Blätter bezeichnet werden. Bemerkenswert ist übrigens, daß einige Formen der Gastrodünae einen Übergang herzustellen scheinen zwischen den saprophytischen und terrestrischen Arten, indem sie zur Blütezeit (wie z. B. Nervilia) wie Saprophyten erscheinen, später aber chlorophyligrüne große Blätter hervorbringen, durch welche die ganze Pflanze dann wieder erheblich gekräftigt wird.
Sehr mannigfaltig sind die Blätter der terrestrischen Orchideen gestaltet. Die der Basitonae und der meisten Polychondreae sind von lanzettlicher oder herzförmiger Gestalt und weicher krautiger Textur, am Grunde mit kurzer stengelumfassender Scheide versehen, die nicht selten nach der Spitze in einen Blattstiel verschmälert ist. Bei den Corallorrhizinae, Phajüinae und Cyrtopodinae ist die Form der Blätter meist schmal lanzettlich bis elliptisch- lanzettliich, oben mehr oder minder zugespißt und nach unten in einen schmalen Stiel verschmälert, doch fehlen hier keineswegs auch breitere Blätter. In den meisten Fällen sind die Blätter gefaltet und von dünner, aber fester Textur. Die Thruniinae zeichnen sich durch dichtstehende kurz-lanzett- liche bis eiförmige Blätter von dünner Konsistenz aus, die mit einem dünnen Wachsüberzug. bedeckt sind. Meist schief am Grunde und von sehr dünner Konsistenz sind gewöhnlich die Blätter der terrestrischen Liparidinae, doch treten auch Arten mit dickeren Blättern auf, die denen der epiphytischen Formen gleichen. Wie hier kommt es auch bei anderen Gruppen vor, daß einzelne Arten sonst epiphytischer Gattungen besonders im Hochgebirge terrestrisch werden, ohne den Typus der Gattung zu verlieren. Bei Besteigung
6 Il. Allgemeines.
höherer Gebirge in den Tropen kann man oft die Beobachtung machen, daß Arten, welche man in den unteren Höhenregionen nur als Epiphyten ange- troffen werden , besonders auf exponierten Graten und Kämmen völlig terrestrisch wachsen. Ebenso gibt es zahllose Beispiele für Fälle, in denen einzelne Arten an denselben Standorten sowohl terrestrisch wie epiphytisch beobachtet wurden.
Für die epiphytischen Orchideen ist der häufigste Typus der des lederigen, oft etwas fleischigen, zungenförmigen Blattes. Von diesem gibt es die ver- schiedensten Abweichungen, je nach Beschaffenheit des Standortes und anderer Verhältnisse, unter denen die betreffende Art aufzutreten pflegt. Wir können auch hier recht dünnblättrige Formen beobachten während anderer- seits für gewisse Gattungen, wie z. B, Luisia, dicke stielrunde Blätter sogar zum Gattungscharakter gehören, unter welchen Verhältnissen die betreffende Art auch wächst. Es geht daraus hervor, daß sehr wohl unter recht ver-
schiedenen Umständen sich ge- wisse Merkmale weiter vererben können ohne Berücksichtigung der äußeren Verhältnisse.
Es gibt wohl wenige Pflan- zenfamilien, in denen eine der- artige Mannigfaltigkeit von Blüten- formen vorhanden ist wie bei den Orchideen; deshalb werden
wir uns nun eingehender mit dem
u Tinten Beh ace Ziennten 1 wenn essen jfbssen,
I Labellum, st Staubblätter, o Staminadien. um wenigstens die hauptsächlich
sten Typen kennen zu lernen. Wir
müssen uns das Orchideen-Blütendiagramm als aus 5 Kreisen bestehend vor-
stellen. (Fig. 3.) Den ersten Kreis bilden die Sepalen, den zweiten die Petalen
mit dem Labellum, ihm folgen zwei nie richtig ausgebildete Staubblattkreise und
als fünfter ein Kreis von drei Fruchtblättern. Das Diagramm würde sich also
nicht von dem der Liliifloren unterscheiden, wenn es regelmäßig zur Aus-
bildung gelangen würde. Die Umwandlungen, welche in den verschiedenen
Kreisen stattfinden, sind so erheblich, daß man bei Betrachtung der Blüte
kaum auf den Gedanken kommt, in den Orchideen nähere Verwandte der Liliifloren vor sich zu haben.
Die Sepalen sind meist ziemlich regelmäßig ausgebildet, doch oft findet eine Verwachsung der seitlichen in ein breiteres Blumenblatt statt, buckelige oder sackartige Ausbauschungen am Grunde sind nicht selten. Das mittlere Sepalum ist oft helmförmig, zuweilen wie bei Disa mit einem Sporn ver- sehen. Während die seitlichen Sepalen stets mehr oder minder schief sind, ist das mittlere stets durch einen Längsschnitt in zwei gleiche Teile zu zer- legen. Die Größenverhältnisse zwischen dem mittleren und den seitlichen Sepalen sind nicht selten sehr verschieden. Zuweilen sind die seitlichen
1,00
Fig. 3. Blütendiagramme.
I. Allgemeines, 7
Sepalen kleiner als das mittlere, öfter aber nicht unerheblich größer. Selten findet eine Verwachsung aller drei Sepalen statt.
Der zweite Kreis, bestehend aus den Petalen und dem Labellum, ist er- heblich größeren Veränderungen unterworfen. Bei vielen Typen der Bulbo- phyliinae sind die Petalen sehr stark reduziert und mit merkwürdigen An- hängseln versehen. Bei vielen Gruppen sind sie bedeutend kleiner als die Sepalen, bei anderen den letteren sehr ähnlich und schließlich nicht selten bedeutend länger und größer, wie z. B, bei einigen Dendrobium-Arten, bei denen sie zuweilen auch schraubenzieherartig gedreht sein können. Bei vielen Basitonae und Polvchondreae sind sie mit dem inneren Rande des mittleren Sepalums dicht verklebt, so daß es oft nicht leicht ist, sie zu lösen. Eine wirkliche Verwachsung mit den Sepalen kommt z. B. bei Gastrodia, Didv- moplexis, Microtatorchis und Taeniophyllum vor, Zweiteilige Petalen sind bei FZabenaria nicht selten.
Die Lippe ist der Teil der Orchideenblüte, der größeren Veränderungen unterworfen ist als irgendein anderer. Die einfachsten Formen finden wir z. B. bei 7Thelymitra, wo die Lippe meist als einfach ovales Blumenblatt ausgebildet wird und dadurch der Blüte ein auffallend regelmäßiges Aussehen gibt, andere sehr einfache Formen sind bei Disa, Octarrhena und Chitonanthera zu beobachten. Die dreilappige Form ist sehr häufig und tritt oft mit Kämmen verschiedener Art oder sonstigen Auswüchsen versehen auf, dabei können noch weitere Zerteilungen am Rande stattfinden, so daß man eine völlige Reihe herstellen kann von dem einfach linealen Labellum bis zu dem stark und tief zerschlißten der Disa barbata Sw. Gewöhnlich ist die Lippe mehr oder minder konkav, besonders am Grunde, und dort nicht selten in einen kurzen Sack oder mehr oder minder langen Sporn ausgezogen, der bei Angraecum sesquipedale Thou. z. B. eine sehr bedeutende Länge erreichen soll. In anderen Fällen ist das Labellum deutlich, zuweilen sogar sehr lang genagelt, wie bei Disa Charpentieriana Rchb. und D. spatulata Sw., bei anderen wieder kürzer und undeutlich, wie bei vielen Dendrobium-Arten. Bemerkenswert sind ebenfalls die Formen, bei denen Lippe die beweglich ist und bei der geringsten Bewegung der Blüte hin und her pendelt, wie bei Baulbo- Phyllum, Pterostylis, Drakaea, Acanthephippium, Anguloa u. a. Eine pantoffelartige Form zeigt die Lippe bei den Cypripedilinae und eine An- näherung dazu bei Pedilochilus, während es bei vielen Sarcanthinae sich als einfacher Sack darstell. Aber noch nicht genug mit ‚dieser Formenfülle ; wir können so kompliziert konstruierte Lippen bei den Gongorinae, Catase- tinae und den Sarcanthinae feststellen, daß es dem Nichtfachmann einfach unmöglich ist, sie richtig auszulegen; da finden sich Trennungen in Hypochil und Epichil und zum Überfluß oft noch ein Mesochil, bei anderen besißt die Lippe die merkwürdigsten Auswüchse, teils in Form von Lamellen, von Hörnern und anderen Auswüchsen, teils als Anhängsel von Hammer- oder Kreuzform oder sonst bizarren Gestalten. Nicht zu vergessen sind jene merk- würdigen Typen, welche wie z. B. Drakaea, Caleana und Pterostylis reiz-
8 I. Allgemeines.
bare Labellen besigen, welche bei der geringsten Berührung gegen die Säule zurückschnellen. Es würde hier zu weit führen und liegt nicht im Rahmen dieses Buches, noch näher auf die Vielgestaltigkeit des Orchideen- labellums einzugehen. Der Leser wird aus dem oben Gesagten zur Genüge ersehen können, welche unglaubliche Formenfülle hier dem genaueren Be- obachter entgegentritt.
Der wichtigste Teil der Orchideenblüte ist die Säule (Columna), die aus den drei inneren Kreisen besteht. Hier müssen wir zwei verschiedene Typen streng scheiden, nämlich den Typus der Diandrae und den Typus der Monandhrae.
Bei den Diandrae (Fig. 3), aus welchen ich die Aposlasiaceae, die Pfißer ebenfalls hierherstellt, als eigene Familie ausschließe, und die ich somit auf die Cypröpedilinae beschränke, entwickelt sich das dem mittleren Sepalum gegenüberstehende Staubblatt des äußeren Kreises zu einem großen schildförmigen Staminodium, während Spuren der beiden anderen Stamina an der Säule nicht nachweisbar sind. Von dem inneren Kreise sind die beiden den Petalen gegenüberstehenden Staubblätter normal entwickelt und fertil, das der Lippe gegenüberstehende aber wie die beiden seitlichen des äußeren Kreises völlig abortier. Der innerste Kreis ist, da der Fruchtknoten ja bei allen Orchideen unterständig ist, an der Säule nur in Form der dreiteiligen Narbe kenntlich, welche, da die kurze Säule knieförmig gebogen ist, zur Fruchtknotenachse fast parallel steht.
Wesentlich anders ist die Säule der Monandrae (Fig. 3) beschaffen. Bei ihnen ist das dem mittleren Sepalum gegenüberstehende Staubblatt des äußeren Kreises fertil, die beiden anderen sind wie bei den Diandrae völlig abortiert.
on dem inneren Kreise sind die beiden den Petalen gegenüberstehenden Staubblätter meist in Form verschieden ausgebildeter größerer oder kleinerer Staminodien nachweisbar, häufig aber auch wie stets das dem Labellum gegenüherstebende völlig abortiert. Von der Narbe sind nur die Seitenlappen fertil, während der hintere Lappen, d. h. der dem mittleren Sepalum gegen- überstehende, zu einem Rostellum umgewandelt ist.
Die Gestalt der Säule kann hier sehr verschieden sein. Häufig ist sie stark verkürzt, aber ebenso häufig erheblich verlängert, teils ist die Anthere an der Basis der Säule fest angewachsen, teils hängt sie mit freier Basis von der Spige des kurzen, oft nur rudimentären Filaments herab. Man unter- scheidet danach die Basitonae und Acrotonae. Bei sehr vielen Gruppen bildet die Säule an der Basis einen mehr oder minder deutlichen Fuß, der bei einigen Gattungen, z. B. bei Drymoda und Acanthephippium sehr be- deutende Länge erreicht. Die Form dieses Säulenfußes ist gewöhnlich linealisch oder oblong, zuweilen an der Spiße leicht verbreitet und seltener oben mit einem. Höcker versehen.
Der als Rostellum bezeichnete Teil der Säule, welcher über dem oberen Stigmarande sich erhebt, dient dazu, die Pollinien (Blütenstaubmassen) von der Narbe zu trennen, da diese sonst auf jene hinunterfallen würden und dann
I. Allgemeines. 9
stets Selbstbefruchtung eintreten müßte. Zugleich aber hat das Rostellum den Zweck, die Klebmasse und die Stielchen der Pollinien zu tragen, welche sich von ihm erst im ziemlich reifen Knospenstadium als feines Häutchen ablösen. Seinen Funktionen entsprechend ist das Rostellum eine Querwand, die das Stigma von der Anthere trennt. Der mittlere Teil ist je nach der Länge des Stielchens (Stipes) mehr oder minder lang ausgezogen und trägt an der Spite, gewöhnlich in einem kleinen Ausschnitt, die Klebmasse.
Die Anthere, welche, wie schon oben ausgeführt, entweder mit breiter Basis angewachsen (Basitonae) oder mit dem Rücken an das kurze Filament angeheitet ist, ist immer zweiklappig, doch nicht selten finden sich im Innern noch weitere Fächerungen, so daß jedes Fach in zwei, drei oder vier Kästchen zerlegt ist, die je ein Pollinium enthalten. Bei den Basitonae steht die Anthere meist aufrecht oder liegt schief zurück, die beiden Fächer sind durch ein mehr oder minder breites Konnektiv getrennt und am Grunde in röhrenartige Spiten ausgezogen, welche man als Antherenkanäle zu bezeichnen pflegt. Dazwischen erhebt sich das hier meist kapuzenförmige Rostellum, dessen Seitenlappen die Klebscheiben der Pollinien tragen, die in selteneren Fällen zu einer vereinigt sind. Als meist ohr- oder hornförmige Staminodien sind die Staubblätter des inneren Kreises ausgebildet, welche den Petalen - gegenüberstehen. Bei den Acrotonae hängt die Anthere von der Spite des sehr kurzen, oft fast rudimentären Filaments in eine Höhlung an der Spige der Säule hinab, welche man als Klinandrium bezeichnet. Dieses Klinandrium ist am hinteren Rande oft fast petaloid erweitert und bildet zuweilen, wie zum Beispiel bei Pachyphyllum einen wirklichen Helm, der die Anthere umschließt, in vielen Fällen besißt es einen mehr oder minder zerschlißten oder gelappten Rand, der je nach der Gattung verschieden hoch sein kann. Die Anthere kann von recht verschiedener Form sein und in ihrer Stellung sehr variieren. Bei den meisten Gruppen hängt sie herab, wie bei den Coelogyninae, den Laeliinae und vielen anderen, bei vielen Polychondreae ist sie infolge des aufrecht stehenden Rostellums ebenfalls in eine aufrechte Lage gedrängt, während sie bei den Ziparidinae wagerecht liegt. Ihre häufigste Form ist eine halbkugelige oder nierenförmige, nicht selten mit einem Buckel auf dem Rücken, doch besonders bei vielen Gruppen der Polvychondreae ist sie vorn lang und spit ausgezogen und erhält so eine lanzettliche Gestalt. Dasselbe trifft auch für einige andere Gattungen zu, welche ein sehr langes Rostellum haben. Auf die weitere innere Teilung der Antherenfächer habe ich schon oben hingewiesen. Diese pflegt für die einzelnen Gattungen sehr beständig zu sein, d. h. also wir können nicht zwei Arten zu einer Gattung vereinigen, von denen die eine eine zweifächerige, die andere eine vier- bis achtfächerige Anthere hat.
Auch für den Gärtner haben gerade in den leßten Jahren die Pollinien der Orchideen infolge der vielen Hybridisationen sehr große Wichtigkeit er- langt. Ist es doch schon vorgekommen, daß auf großen Ausstellungen von
10 I. Allgemeines.
besonders wertvollen Arten oder Hybriden die Pollinien durch raffinierten Diebstahl entwendet wurden. Es handelt sich hierbei immer um Pollinien der Acrotonae, da die Basitonae in der Kultur bisher keine nennenswerte Rolle spielen. Auf Grund der Pollinien lassen sich die Acrofonae in zwei ziemlich scharf getrennte Gruppen teilen, nämlich in die Polvchon- dreae mit körnigen Pollinien und die Kerosphaereae mit wachsartigen Pollinien.
Die Pollinien der Polychondreae bestehen aus Massen feiner zu Tetraden vereinigter Pollenkörner, die leicht zu trennen sind. Es werden hier in den Antheren zwei bis vier Pollinien ausgebildet, welche entweder direkt einer rundlichen oder lanzettlichen Klebscheibe anhaften, oder erst durch ein Stielchen (Stipes) mit dieser verbunden sind. In selteneren Fällen fehlt die Klebscheibe und das Stielchen.
Die Kerosphaereae besigen Pollinien, bei denen eine größere Um- gestaltung zu beobachten ist als bei den Polychondreae. In ihrer Be- schaffenheit stellen diese Pollinien wachsartige glatte Körperchen dar, deren Bestandteile nicht zu trennen sind. Ihre Zahl schwankt zwischen zwei und acht, je nach der Fächerung der Anthere. Wir kennen kugelige, eiförmige, birnenförmige, ellipsoide und schließlich fast linealisch-scheibenförmige Pollinien. Bei einigen Gattungen ist eine weitere Aufteilung der zwei Pollinien nur durch das Vorhandensein einer tiefen Furche angedeutet. Lindley hat auf Grund der Pollinien diese große Abteilung der Aerosphaereae in drei Teile zerlegt, aus denen wir die Struktur der Gesamtgebilde, die man als Pollinarien be- zeichnet, erkennen können. Die Malaxideae enthalten bei ihm Pollinien ohne Schwänzchen, Stielchen oder Klebscheibe; die Zpidendreae Pollinien, welche an einer Seite mit einem kurzen Schwänzchen versehen sind, das dem Pollen- - körper anliegt; die Vandeae schließlich mit Pollinien, welche eine deutliche Klebscheibe besiten und entweder dieser direkt oder vermittels eines Stipes anhaften.
Damit hätten wir die hauptsächlichsten Typen der Pollinarien der Aero- sphaereae erschöpft, wenn nicht der Stipes ziemlich bedeutenden Veränderungen unterworfen wäre. Abgesehen davon, daß seine Länge eine sehr verschiedene sein kann und daher auch seine Form innerhalb weiter Grenzen variiert, ist noch zu beachten, daß er zuweilen mehr oder minder tief zweispaltig (zwei- schenkelig) oder sogar in zwei völlig getrennte Gebilde geteilt ist, die entweder einer gemeinsamen oder zwei getrennten Klebscheiben anhaften. Auch die Form der Klebscheiben und deren Größe ist sehr variabel. Die häufigste ist die kleine kreisrunde oder längliche, doch sind bei verschiedenen Gattungen auch lanzettliche, meist hinten spige oder halbmondförmige Klebscheiben zu beobachten, erstere besonders oft bei den Sarcanthinae, lettere vorzugsweise bei den Cvrtopodiinae.
Der Fruchtknoten der Orchideen ist stets unterständig und zeigt sich als ein Gebilde, das oft von dem Blütenstiel kaum zu unterscheiden ist. Er besteht aus drei Fruchtblättern, die meist durch drei Rippen verbunden sind. Auf der
I. Allgemeines. 11
Innenseite der Fruchtblätter werden an je einer wandständigen Samenleiste (Plazenta) eine sehr große Anzahl winziger Samen angelegt. Der Frucht- knoten ist so, da die ihn bildenden drei Blätter des innersten Blütenkreises nur mit ihren Rändern verwachsen sind, einfächerig. Bei den Cypripedilinae kommen Typen vor, bei welchen durch Einbiegung der Fruchtblattränder dreifächerige Fruchtknoten entstanden sind. Die gewöhnliche Form des Frucht- knotens ist eine lang-zylindrische, zuweilen keulenförmige, lettere besonders, wenn ein feinerer Blütenstiel vorhanden ist. Bei sehr vielen Arten, besonders bei den Basitonae und den Polychondreae findet eine spiralige Drehung des Fruchtknotens statt.
Die reife Kapsel springt in sehr verschiedener Weise auf. Es gibt Arten, welche mit einer Spalte sich öffnen, andere, welche mit einer schmalen und einer breiten Klappe, die beide oben zusammenhängen, mit drei gleichen oder mit drei breiten und drei schmalen sich öffnen. Bei denjenigen Arten, bei welchen die ganze Blütenhülle abgeworfen wird, spaltet sich die Kapsel in drei gleiche oder drei breitere und drei sehr schmale, oben frei auseinanderspreizende Klappen. Bei Vanilla endlich scheint in vielen Fällen die fleischige Frucht gar nicht aufzuspringen, sondern die Samen werden erst durch Fäulnis der Schale frei.
Die gewöhnliche Form des Samens ist eine breit ellipsoide oder lang- gezogene, von einem feinen großzelligen, lockeren Nethäutchen umgeben. Seltener ist diese Haut etwas derber und liegt dem feinen Samen dichter an. Bei Vanilla ist die Samenschale krustig und hart und endlich bei Galeola und Fpistephium breit geflügelt.
Die Entleerung der Kapsel findet gewöhnlich statt durch Schleuderhaare, welche bei Änderung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft ihre Lage verändern und dann die Samen herausschleudern, zum großen Teile aber, besonders bei den Epiphyten, durch den Wind. Über die Menge der in einer Samenkapsel enthaltenen Samen liegen genaue Angaben nicht vor, doch ist nach Spißer wahrscheinlich, daß sie in den größeren nach Millionen zählen. Aber auch die kleineren Kapseln enthalten deren sicher mehrere Tausend.
Auf die Keimung und die Entwicklung der jungen Pflänzchen will ich hier nicht näher eingehen, da diese später in einem besonderen Kapitel be- handelt werden.
Fast alle Orchideen sind auf die Befruchtung durch Insekten angewiesen, obgleich in der le&ten Zeit die Zahl der Fälle sich erheblich mehrt, in denen Selbstbestäubung oder Kleistogamie bekannt geworden sind. Der Befruchtungs- vorgang ist ein relativ einfacher. Das Rostellum ist in den Blüten meist so gestellt, daß das Insekt, um an den Nektar oder sonstige ihm erwünschte Absonderungen der Blüte zu gelangen, mit dem Kopf oder dem Rücken die Pollinarien oder einen Teil derselben abstreift und diese dann beim Besuche der nächsten Blüten auf deren schleimige Narbe überträgt. Sind die Pollinien oder Teile derselben auf die Narbe gelangt, so treiben sie ihre Pollenschläuche durch den zentralen Säulenkanal in das Ovarium, wo dann nach Erreichung
{2 I. Allgemeines.
der Ovula die Befruchtung derselben erfolgt. Es ist überflüssig, auf diesen legten Vorgang hier genauer einzugehen, da er in den meisten Lehr- büchern der Botanik sehr eingehend beschrieben wird. Interessanter ist aber, näher kennen zu lernen, welcher Mittel die Pflanze sich bedient, einesteils die Insekten anzulocken, andernteils sie zu veranlassen, die Befruchtung auszu- führen.
Die Blüten der Orchideen sondern gewöhnlich im Innern am Grunde oder in dem Lippensporn Nektar an solchen Stellen ab, die das Insekt nur erreichen kann, wenn es in irgendeiner Weise mit den Pollinien oder den Nabenflächen in Berührung kommt. Bei vielen Arten bilden sich auf gewissen Schwielen der Lippe süße Ausscheidungen oder durch Zerfallen von perlschnurartigen Haaren mehlige Substanzen (Polystachya), welche von den Bienen zur Wachs- bereitung begehrt sind. Der gegebene Landungsplaß für das derartige Stoffe suchende Insekt ist gewöhnlich die Lippe, auf welcher oder in deren Sporn das Insekt diese findet; um aber zu ihnen zu gelangen, streift es mit seinem Kopf oder dem Rücken entweder beim Hinein- oder Herauskriechen die dem Labellum gegenüberstehende Säule derartig, daß die Narbe oder das Rostellum berührt werden müssen. Bei den wenigen Orchideen, welche durch frei schwebende Schmetterlinge besucht werden, ist das Rostellum so weit vor- gestreckt, daß das Insekt, um zu dem im Sporn abgesonderten Nektar zu gelangen, mit der Klebscheide der Pollinarien in Berührung kommt und diese dann abhebt. Sobald das Insekt nun weiterfliegt, senken sich die Pollinien meist nach vorn und kommen so direkt mit der unter dem Rostellum liegenden Narbe in Kontakt. In anderen Fällen findet eine derartige Herabsenkung nicht statt, und es bleibt dem Zufall überlassen, bis die Pollinien abgetragen sind. Daß dieses dann oft geraume Zeit dauern kann, beweist ein Schmetterling, den ich einst im Kongogebiete beobachtete und fing, dieses Tier trug drei Paare von Pollinien einer AJabenaria-Art auf seinem Kopie.
Die meisten Orchideenblüten sind so gestellt, daß die Säule hinten respektive oben, das Labellum vorn respektive unten steht. Nun gibt es aber eine Reihe von Arten, bei denen wir die umgekehrten Verhältnisse haben. Bei vielen von diesen wird dadurch die Befruchtung durch Insekten nicht behinderd, sondern findet in derselben Weise statt wie bei den übrigen. Anders aber verhalten sich einige Orchideen, bei denen das oben stehende Labellum sehr kompliziert gebaut ist, wie zum Beispiel bei Corvanthes; hier müssen sich die in einem becherartigen Behälter, der Nektar enthält, gefangenen Insekten zwischen .Auswüchsen der Lippe so durcharbeiten, um freizukommen, daß sie unfehlbar mit der Narbe und dem Rostellum in Berührung kommen müssen. Wieder andere Gruppen, wie zum Teil die Pterostylidinae und Drakaeinae, besigen ein reizbares Labellum, welches in dem Momente, in welchem ein Insekt auf ihm landet, gegen die Säule schnellt und so das Tier gegen das Rostellum und Stigma drückt, Ganz andere Verhältnisse finden sich dann bei Catasetum und Cycnoches, bei welchen die männlichen und weiblichen Blüten verschieden gestaltet sind. Die Säule der männlichen
I. Allgemeines. 13
Blüten hat hier bei einigen zwei in den Lippensack hineinragende reizbare antennenartige Fortsäge. Kommt nun ein Insekt mit diesen in Berührung, so pflanzt sich der Reiz fort, und die Pollinien schnellen in einem hohen Bogen so heraus, daß sie meistens auf dem Rücken des Insektes landen.
Es ließe sich hier noch ein langes Kapitel schreiben über die verschiedenen Befruchtungsmethoden bei dieser sich merkwürdig an äußere Verhältnisse anpassenden Familie, doch ist der hier zur Verfügung stehende Raum zu klein, um auf alle verschiedenen Fälle einzugehen. Immerhin glaube ich, die wichtigsten hervorgehoben zu haben.
Il. Geographische Verhreitung. R. Schlechter.
Die Orchideen sind mit Ausnahme der hochpolaren Länder und wirklich ausgedehnten Wüstenkomplexe über die ganze Erde verbreitet. Bei weitem die größte Zahl ihrer Arten (man kann etwa 85% angeben) sind Bewohner der tropischen und subtropischen Zonen. Entgegen der oft ausgesprochenen An- sicht, daß es viele Arten gebe mit großer geographischer Verbreitung, zeigt sich in neuerer Zeit immer mehr, daß die Spezies doch mehr lokalisiert sind, als oft angenommen wurde, und daß sogenannte weitverbreitete Arten bei genauerem Studium in mehrere getrennte Spezies zu zerlegen sind. Die wenigen wirklich weitverbreiteten Arten sind fast durchgängig in der nördlichen ge- mäßigten und subarktischen Zone heimisch. Zu ihnen gehören einige Orchis- Arten, Platanthera dilatata Ldl., die reizende Calypso borealis Salisb., Corallorhiza innata R. Br., Microstvlis monophyllos Ldl. und Liparis Loeselii Rich. Von diesen dringen Calypso borealis Salisb. und Platan- thera dilatata Ldl. besonders weit nach Norden vor. Andere Arten, welche auch vorzugsweise die subarktische Zone bewohnen, sind Cypripedilum passe- rinum Richards., C. guttatum Sw., Orchis eruenta Muell., O. aristata Fisch., Platanthera Schischmareffiana Cham. und Ephippianthus sachalinensis J. F. Schmidt. Je weiter wir nun nach Süden kommen, desto größer wird die Zahl der Orchideen; so beherbergen Mitteleuropa, das nördliche gemäßigte Nordamerika und Sibirien nebst dem nördlichen Japan eine ganze Reihe von Arten, besonders der Gattungen Cypripedilum, Orchis, Platanthera, Goodyera, Epipactis, Spiranthes, Liparis, und von kleineren Gattungen eine große Fülle.
Weiter nach Süden, d. h. außerhalb der Einflüsse der arktischen Ele- mente, spezialisieren sich die Orchideenfloren dann sehr bedeutend nach den verschiedenen Erdteilen. So tritt im Mediterrangebiet außer der sehr charak- teristischen Gattung Serapias auch Ophrys hinzu, welche troß ihres be- merkenswerten Formenreichtums ein merkwürdig engbegrenztes Verbreitungs- gebiet hat.
Im südlicheren gemäßigten Asien, und hier kommt wegen des meist sehr unwirtlichen oder trockenen Zentralasiens hauptsächlich Ostasien in Betracht, sind die Gattungen Cypripedilum, Platanthera, Goodyera, Bletilla, Liparis
BR BAR Be RT u
II. Geographische Verbreitung. 15
und als die ersten nördlichen Vertreter der Epiphyten einige Dendrobium-, Bulbophyllum-, Oberonia-, Gastrochilus- und Aerides-Arten bemerkenwert, sowie die nördlichsten Vertreter der Gattung AHabenaria, welche sonst fast nur tropisch ist.
Auch das südlichere gemäßigte Nordamerika birgt viel Endemismen, von denen hier erwähnt seien, die vielen Cypripedilum-, Platanthera- und Spiranthes-Arten, Pogonia, Arethusa, Epipactis und auch hier die nörd- lichsten Epiphyten der neuen Welt in Form einiger Epidendrum-Arten.
Innerhalb der tropischen Zone bleibt das Bild der Orchideenflora bei den drei in Betracht kommenden Erdteilen Asien, Afrika und Amerika nördlich und südlich des Äquators ungefähr das gleiche. Da sich die drei Kontinente in ihrer Orchideenflora aber sehr wesentlich unterscheiden, ist es angebracht, hier der Reihe nach auf sie einzugehen.
Das tropische ‘Afrika ist besonders ausgezeichnet durch die bemerskens- werte Entwicklung von vier Gattungen, nämlich Polvstachya, Eulophia, Lissochilus und Angraecum, doch beherbergt es noch eine recht stattliche Anzahl von endemischen Gattungen und Sektionen weiter verbreiteter Gattungen. Ziehen wir die östlichen Inseln noch hinzu, so nimmt auch die Gattung Cynosorchis, die übrigens auch auf dem Festlande in etwa einem Dutend Arten vertreten ist, ebenfalls eine hervorragende Stellung ein. Von sonstigen Gattungen sind dann noch zu erwähnen, Habenaria, die hier ebenfalls eine besonders reiche Entwicklung erfahren hat, aber auch im tropischen Amerika und Asien in vielen Arten vertreten ist, Deroemeria, Roeperocharis, Auxopus, Maniella, Orestia, ferner Ansellia mit etwa vier Arten und Axcistrochilus, als endemische Gattungen, die Bulbophvllum-Arten der Sektion Megaclinium und viele andere endemische meist zweiblätterige Spezies, und als Hoch- steppen- oder Bergbewohner viele Arten der Gattungen Disa, Satyrium und Disperis, die sonst hauptsächlich südafrikanisch sind, neben Arten von Epipactis, Liparis, Microstylis, Holothrix, Brownleea, Phajus, Zeuxine, Cheirostylis, Hetaeria, Acampe und verschiedenen kleineren Gattungen. Sehr bemerkenswert ist das vollständige Fehlen der Cvpripedilinae auf dem afrikanischen Kontinent.
Der Endemismus der Orchideen des madagassischen Florengebietes ist bekannt. Hier verdienen besonders Aeranthes, Gramangis und Oeonia als endemische Gattungen aufgeführt zu werden, ferner aber zahlreiche Arten vieler der tropisch-afrikanischen Gattungen, welche dem Gebiete eigen sind, so besonders Habenarıa, Cynosorchis, Eulophia in sehr bemerkenswerten Typen, Bulbophyllum und Angraecum. Im ganzen dürfte das tropisch- afrikanische Gebiet, einschließlich der östlichen zu Afrika gerechneten Inseln, 1200 verschiedene Orchideen besigen, welche uns bisher bekannt sind.
Das tropische Asien ist einschließlich des malayischen Archipels und der Philippinen wohl das an Orchideen reichste Gebiet der Welt. Es ist geradezu bemerkenswert, eine wie scharfe Grenze sich hier zwischen Vorderindien nebst Ceylon und den afrikanischen Gebieten findet, denn eine Anzahl von Gattungen,
16 II. Geographische Verbreitung.
welche in Afrika völlig fehlen, beginnen in Indien und sind zum großen Teile bis nach Polynesien verbreitet. Die Zahl der in diesem Gebiete endemischen
Gattungen und derjenigen, welche nach Osten bis auf die Inseln des stillen-
Ozeans vorgedrungen sind, ist sehr groß, und es würde zu weit führen, sie hier alle aufzuführen. Ich will daher nur die hauptsächlichsten erwähnen, be- sonders artenreich sind die Dendrobiinae mit den Gattungen Dendrobium und Zria, ferner Paphiopedilum, Coelogyne, Pholidota, Oberonia, Cirr- hopetalum, Appendicula, Cymbidium, Phreatia, Thrixpermum, Sar-
canthus, Gastrochilus, Saccolabium, Luisia, Handa u. a., unter diesen
viele Gattungen der Polvychondreae. Aber auch Gattungen, welche in einigen Arten in Afrika vertreten sind, haben hier Verbreitungszentren und sind in zahlreichen Arten zu beobachten, so Zeuxine, Microstylis, -Liparis, Phajus, Calanthe, Bulbophyllum, Acampe u. a.
Weiter im Osten, im malayischen Archipel sind zwar noch zum großen Teile dieselben Gattungen vorhanden, doch ändert sich ihr Größenverhältnis zueinander. So herrschen außer den Dendrobiinae, Bulbophyllinae und Liparidinae besonders die Podochilinae und Glomerinae vor, während auf den Philippinen zum Beispiel die Gattung Dendrochilum aus der Gruppe der Coelogyninae eine ganz ungeahnte Entwicklung erfahren hat.
Das tropische Australien, soweit der Kontinent selbst in Betracht kommt, schließt sich in seiner Orchideenflora so eng an das gemäßigte Australien an, daß ich bei Besprechung des letteren darauf eingehen werde. Bemerkens- wert und einer näheren Besprechung wert ist dagegen die Orchideenflora von Neu-Guinea und Polynesien, welche ja geographisch zu Australien gerechnet werden.
Wohl in keinem Lande der Erde finden wir auf einem so kleinen Ge- biete eine so artenreiche Orchideenflora wie auf Neu-Guinea. Ich glaube nicht zu hoch zu greifen, wenn ich annehme, daß Neu-Guinea über 2500 Arten enthält. Habe ich doch in dem deutschen Gebiete allein, das 'etwa ein Viertel der Rieseninsel ausmacht und nicht halb so groß ist wie das Deutsche Reich, während meiner Reisen daselbst gegen 1500 verschiedene Arten in 116 Gattungen feststellen können, von denen nicht weniger als 20 endemisch sind. Die Gattungen Dendrobium mit über 250 und Bulbophyllum mit fast 400 endemischen Arten haben hier eine schier unglaubliche Formen- fülle erlangt. Besonders und geradezu unglaublich vielgestaltig sind hier die Gruppen der Liparidinae, Glomerinae, Podochilinae und T helasinae, unter denen besonders die Gattungen ZLiparis, Microstylis, Oberonia, Ceratostylis, Agrostophyllum, Glossorhyncha, Glomera, Appendicula und Phreatia sich durch Artenreichtum auszeichnen. Ich bin sicher, daß wenn dereinst das ganze Gebiet von Neu-Guinea durchforscht sein wird, kein Land der Erde an Orchideen- reichtum mit ihm konkurrieren kann.
Die nördlich von Neu-Guinea gelegenen Inseln Meikioresiine sind, da sie zum großen Teile aus Korallenatollen bestehen, sehr arm an Orchideen, da- gegen haben die östlicheren Inseln Polynesiens noch eine sehr reiche Orchideen-
ODONTOGLOSSUM GRANDE LDL.
IaroUV ın Parey in
R. Schlechter, Die Orcideen. Verlag von Pı
II. Geographische Verbreitung. 17
llora, so besonders die .Samoa-, Viti- und Societätsinseln, welche alle eine große Zahl von Endemismen bergen, die vorzugsweise den Gattungen Habe-
naria, Corysanthes, Liparis, Microstylis, Calanthe, Dendrobium und Bulbophyllum angehören. Wie im ganzen Minsandehlet sind es besonders die Bergwälder und zwar vorzugsweise diejenigen, welche ich als Nebelwälder bezeichnet habe, die diese Schäße beherbergen.
Seiner Lage entsprechend hat das tropische Amerika eine fast ganz isolierte Orchideenflora. Es sind hier zwar einige altweltliche Gattungen vertreten, die auch sonst eine weite Verbreitung haben, doch ist deren Zahl im Verhältnis zu der der wirklich endemischen Gattungen sehr gering. Von solchen altwelt- lichen Typen sind zu nennen Habenaria, welche sehr artenreich ist, Vanilla, Liparis, Microstylis, Polystachya, Eulophia, Calanthe, Bulbophyllum und Eulophidium, doch ist dabei zu bemerken, daß alle diese meist in Sektionen auftreten, welche für die neue Welt charakteristisch sind, also auch hier ist . stets ein ganz ausgesprochener Endemismus zu beobachten. Eine wirklich nahe Verwandtschaft mit altweltlichen Arten zeigen eigentlich nur drei Arten, nämlich Polystachya luteola Hook, Eulophia longifolia Schltr. und Eulo- phidium maculatum Pfiß.
Die Zahl der für das tropische Amerika eigentümlichen Gattungen ist sehr groß, und viele von ihnen besigen mehrere Hunderte von Arten, so vor allen Dingen Pleurothallis, Epidendrum und Oncidium. Fast die Hälite aller Gruppen der ÄKerosphaereae sind auf Amerika beschränkt, so die Pleuro- thallidinae, Laeliinae, Catasetinae, Lycastinae, Gongorinae, Zygopetalinae, Maxillarinae, Oncidünae und Dichaeinae. Von diesen sind außer den drei bereits oben erwähnten Gattungen noch die folgenden als wichtig zu erwähnen, Masdevallia, Stelis, Restrepia, Lepanthes, Octomeria, Cattleya, Laelia, Schomburgkia, Brassavala, Mormodes, Catasetum, Cycnoches, Anguloa, Lycaste, Bifrenaria, Peristeria, Acineta, Coryanthes, Stanhopea, Houlletia, Gongora, Zygopetalum, Maxillaria, Telipogon, Notylia, Rodriguezia, Jonopsis, Trichopilia, Odontoglossum, Brassia, Miltonia, Cochlioda, Lock- hartia und Dichaea. Die Zahl der im tropischen Amerika wirklich endemischen Gattungen ist auf über 150 anzugeben, dürfte also drei Achtel aller bisher bekannten Orchideengattungen einschließen. Etwa in demselben Verhältnis dürfte auch die Artenzahl zu denen der übrigen Gebiete stehen.
Es bleibt uns nun nur noch übrig, die Orchideenfloren der gemäßigten und subarktischen Gebiete der südlichen Hemisphäre zu besprechen. Diese haben alle für sich sehr typische Arten und Gruppen, die fast nur auf die betreffenden Kontinente beschränkt sind.
Die Orchideenflora des gemäßigten Südafrika ist äußerst charakteristisch durch das Vorherrschen der Basitonae. Hier sind es besonders die Gruppen der Disaeinae und Disperidinae, welche der Orchideenflora das Gepräge geben. Diese sind vertreten in den Gattungen Satyrium, Pachites, Disa, Schizodium, Brownleea, Disperis, Pterygodium und Carlonara, Von anderen Gruppen der Basitonae sind die Habenarinae anzutreffen in zahl-
Schlechter, Die Orchideen. 2
18 II. Geographische Verbreitung.
reichen Arten der Gattungen Neobolusia, Brachycorythis, Schizochilus, Bartholina, Holothrix, Huttonaea, Platanthera im weiteren Sinne, Habe- naria und Cynosorchis. Doch auch die übrigen Abteilungen der Monandrae fehlen nicht; so finden sich Arten der Gattungen Nervilia, Platvlepis, Zeuxine, Liparis, Polvstachya, Acrolophia, Ansellia, Calanthe, Eulophia, Lissochilus, Bulbophyllum, Angraecum und Mivstacidium. Von allen diesen Gattungen sind Bartholina, Huttonaea, Pachites, Schizodium, Pterx- godium, Ceratandra und Acrolophia endemisch, d. h. sie kommen nur in diesem Gebiete vor. Die artenreichsten Gattungen sind Disa, Satyrıum, Eulophia, Holothrix, Habenaria, Pterygodium und Disperis.
Ganz erheblich verschieden verhält sich die Flora des gemäßigten Australien, mit dem auch die des kleinen tropischen Streifens des Kontinentes überein- stimmt. Hier dominieren die Polvchondreae und zwar in Gruppen, die nur in Australien vorkommen oder deren Verbreitungszentrum auf dem austra- lischen Kontinent zu suchen ist, nämlich den 7helymitrinae, Diuridinae, Prasophyllinae, Pterostylidinae und andem, in Gattungen wie Thelx- mitra, Epiblema, Diuris, Orthoceras, Microtis, Prasophyllum, Caleana,
akaea, Pterostylis, Caladenia, Eriochilus, Calochilus, Chiloglottis, Glos- sodia, Adenochilus, Townsonia, Acianthus, Corysanthes, Cryptostvlis, Lyperanthus und Megastylis. Eine nicht unbedeutende Rolle in der Zu- sammensegung der Orchideenflora spielen hier ferner die Gattungen Den- drobium, Bulbophyllum, Cymbidium und Sarcochilus, während andere wie Hetaeria, Galeola, Liparis, Microstylis, Oberonia, Pholidota, Appendicula,
hajus, Calanthe, Spathoglottis, Eria, Phreatia und Sarcanthus durch einzelne oder wenige Arten vertreten sind. Auf den östlich von Australien liegenden Inseln Neu-Seeland und Neu-Kaledonien tritt dann noch die Gattung Earina hinzu und auf der letteren weitere Endemismen wie Gonatostylis, Collochilus, Pachycentron. Im ganzen dürfte der Kontinent, einschließlich Neu-Seeland und Neu-Kaledonien, etwa 450 Orchideen beherbergen.
Das gemäßigte Südamerika ist verhältnismäßig arm an Orchideen. Die Epiphyten hören hier bald auf und sind nur noch im Norden durch einige Arten der Gattungen Oncidium, Epidendrum und Macradenia vertreten, dagegen spielen als Erdorchideen auch hier die FPolvchondreae eine wichtigere Rolle. Es sind die Chloraeinae , welche diesen Gebieten eigen- tümlich sind und in zwei Gattungen Chloraea und Bipinnula auftreten, von denen die erstere eine recht stattliche Artenzahl besitt. Auch die im tropischen Südamerika sehr formenreiche Gattung Spiranthes zeigt sich noch in einer Reihe von Arten, verschwindet aber, sobald man weiter nach Süden vordringt. Eine andere sehr interessante Gattung tritt dann an ihre Stelle, die reizende Codonorchis, welche bis nach Feuerland hinuntergeht. Auch Habenaria findet sich noch im nördlicheren Teile, scheint aber ebenso schnell zu verschwinden wie Spiranthes.
Die subarktische Zone der südlichen ist ungleich ärmer an Orchideen als die der nördlichen Hemisphäre. Allerdings sind es ja nur kleine Landkomplexe,
ll. Geographische Verbreitung. 19
die hier zu berücksichtigen sind, nämlich die Inseln südlich Neu-Seelands und ° die Südspite von Südamerika. Für das erste Gebiet kommen eigentlich nur drei Arten in Betracht, nämlich Lyperanthus antarclicus Hk. f., Chiloglottis bifolia Schltr. und Adenochilus gracilis Hk. f, Von Südamerika kennen wir aus den subarktischen Gebieten nur die Codonorchis- und einige wenige Chloraea-Arten.
Die Angaben über die Zahl der bisher beschriebenen Orchideenarten gehen sehr weit auseinander. In den meisten Lehrbüchern finden wir ihre Zahl auf 6000 geschäßt, doch das ist ein völlig veralteter Standpunkt, Pfiter gibt 6000 bis 10000 an, Stein in seinem »Orchideenbuch« kommt der Wahrheit schon näher, wenn er sagt, daß man bei der Reichenbachschen Auffassung der Arten »die 10000 getrost um einige Tausend vermehren» kann. Ich kann nun, nachdem ich einen Zettelkatalog sämtlicher bis zum Jahre 1910 beschriebenen Arten angefertigt habe, dafür einstehen, daß die Familie bis jest sicher 15000 be- schriebene Arten enthält und bin der Überzeugung, daß sie sich, wenn wir dereinst die Flora sämtlicher Tropenländer genau kennen werden, als die größte Pflanzenfamilie erweisen wird. Die Zahl von Arten, welche von den bis jett beschriebenen einzuziehen sein wird, ist verhältnismäßig klein, sicher ist dagegen, daß noch Tausende von unbeschriebenen Arten in den Tropen ihrer Entdeckung harren, so besonders in den Monsungebieten und den Ge- birgen des tropischen Amerika, vorzugsweise in den Anden.
II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und tier hauptsächlichsten Arten.
Von R. Schlechter.
In dem hier folgenden systematischen Teile des Buches habe ich sämt- liche bisher bekannt gewordene Orchideengattungen und einen großen Teil der sich in Kultur befindenden Arten aufgeführt. Die Gattungen sind in der mir am natürlichsten erscheinenden Reihenfolge, die Arten alphabetisch behandelt worden. Diese Anordnung erschien mir der besseren Übersicht wegen die praktischste zu sein, um so mehr als sich mit Hilfe des Inhaltsverzeichnisses am Schlusse des Buches jede beschriebene Art leicht auffinden lassen wird. Die Zusammenfassung der natürlich zusammengehörigen Gattungen hat aber noch einen besonderen Zweck. Der Orchideenkultivateur beschäftigt sich heute besonders gern mit Kreuzungsversuchen seiner Orchideen und kann so aus der hier gegebenen Reihenfolge der Gattungen erkennen, innerhalb welcher Gattungen derartige Versuche gemacht werden sollten, d.h. er sollte sich auf Kreuzungen innerhalb der Gattungen einer Gruppe beschränken. Auf diese Weise kann vermieden werden, daß Hybridisationsexperimente zwischen Gattungen wie Odontoglossum und Vanda oder Masdevallia und Oncidium oder ähnliche, wie ich sie selbst erlebt habe, gemacht werden; denn daß dabei irgendwelche Resultate erzielt werden, kann als ausgeschlossen betrachtet werden. Solche Kreuzungen entsprächen etwa einem Bastard zwischen einer Potentilla und einem Apfelbaum, der ja doch ebenso undenkbar ist.
Dem hier durchgeführten System liegen in den Grundzügen die Aus- führungen von Pfißer zugrunde, dessen System der Familie ohne Zweifel nach dem heutigen Stande der Wissenschaft als das natürlichste angesehen werden muß. Ich bin nur da von diesem System abgewichen, wo neuere Unter- suchungen gezeigt haben, daß die Pfitersche Anordnung Lücken zeigte oder gewisse Merkmale nicht genügend bewertete, welchen mehr Bedeutung zuzu- kommen scheint.
Soweit die Benennung der Gattungen und der Arten in Betracht kommt, möchte ich bemerken, daß ich mich vollständig nach den Nomenklaturregeln gerichtet habe, welche die botanische Wissenschaft nach den letten Kon- gressen in Wien und in Brüssel heute allgemein vorschreibt.
III. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten. 21
Es ist selbstverständlich, daß bei dem hier zu Gebote stehenden Raum nicht alle kultivierten Arten angeführt werden können, doch glaube ich die wichtigsten berücksichtigt zu haben, welche sich jegt in Kultur befinden; da wo es sich um einzelne Vertreter seltener Gattungen handelt, sind auch diese berücksichtigt worden. Die Aufzählung der sämtlichen Gattungen soll dem Liebhaber die Möglichkeit geben, sich darüber Auskunft zu verschaffen, was er zu erwarten hat, wenn ihm eine Art irgendeiner ihm unbekannten Gattung angeboten wird. Bei den Verbindungen mit den Tropen, welche wir nun haben und welche immer günstiger werden, treten derartige Fälle jest ja immer häufiger ein.
Der besseren Übersicht halber werde ich hier noch in Form einer Tabelle die Einteilung und die Aufzählung der Gruppen des hier gehandhabten Systems vorausschicken. Die Merkmale derselben werden in dem systematischen Teile selbst näher behandelt.
System der Orchideen.
Erste Unterfamilie: Diandrae. Gruppe 1. Cypripedilinae. Zweite Unterfamilie: Monandrae. Abteilung |. Basitonae.
Gruppe 4. Disperidinae.
Gruppe 2. Habenarinae. |
3. Disaeinae. |
Abteilung Il. Acrotonae. Unterabteilung I. Polychondreae.
Gruppe 5. Plerostylidinae. Gruppe 15. Vanillinae. „6. Diuridinae. | 5 16. Sobraliinae. u 7. Thelymitrinae. | .. 17. Cephalantherinae. ii 8. Prasophyllinae. A 18. Gastrodiinae. . 9. Drakaeinae. | iz 19. Bletillinae „ 10. Caladeniüinae. | u 20. Cranichidinae „ NM. Acianthinae. | „. 21. Spiranthinae. „ 12. Cryptostylidinae. | „22. Physurinae.
13. Chloraeinae. | = 23. Tropidiinae. 14. Listerinae. | Unterabteilung Il. Kerosphaereae. Reihe A. Acranthae. Gruppe 24. Collabünae. | Gruppe 26. Coelogyninae. 25. Adrorrhizinae. > 27. Liparidinae.
”
22 Il. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Gruppe 28. Pleurothallidinae. Gruppe 32. Dendrobiüinae. „29. Ponerinae. | »...33. Glomerinae. y 30. Laeliinae. | ;ö 34. Podochtlinae. > 31. Thuniinae. | = 35, Polvstachyinae. Reihe B. Pleuranthae. Unterreihe I. Sympodiales.
Gruppe 36. Corallorrhizınae. | Gruppe 49. Zygopetalinae. . 37. Phajinae. | 2 50. Huntleyinae. “ 38. Bulbophyllinae. . 51. Maxillarinoe. r 39, Genyorchidinae. se 52. Eulophidiinae.
= 40. Ridlevellinae. | ii 53. Trichocentrinae.
eo 41. Thelasinae. | ” 54. Compareltünae.
n 42. Cyrtopodünae. | ;» 55. Jonopsidinae.
” 43. Cymbidiinae. | A 56. Notvlünae.
„4. Grobyinae. | „57. Aspasünae.
„45. Thecostelinae. | „58. Oncidiinae.
n 46. Catasetınae. “ 59. Ornithocephalinae.
“ 47. Gongorinae. | = 60. Telipogoninae.
; 48. Lycastinae. | . 61. Lockhartiinae.
Unterreihe II. Monopodiales.
Gruppe 62. Dichaeinae. | Gruppe 64. Pierostemmatinae. = 63. Pachyphyllinae. | “ 65. Sarcanthinae.
Erste Unterfamilie: Diandrae.
Diese Unterfamilie ist dadurch charakterisiert, daß zwei Staubblätter des inneren Kreises normal entwickelt sind, während das dem mittleren Sepalum gegenüberstehende Staubblatt zu einem mehr oder minder schildförmigen großen Staminodium umgewandelt ist. Der Fruchtknoten ist einfächerig, un- vollkommen oder völlig dreifächerig.
Gruppe 1. Cypripedilinae.
Entgegen Pfiter und anderen Autoren habe ich die Apostasiaceae, dem Beispiele Ridleys folgend, nicht hier mit aufgenommen, sondern betrachte sie als eigene Familie, welche durch die regelmäßigen Antheren, die denen der Liliiflorae völlig gleichen, von den Orchideen getrennt ist. Die Cypripedilinae bilden so die einzige Gruppe der Unterfamilie der Diandrae oder Pleonandrae, wie sie später von Pfißer getauft wurde. Alle hierher gehörigen Gattungen haben ein schuh- oder pantoffelförmiges Labellum.
Gruppe 1. Cypripedilinae. 23
I. Selenipedilum Rchb. f.
Sehr schlanke bis 5 m hohe verzweigte Pflanzen vom Wuchs mancher Sobralien mit gefalteten behaarten Blättern und einer en Traube kleiner Cypripedilum- Be Blüten, mit dreifächerigem Fruchtknot
ei Arten $, vergras Rchb. f. und 5. nn Rodr. aus Guiana und Brasilien. Bisher nicht in Kultu
2. Cypripedilum L. (Arietinum Beck, Calceolus Adans., Corisanthes Steud., Criosanthes Raf., FHypodema Reichb,, Sacodon Rat.)
Krautige Pilanzen mit ungegliederten, faltigen, meist behaarten Blättern und stets unverzweigtem Stamm. Die Blüten stehen einzeln oder in end- ständigen wenigblütigen Trauben. Der Fruchtknoten ist einfächerig. Die Blüten sind stets von zarter Textur mit mehr oder minder aufgeblasenem pantofiel- artigem Labellum. Die nördlicheren Arten sind bei uns winterhart; sie ver- langen einen durchlässigen, mit Lauberde durchsegten leichten Moorboden. Bei €. calceolus L. ist eine Vermischung mit zerschlagenen Kalksteinen an- gebracht. Die chinesischen Arten und die des südlichen Nordamerika müssen bei uns im Winter gut gedeckt oder in Kästen überwintert werden
Aus dem kurzen, büschelartig bewurzelten Rhizom treten alljährlich im zeitigen Frühjahr die neuen Triebe hervor. Beim Verpflanzen ist sehr darauf zu achten, daß die Wurzeln, besonders deren Spiten nicht verlett werden, da Seitenzweige der Wurzeln nie gebildet werden und somit stets eine längere Schwächung der Pilanze eintreten würde.
C. acaule R. Br. (Cypripedium humile Salisb.).
Eine der größtblütigsten Arten der Gattung, von 15—25 cm Höhe, mit zwei großen Blättern dicht über der Basis des Stammes und einzelnen lang- gestielten, zirka 12 cm breiten Blüten, mit großer, rosenroter, dunkler geaderter Lippe und grünlichen Sepalen und Petalen. Bei uns völlig winterhart. Blütc- zeit: Mai bis Juni. Heimat: Nordamerika, (Fig. 4.)
C. arietinum R. Br. (Cypripedium plectrochilon Franch., Criosanthes borealis Rafin,, Criosanthes parviflora Rafin., Arietinum americanum Beck).
Etwa 20—30 cm hoch, mit beblättertem Stamm und einzelner Blüte, die kleiner ist als bei €. calceolus L., die Sepalen und Petalen sind weißgrün, oft bräunlich überlaufen, die Lippe weißlich mit roten Flecken. Ist winterhart, wird aber sicherer im Winter etwas au Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Nordamer
C. calceolus L. lreoine ömifohne St. Lager., Calceolus Marianus Crantz).
25—40 cm hoch, mit beblättertem (3—5blätterigem) Stamm. Blüten bis 10 cm im Durchmesser, meist einzeln, seltener 2—3, mit braunen Sepalen und Petalen und goldgelber Lippe. Völlig winterhart und für halb- schattige Gebüschpartien sehr zu empfehlen. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Europa und Sibirien. (Fig. 5.)
24 III. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
C. californicum A. Gr.
Sehr hübsche bis 70 cm hohe Staude mit beblättertem Stamm und lockerer Traube von 6—12 Blüten. Die Blüten sind denen von C. calceolus L. in der Färbung ähnlich, doch nur 3,5—4 cm im Durchmesser, mit blasserer Lippe und stumpfen Sepalen und Petalen. Bei uns kaum winterhart, daher besser in Kästen zu überwintern. Blütezeit: Mai. Heimat: Oregon und nörd- liches Kalifornien, in feuchten Wäldern und offenen Mooren.
Fig. 4. Cypripedilum acaule R. Br.
C. candidum Mühlenb.
Bis 30 cm hoch, mit gewöhnlich zweiblätterigem Stamm und einer Blüte von der Form der des €. calceolus L., aber kleiner (6 cm im Durchmesser). Sepalen und gedrehte Petalen hellgrün, bräunlich überlaufen, die Lippe fast reinweiß, innen mit rosenroten Adern. Bei Bedeckung winterhart. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Östliches Nordamerika, in Sümpfen und auf fetten Wiesen.
C. fasciculatum Kellogg. (Cvpripedium pusillum Rolte).
Bis 30 cm hoch, mit zwei Blättern am Grunde. Schaft mit verkürzter 4—6blütiger Traube kleiner, 3 cm im Durchmesser haltender Blüten. Sepalen und Petalen grünlich , rotbraun-gestreift, Lippe grüngelb, zuweilen
Gruppe 1. Cypripedilinae. 25
leicht braun überlaufen. Im Kasten zu überwintern. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Kaliformien.
C. fasciolatum Franch.
Bis 40 cm hohe, 3—5blätterige Staude, mit einer für die Gattung sehr großen schönen Blüte. Labellum ziemlich stark aufgeblasen. Sepalen und die an der Spite etwas gedrehten Petalen sowie die Lippe rot mit dunkel-blutroten Streifen längs der Nerven. Eine der schönsten Arten der
-
Fig. 5.
Gattung. Die Pflanze wird am besten im Kasten überwintert. Blütezeit: Juni. Heimat: Westchina, auf Bergen bei etwa 2000 m Höhe ü. d. M.
C. guttatum Sw. (Cvpripedium orientale Sprgl., Cypripedium varie- gatum Georgi, Cypripedium Yatabeanum Makino).
10—20 cm hohe Staude, mit zwei stark genäherten ovalen Blättern in der Mitte des einblütigen Stengels.. Blüte 4—5 cm im Durchmesser, mit weißlichen Sepalen und Petalen und rotgefleckter Lippe. Bei uns winterhart. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Von Rußland (Moskau) durch Sibirien, Nordchina, Japan bis Alaska und Britisch Columbien.
Var. Redowskii Rchb. f. Von der Stammform unterschieden durch das länger ausgezogene Labellum und die weiße Blüte. Heimat: Rußland.
26 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
C. japonicum Thbg.
30—40 cm hohe Staude. Stengel einblütig, unterhalb der Mitte mit zwei zirka 12 cm langen fächerförmigen Blättern. Blüte etwa 7 cm im Durchmesser, mit grünlichen am Grunde rotgefleckten Sepalen, weißen, am Grunde braunrot- punktierten Petalen. Labellum weiß oder rosenrot mit roter Aderung und roten Flecken. Muß im Winter vor Frost geschüßt werden. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Japan, China.
C. Iuteum Franch.
Bis 30 cm hoch, mit ziemlich dicht beblättertem, einblütigem Stengel. Im Wuchs dem €. Reginae Walt. ähnlich, aber mit kleineren Blüten. Blüten etwa 4 cm im Durchmesser, mit breiteiförmigen Sepalen und Petalen und ziemlich stark aufgeblasener Lippe, gelb mit roten Punkten. Muß im Winter vor Kälte geschüßt werden. Blütezeit: Juni. ‚Heimat: China, in den Bergen von Yunnan und Setschuan bei etwa 3000 m Höhe ü, d. M.
C. macranthum Sw.
30—40 cm hoch, mit 3—4blätterigem, meist einblütigem Stengel. Blüte ziemlich groß. Sepalen und Petalen breit lanzettlich, hellpurpurn. Lippe groß und breit, bauchig aufgeblasen, dunkelrot, innen heller mit dunklerer Aderung. Eine der schönsten Arten. Bei uns völlig winterhart. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Sibirien.
Var. ventricosum Rchb. f. (C. ventricosum Sw.). Durch die linealisch dreieckigen die Lippe überragenden Petalen unterschieden. Heimat: Sibirien.
C. montanum Dougl. (Cypripedium occidentale S. Wats.).
Bis 40 cm hohe Staude, mit beblättertem, 1-—-3blütigem Stengel. Blüte etwa 10 cm im Durchmesser, mit braunen breitlanzettlichen Sepalen, fast linealischen gedrehten ziemlich langen herabhängenden Petalen von der Färbung der Sepalen und weißer schief-eiförmiger bauchiger Lippe. Unter dichterer Laubdecke bei uns winterhart. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Westliches Nordamerika, von Nordkalifornien bis Vancouver.
C. parviflorum Salisb.
30—40 cm hohe Staude, mit 3—4blätterigem, 1—2blütigem Stengel. Blätter lanzettlich-elliptisch. Blüten wenig kleiner als bei C. calceolus %, mit braunen, eiförmig-lanzettlichen Sepalen und vier- bis sechsmal gedrehten schmalen braunen Petalen. Lippe im Umfang oval mit goldgelbem Schuh. Bei uns völlig winterhart. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Östliches Nordamerika, von Neu-Fundland bis Georgia, in feuchten Moosgründen.
C. pubescens Willd. (C. Tavescens D. C., C. luteum Raf., C. hirsutum Fox).
Bis 50 cm hohe Staude, mit etwa 4 blätterigem, - 1—3blütigem Stengel. Blätter breit eiförmig, kurz und dicht weichhaarig. Blüten ziemlich groß, mit grünbraunen eiförmigen Sepalen und schmäleren gedrehten Petalen derselben Färbung. Lippe leuchtend gelbgrün, oit leicht rotgeadert. Winterhart. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Östliches Nordamerika.
C. Reginae Walt. (C. album Ait., C. canadense Michx., €. spectabile Sw.).
Bis 60 cm hohe, 5—7blättrige Staude, mit 1—2 Blüten. Blätter breit
Gruppe 1. Cypripedilinae, 27
oval. Blüten ziemlich groß, 8 cm im Durchmesser, mit länglichen stumpfen Sepalen und weißen schmäleren stumpfen Petalen. Labellum bauchig auf- geblasen, fast kugelig, rosa, nach der Mündung dunkler mit hellerer Zeichnung. Diese prächtige Art, welche sich vorzüglich zur Bepflanzung von halbschattigen Gebüschrändern eignet, auch gruppenweise in lichten Gebüschen vorzüglich wirkt, ist völlig winterhart bei uns, Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Östliches Nordamerika, von Kanada bis Nord- (ie Carolina. Bereits seit | 1731 in Kultur. (Fig. 6.) | Zur Einfuhr sehr zu empfehlende Arten: C. irapeanum LaLlave
&: Lex, M ‚ mit goldgelben Blüten, C. mar- garitaceum Franch., mit
gefleckten Blättern und kurzgestielten purpurnen Blüten.
3. Phragmopedi- Ium Rolte. (Uropedium Ldl.)
Die Gattung ist an- fangs von Pfißer mit Pa- phiopedilum vereinigt
trennt. Sie enthält alle die Arten, welche in den Gärten als Selenipedium kultiviert werden. Von Paphiopedilum unter-- esse scheidet sie sich durch Fig. 6. Cypripedilum Reginae Walt.
das dreifächerige Ova-
rium und durch die Schuhöffnung mit eingerollten Rändern. Beide Gattungen sind vor Selenipedilum und Cypripedilum dadurch zu erkennen, daß die Blüte hier nach der Befruchtung über dem Fruchtknoten vollständig abgegliedert wird, während sie bei den beiden anderen im verwelkten Zustande verbleibt. Bei beiden Gattungen wird nie ein Stamm gebildet, wie bei Selenipedilum und Cvpripedilum. Das Verbreitungsgebiet der Gattung erstreckt sich von Costa-Rica durch Kolumbien, Ekuador, Peru bis Bolivia einerseits, andererseits sind aus den Gebirgen Brasiliens, besonders des nördlichen Teiles, ver- schiedene Arten bekannt geworden.
28 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
P. Boissierianum Rolfe. (Cypripedium Boissierianum Rchb. f., Seleni- pedium Boissierianum Rchb. f., Paphiopedilum Boissierianum Pfiß.).
Etwa 50 cm hoch. Blätter 40—50 cm lang, bis 9 cm breit, spig. Schaft 3—5blütig, mit häutigen Hochblättern. Blüten etwa 12 cm breit, mit eiförmigen, hellgrünen, dunkler netadrigen Sepalen und schmäleren gewellten, grün- gestreiiten, an der Spite rötlichen Petalen. Lippe länglich, gelb mit grünen Adem. Die Art ist jest in Kultur selten geworden. Sie wurde 1787 von Pavon entdeckt und im Jahre 1876 von Davis eingeführt. Blütezeit: August bis Oktober. Heimat: Peru.
P. caricinum Rolfe (Cypripedium caricinum Ldl., Selenipedium caricinum Rchb. f., Paphiopedilum caricinum Pfiß., Selenipedium Pearcei Rchb. f., Cypripedium Pearcei hort.).
Bis 40 cm hoch. Blätter 4—7, bis 50 cm lang, spit, bei zirka 1—1,5 cm Breite. Schaft 3—6blütig. Blüten ausgebreitet zirka 10 cm breit, mit ei- förmigen Sepalen und linealischen Petalen, gelbgrün mit weißer, rot punktierter Schuhöffnung. Blütezeit: April bis Juli. Heimat: Bolivia, Peru.
P. caudatum Rolfe (Cypripedium caudatum Ldl., Selenipedium caudatum Rchb. f., Paphiopedilum caudutum Piiß., Cvpripedium Humboldti Warsc.).
Bis 1 m hoch. Blätter 25—40 cm lang, spi, zirka 3 cm breit. Schait dicht und kurz weichhaarig, gewöhnlich 2—3blütig. Blüten groß, mit lanzettlichen Sepalen und schwanzartigen, schmal-linealischen, etwa 50 cm langen, schlaff herabhängenden Petalen, gelbgrün, die Petalen bräunlich über- laufen. Lippe länglich, am Grunde grünlich, nach vorn bräunlich, die Schuh- öffnung weiß mit roten Punkten. Eine sehr interessante Pflanze, die wirklich
verdiente, häufiger kultiviert zu werden. Blütezeit: April bis August.’
Heimat: Peru, Ekuador bei 1500—2500 m Höhe ü. d. M. und Costa-Rica (doch bedarf die wirkliche Identität der Costa-Rica-Pflanze mit der peruanischen noch der Bestätigung).
ar. Albertianum Lind., mit gelben Sepalen und vorn rosig-braunen kürzeren Petalen.
Var. giganteum Lind., mit gelben rotgestreiften Sepalen, sehr langen ‚Petalen und brauner vorn gelber Lippe.
Var. Lindeni Veitch. (Cypripedium Lindeni Van Houtte., Uropedium Lindeni Ldl.). Sehr merkwürdige halbpeloriale Varietät, bei welcher das Labellum nicht schuhförmig, sondern aus breiterem Grunde wie die Petalen geschwänzt is. Heimat: Kolumbia. (Fig. 7.)
Var. roseum Lind., mit leicht braunen Sepalen und Labellum und rosen- roten Petalen. Heimat: Costa-Rica.
Var. Seegerianum hort. Sepalen gelb, grüngestreif. Lippe dunkel- kastanienbraun.
Var. Wallisii Veitch. (Cypripedium Wallisii Lind,, Selenipedium Wallisü Rchb. f.). Sepalen am Grunde weiß, grün-neßadrig, Petalen blaß-braun, Lippe weiß, blaßbraun-gefleckt mit gelbem braun-punktiertem Rand. Heimat: Peru bis Ekuador.
u. pi r En EEE, RE EEE - VREREERBES AL 15 in le NE RETTET ET ETF NEN EEE
Gruppe 1. Cypripedilinae. 29
Var. Warscewiezianum Veitch. (Cypripedium Warscewiczianum Rchb. f., Selenipedium Warscewiczianum Rchb. f., Paphiopedilum Warscewiczi- anum Pfiß.), mit breiteren zweilappigen Staminodium. Heimat: Kolumbia.
Phragmopedilum caudatum Rolfe var. Lindeni Veitch.
P. Czerwiakowianum Rolfe (Selenipedum Czerwiakowianum Rchb. f., Paphiopedilum Czerwiakowianum Pflb., Cypripedium Czerwiakowianum Kränzl.).
30 II. Anfzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Eine wenig bekannte Art, welche dem P. Hartwegii Rolfe nahe stehen soll, sich aber durch das kurze Labellum unterscheidet. Die Blüten sind gelb- grün. Heimat: Peru.
P. Hartwegii Rolfe (Cypripedium Hartwegii Rchb. i., Selenipedium Hartwegii Rchb. f., Paphiopedilum Hartwegii Pfiß.),
Etwa 50 cm hoch, mit 80 cm langen, nach der Spite verschmälerten Blättern, Schaft kahl, etwa 4—5blütig, Blüten glänzend grüngelb, mit läng- lichen spigen Sepalen und schmalen am Rande leicht gewellten schief ab- stehenden Petalen. Lippe verkehrt eiförmig. Wohl kaum noch in Kultur. Heimat: Ekuador,
P. Klotschianum Rolfe (Cypripedium Klotschianum Rchb. f,, Seleni- pedium Klotschianum Rchb, f., Paphiopedilum Klotschianum Pfiß., Cypri- pedium Schomburgkianum K\.).
Etwa 30 cm hoch, mit 4—6 schmalen, 30—35 cm langen Blättern. Schaft 2—4blütig, dicht weichhaarig. Blüten zirka 10 cm breit, Sepalen schmal eiförmig, dicht und kurz weichhaarig, gelbgrün, rosenrot gestreift. Petalen schief abstehend linealisch, grünlich, am Rande und an der Spiße rosenrot. Labellum gelbgrün, Selten in Kultur. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Britisch-Guiana, auf dem Roraimagebirge.
P. Lindleyanum Rolfe (Cypripedium Lindleyanım Schomb., Seleni- pedium Lindleyanum Rchb. f., Paphiopedilum Lindleyanum Pfiß.).
Bis 80 cm hohe schlanke Pflanze, mit wenigen, zirka 60 cm langen, 6 cm breiten, spitzen Blättern, Schaft 3—7 blütig, dicht weichhaarig. Blüten etwa 7 cm breit, mit länglichen Sepalen und breit linealischen, längeren, stumpfen, etwas gewellten Petalen, blaß grün, rot-gestreift, außen rötlich über- laufen. Lippe leuchtend grün, mit purpurnen Adern und Flecken. Diese Art ist selten in Kultur. Sie wurde 1847 von Schomburgk entdeckt und 1881 durch Burke von Veitch eingeführt.: Blütezeit: Herbst und Winter. Heimat: Britisch-Guiana, im Roraimagebirge bei zirka 2000 m ü. d. M.
Var. Kajeteurum Rchb. f. (Cypripedium Kajeteurum N. E. Br.). Durch kürzere Blätter und größere weniger dicht behaarte Blüten unterschieden. Heimat: Britisch-Guiana, in Felsspalten am Kajeteurwasserfall. Bisher kaum in Kultur.
P. longifolium Rolie (Cypripedium longifolium Rchb. f. und Warsc., Selenipedium longifolium Rechb. f., Paphiopedilum longifolium Pfß., Cypripedium Reichenbachiü Endres.).
80—100 cm hoch. Blätter riemenförmig, spiß, bis 60 cm lang, 3 cm breit. Schaft ziemlich dicht 6—10blütig, sich langsam entwickelnd, so daß meist nur eine Blüte offen ist. Blüten zirka 18 cm breit, mit eiförmig-lanzettlichen, spigen Sepalen und doppelt so langen, fast linealischen, abstehenden Petalen, grün mit purpurnen Streifen. Lippe grün, braun überlaufen. In Kultur die häufigste Art der Gattung. Blütezeit: Fast das ganze Jahr hindurch, haupt- sächlich im Herbst. Heimat: Costa-Rica, bei etwa 2000 m auf dem Chiriqui- Vulkan von Warscewicz 1849 entdeckt.
ee eree 05
Gruppe 1. Cypripedilinae. 31
Var. coloratum Rchb. f., mit breiteren Blättern und purpurnen Petalen.
Var. einge rar ; mit am Grunde beiderseits gezähnter Lippe. Heimat: Pana
Var. elle: Rolfe Gy EEE gracile Veitch., Selenipedium gracile Desbois), mit schmäleren Blättern, kleineren Blüten und an der Spige purpur- roten Petalen.
Var. Hinksianum Veitch. (Cvpripedium Hinksianum Rechb. f., Seleni- pedium Hinksianum Desbois, Paphiopedilum Hinksianum Pfiß.), mit breiteren Blättern, sehr großen Brakteen, längerem Schuh. Heimat: Isthmus von Panama.
Var. Roezlii Veitch. (Cvpripedium Roezliül hort., Selenipedium Roezlii Rchb. f., Paphiopedilum Roezlii Pfiß.), mit breiteren Blättern, spiteren rosenrot überlaufenen Sepalen und rot berandeten Petalen. Heimat: Kolumbien, Dagua.
Var. splendidum Pucci. mit weißem, außen grün-, innen braun-gestreiftem mittleren Sepalum, purpurnen rosenrot-berandeten Petalen, blaßgrüner Lippe mit brauner Aderung.
P. Sargentianum Rolfe (Selenipedium Sargentianum Rolie).
Etwa 40 cm hoch, sehr ähnlich dem P. Lindleyanum Rolfe, aber mit längeren Petalen. Sepalen grün hellviolett-überlaufen. Petalen weißlich mit rosenroten Punkten am Grunde. Lippe grünlich, vorn rosenrot, an der Pantoffel- mündung braun-marmoriert. Blütezeit: September bis Oktober. Heimat: Pernambuko. In Kultur eine sehr seltene Art.
P. Schlimii Rolie (Cvpripedium Schlimii Batem., Selenipedium Schlimii Rchb. f., Paphiopedilum Schlimii Pfiß.).
Eine sehr isoliert stehende, 30—50 cm hohe Art, mit schmalen, 25 cm langen, 1,5 cm breiten, spiten Blättern. Schaft dicht und kurz weichhaarig, 5—8blütig. Sepalen und Petalen elliptisch, weiß oder rosenrot mit roten Stricheln oder Tüpfeln. Lippe bauchig, hell rosenrot oder weißlich, oberseits karminrosa. Eine kleinblütige, aber reizende Art, die nicht selten in Kultur war, aber in den leßten Jahren nicht so oft auftaucht. Blütezeit: Das ganze Jahr hindurch. Heimat: Kolumbien, bei 1500—2000 m ü. d. M., 1852 von Schlim entdeckt und 1854 von Linden eingeführt.
P. vittatum Rolfe (Cypripedium viltatum Vell., Selenipedium vittatum Rchb. f., Paphiopedilum vittatum Pfiß.).
Etwa 80 cm hoch. Blätter schmal, 30—50 cm lang. Blütenschaft bis 7blütig, spärlich behaart. Blüten denen des ?. longifolium Rolfe ähnlich, aber mit herabhängenden Petalen, grün, braun-gestreift und berandet. Lippe grün, braun überlaufen, an der Öffnung purpurn gefleckt. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Brasilien.
4. Paphiopedilum Pfitz. (Cordula Raf., Menephora Raf., Stimegas Raf.)
Schon bei der Besprechung von Phragmopedilum Rolie habe ich auf
die Unterschiede aufmerksam gemacht, durch welche diese beiden Gattungen
32 Ill. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
von Selenipedilum und Cypripedilum L. zu unterscheiden sind. Wie Phragmopedilum enthält Paphiopedilum nur stammlose Arten, mit langen, meist riemenförmigen, etwas lederigen Blättern, zwischen denen sich der hier oft einblütige, seltener mehrblütige Schaft erhebt. Scheiden, die bei Phrag- mopedilum stets vorhanden sind, fehlen bei Paphiopedilum, der Schaft selbst ist also ungegliedert. In den Blüten liegt der Hauptunterschied in dem ein- fächerigen Ovarium. Die Blüten selbst sind gewöhnlich von derberer Kon- sistenz, aber in der Form denen von Phragmopedilum sehr ähnlich, das Labellum aber hat hier nicht den nach innen umgewendeten Rand, der die Phragmopedilum-Blüten charakterisiert. Soweit bisher bekannt, enthält die Gattung 46 Arten, die von Indien über den malayischen Archipel, die Molukken bis nach Neu-Guinea verbreitet sind. Nördlich gehen Arten bis China, im Süden liegt die Grenze etwa bei 7° unter dem Äquator. Charakteristisch ist, daß Amerika, Afrika und Australien keinen einzigen Vertreter der Gattung besiten.
Die Arten wachsen alle recht gut in einem Gemisch von Sphagnum, ÖOsmundafasern und Lauberde, denen etwas Lehm und Sand zugese&t werden kann. Bei den meisten Arten ist eine Beimischung von zerschlagenen Kalk- steinen sehr angebracht, da sie zum großen Teil in ihrer Heimat besonders an Kalkfelsen zu wachsen pflegen.
P. amabile Hallier f.
Pilanze von der Tracht des P. Hookerae Pfiß., als dessen Varietät sie von Kränzlin betrachtet worden ist. Die hell-gefleckten Blätter sind bis 15 cm lang und 4 cm breit. Der einblütige Schaft ist-bis 30 cm hoch. Die Blüte ist der des C. Bullenianum Pfiß. sehr ähnlich, aber durch das Staminodium ver- schieden. Die Sepalen sind grün, die Petalen aus gelbgrüner Basis nach der Spiße bräunlich, mit wenigen dunklen Warzen am Rande. Das Labellum ist am Grunde (Nagel) grünlich, nach vorn bräunlich-rot mit dunkleren Punkten. Blütezet: Mai bis Juni. Heimat: Borneo. Wurde daselbst im Jahre 1894 von Hallier f. entdeckt und lebend nach Leiden gesandt.
P. Appletonianum Rolfe (Cypripedium Appletonianum Gower, Cypri- pedium Wolterianum Kränzl.).
Blätter zungenförmig, stumpf, schwach gefleckt. 10—15 cm lang, 3 bis 4 cm breit. Schaft einblütig, 30-50 cm hoch. Blüte zirka 10 cm breit. Sepalen ziemlich klein, eiförmig, kurz zugespißt, gelbgrün, am Grunde bräunlich gestreift. Petalen abstehend, breit linealisch, nach vorn verbreitet, stumpf, am Grunde grünlich, nach vorn rosenrot. Lippe grünlich-braun. Die Art ist jett nicht selten in Kultur. Blütezeit: Frühjahr. Heimat: Siam und Assam.
P. Argus Pfiß. (Cvpripedium Argus Rchb. }).
Blätter zungenförmig, bis 16 cm lang, 4 cm breit, oberseits deutlich schachbrettartig hellfleckig. Schaft 30-40 cm lang einblütig. Mittleres Sepalum sehr breit eiförmig, spit, aus dunklem Grunde weiß, mit ungleichlangen grünen und braunen Längsnerven. Petalen schief abwärtsgeneigt, zungenförmig spißlich, am Grunde hell, nach vorn rot mit vielen schwarz-purpurnen Warzen.
Fe
IP HPrPARnE ERte) >. SERIES EINER" DRRNRREHRTE
Gruppe 1. Cypripedilinae. 33
Labellum ziemlich breit, dunkel braun-purpurn, unterseits heller, leicht grünlich geadert. Blütezeit: April bis Juli. Heimat: Philippinen; auf der Insel Luzon 1872 von Wallis entdeckt und durch Veitch eingeführt.
Var. Boddaertii Pucci, mit größeren Blüten und schmäleren Petalen, welche mehr nach unten gestreckt sind.
Var. Moensii Lind., mit dicht rot übersprißtem mittlerem Sepalum, breiteren Petalen sowie größeren, dichter stehenden Flecken und nach der Öffnung mehr zusammengezogenem Schuh.
Var. Lindenii Cogn., mit breiterer Fahne und leuchtender gefärbten Blüten.
Var. nigricans Williams, mit sehr dichten, oft zusammenfließenden, sehr dunklen Flecken auf den Petalen und dunklerer Lippe.
P. barbatum Pfis. (Cypripedium barbatum Ldl.).
Blätter kurz riemenförmig, stumpf, 10—15 cm lang, 2—-3 cm breit, mit schwacher dunkelgrüner Schachbrettzeichnung. Schaft einblütig, 20—25 cm hoch. Blüte etwa 6—-10 cm breit, mit fast kreisrunder, kurz zugespißter, aus dunklerem Grunde weißer oder blaßgrüner Fahne, mit dunkel braunroten Längsnerven. Petalen schief abwärts geneigt, schmal zungenförmig, stumpf, aus grünlichem Grunde purpurn, mit zerstreuten fast schwarzen Warzen. Lippe braun-purpurn. In Kultur sehr häufige Art, von sehr willigem Wachstum. Blütezeit: April bis August. Heimat: Halbinsel Malakka, Penang. Wurde im Jahre 1838 von Cuming auf dem Mt. Ophir bei etwa 1000 m Höhe entdeckt und 1840 von Loddiges eingeführt.
Var. Crossii Veitch. (Cypripedium Crossii Morr.), mit weißer Fahnenspite und stark zurückgeschlagenen, vorn schwarz-gefleckten Petalen.
Var. nanum Pfiß., in allen Teilen kürzer und kleiner als die Stammform, mit sichelig gebogenen Petalen.
Var. O’Brienii Pfiß., ähnlich der Varietät zanım, mit noch kürzeren Blüten und gewundenen Petalen.
Var. Warneri Moore, mit großer, violett-gefleckter Fahne.
P. bellatulum Pfig. (Cypripedium bellatulum Rchb. ?.).
Blätter schmal elliptisch, zungenförmig, stumpf, oberseits dunkelgrün, mit helleren Flecken, unterseits trüb purpurn, 10—15 cm lang, etwa 4 cm breit. Schaft sehr kurz, einblütig. Blüte 6 cm im Durchmesser, weiß, mit dunkel- purpurroten Flecken. Sepalen fast kreisrund. Petalen elliptisch, stumpf. Lippe ziemlich kurz, eiförmig. Blütezeit: Frühling. Heimat: Shan Staaten, Birma. Seit 1888 durch Low eingeführt.
Var. album Rolie, nıit reinweißen Blüten.
Var. Chotekae Lind., mit größeren Blüten und größeren Flecken.
“ Var. egregium Pfit., mit fast dreilappiger Fahne und blasseren Flecken.
Var. lineatum Stein, mit strichförmigen Flecken.
Var. luteo-purpureum O’Brien., mit blaß orangegelben rot gefleckten Blüten.
Schlechter, Die Orchideen. 3
34 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
P. Bullenianum Pfit. (Cypripedium Bullenianum Rchb. f.).
Blätter etwa fünf, zungenförmig, stumpf, mit weißgrüner Schachbrett- zeichnung, bis 17 cm lang, 3 cm breit. Schaft einblütig, 25—35 cm hoch. Blüten denen des P. Appletonianum Rolte ähnlich, zirka 9 cm breit. Fahne ziemlich klein, grünlich, mit etwas dunkleren Nerven. Petalen abstehend, nach vorn violettrosa, mit bräunlichen Warzen am oberen Rande. Labellum grün. In Kultur eine nicht sehr häufige Art. Blütezeit: Juni— August. Heimat: Borneo. Wurde 1865 von Low eingeführt.
P. callosum Pfiß. (Cypripedium callosum Rchb. }.).
Blätter 4—5, bis 25 cm lang, 4—5 cm breit, oberseits hell-blaugrün mit dunklerer Schachbrettzeichnung. Schaft 25--35 cm hoch, einblütig. Blüte etwa 10 cm breit. Fahne fast kreisrund, weiß, mit 11--13 purpurnen Längsstreifen. Petalen schief herabgebogen, bandförmig, spit, aus.grünlicher Basis nach der Spige purpurrot überlaufen. Labellum braun-purpurn. Obgleich diese Art erst seit 1886 eingeführt ist, ist sie jegt schon eine der beliebtesten Orchideen für Schnittblumenkultur. Blütezeit: März bis Juli. Heimat: Siam, Cochinchina.
Var. Rossianum Rolfe, mit schmäleren, sichelförmig gebogenen Petalen.
Var. Sanderae mit weißgrünen, dunkler geaderten Blüten.
Var. Schmidtianum Pfig. (Cypripedium Schmidtianum Kränzl.), mit kleinerer Fahne und kleinerem Staminodium.
Var. sublaeve Rchb. f., mit ganz kahlen Petalen.
P. Chamberlianianum Pfiß. (Cypripedium Chamberlainianum O'Brien).
Blätter bandförmig, stumpf, grün, bis 30 cm lang, 4—6 cm breit. Schaft 30—40 cm lang, 4—8blütig. Blüten sich einzeln entwickelnd, 9—10 cm breit. Fahne grünlich, am Grunde und der Mitte bräunlich, fast kreisrund. Petalen wagerecht abstehend, bandförmig, gewellt und gedreht, grünlich-rosenrot, mit vielen kleinen braunen Punkten. Lippe hellgrün, zuweilen leicht bräunlich überlaufen, mit vielen roten Punkten bedeckt. Blütezeit: Das ganze Jahr hindurch. Heimat: Sumatra, an Kalkfelsen bei zirka 2000 m Höhe ü. d. M., fälschlich wird oft Neu-Guinea oder die Philippinen als Heimat der Pflanze angegeben.
Var. latifolium Schltr., mit sehr breiten Blättern, kräftigerem Wuchs und größeren Blüten. Heimat: Sumatra, Padangsche Bovenlanden.
P. Charlesworthii Pfiß. (Cypripedium Charlesworthii Rolie).
Blätter breit linealisch, grün, 15—25 cm lang, zirka 2,5 cm breit. Schaft einblütig, 10—15 cm hoch. Blüte etwa 6 cm breit. Fahne kreisrund, rosenrot. Petalen horizontal abstehend, breit bandförmig, stumpf grünlich hellbraun, mit grüner Aderung. Labellum von der Färbung der Petalen. Staminodium weiß. Blütezeit: September bis Oktober. Heimat: Bengalen, Arracangebirge. Im Jahre 1893 von Charlesworth, Shuttleworth & Co. importiert. (Fig. 8.)
P. ciliolare Pfiß. (Cypripedium ciliolare Rchb. f.).
Blätter etwa vier, breit zungenförmig, stumpf, oberseits mit hellerer Schach- brettzeichnung, zirka 15 cm lang, 4,5 cm breit. Schaft einblütig, etwa 25 cm
Gruppe 1. Cypripedilinae, 35
hoch. Blüte 8 cm breit. Fahne sehr breit, eiförmig spit, weiß, grüngestreift, am Grunde bräunlich. Petalen schief herabhängend, breit bandförmig, rötlich, mit vielen schwarzpurpurnen runden Fleckchen. Lippe grünbraun. Eine seltenere Art. Blütezeit: April bis Juni, Heimat: Philippinen. Im Jahre 1882 von Low eingeführt.
P. concolor Piit. (Cypripedium concolor Par. u. Batem., Cypripedium lonkınense Godefr.).
Blätter etwa vier, breit zungenförmig, dunkelgrün, mit graugrüner Zeich-
Fig. 8. Paphiopedilum Charlesworthii Pfiß.
nung, 10—15 cm lang, 3,5—4 cm breit. Schaft einblütig, 10 cm hoch. Blüten hellgelb, mit kleinen violetten Punkten, 6—8 cm breit. Fahne fast kreisrund, Petalen länglich. Blütezeit: Mai bis Juli. Heimat: Siam, Burma, Tonkin.
Var. chlorophyllum Rchb. f., mit nicht gezeichneten Blättern und dichter punktierten Blüten. ı
Var. longipetalum Rolfe, mit spateligen, die Sepalen doppelt überragenden Petalen.
Var. Regnieri Godefr., mit außen violett-gefleckten Sepalen.
36 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Var. sulphurinum Rchb. f., mit einfach gelblichen nicht punktierten Blüten.
P. Curtisii Pfiß. (Cvpripedium Curtisii Rehb. }.).
Blätter etwa 4, elliptisch, bis 20 cm lang, 8 cm breit, oberseits undeutlich dunkler marmoriert. Schaft etwa 20 cm hoch, einblütig. Blüte etwa 11 cm breit. Fahne kurz, breit eiförmig, spit, grün, weiß umrandet mit purpurnen Längsstreifen. Petalen am Grunde grünlich-rosenrot, nach der Spite heller, dicht mit kleinen dunkel-purpurnen Flecken bedeckt. Lippe grünlich-dunkel- rotbraun. Blütezeit: April bis Jul. Heimat: Sumatra, Padangsche Bovenlanden, auf Kalkfelsen, bei etwa 700 m Höhe. 1883 von Curtis gefunden und von Veitch eingeführt.
P. Dayanum Pfis. (Cypripedium Dayanumı Rchb. t.).
Blätter 45, zungenförmig, spitlich, grün mit dunkleren Flecken. Schaft einblütig, 20-25 cm hoch. Blüten 11—15 cm breit. Fahne eiförmig, spiß, weiß, grün gestreift. Petalen schief abstehend, weißlich, braunrot gestreift. Lippe braun-violett. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Britisch-Nordborneo, auf dem Kinabalu. 1860 durch Low eingeführt, jest in Kultur nicht häufig.
P. Druryi Pfiß. (Cypripedium Drurii Bedd.).
Äußerst kräftige und gedrungene Pflanze. Blätter zungenförmig, grün, stumpf, bis 20 cm lang, 3—3,5 cm breit. Schaft einblütig, zirka 20 cm hoch. Blüten goldgelb, mit einem dunkelroten Längsstreifen auf dem mittleren Sepalum. 7 cm breit. Sepalen und Petalen leicht nach innen gebogen. Eine seltene Art, mit auffallenden Blüten. Sie blüht in Kultur etwas schwer, wohl weil ihr meist keine genügende Ruheperiode gelassen wird. Blüte- zeit: Im zeitigen Frühjahr. Heimat: Travancore, auf den Bergen bei etwa 2000 m Höhe. Von Colonel Drury im Jahre 1865 entdeckt. 1875 von Hennis wiedergefunden und lebend nach Europa geschickt.
P. exul Püß. (Cypripedium exul O'Brien).
Blätter breit linealisch, stumpf, bis 20 cm lang, 2 cm breit, grün. Schaft bis 12 cm hoch, einblütig. Blüten denen des ?. insigne Pfiß. ähnlich, aber kleiner, zirka 8 cm breit. Fahne grünlich, weiß berandet, braun gefleckt. Petalen gelb, in der Mitte mit purpurnen Linien. Lippe glänzend gelb. Eine seltene Art, welche viel mit P. insigne Pfit. gemein hat, aber spezifisch gut unterschieden ist. Blütezeit: Juni bis Jul. Heimat: Siam.
P. Fairieanum Pfiß. (Cvpripedium Fairieanum Ldl.).
Blätter linealisch, stumpf, hellgrün, bis 15 cm lang, 1,5—2,5 cm breit. Schaft einblütig, 15—20 cm hoch. Blüten etwa 6 cm breit. Fahne groß, breit elliptisch, gewellt, weiß, violett, breit neßaderig. Petalen sichelförmig, gewellt, weißlich mit violetten Streifen. Lippe grünrot, mit purpurnen Adern. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Bootan, Assam. Wurde 1857 von Reid eingeführt, ging später verloren, wurde dann aber 1905 wieder entdeckt und durch Sander wieder in größeren Mengen importiert. (Fig. 9.)
P. glaucophylium J. J. Sm.
Blätter breit riemenförmig, stumpf, blaugrün, 25 cm lang, 3—4 cm breit.
a a ee nn ee
Gruppe 1. Cypripedilinae, 37
Schaft bis 40 cm hoch, mehrblütig, dem des P. Chamberlainianum Pfit,, in jeder Weise sehr ähnlich, Blüten ebenfalls wie bei P. Chamberlainianum Pfiß. Fahne fast kreisrund, weißgelb, nach dem Grunde grünlich. Petalen gedreht, dicht rot punktiert. Lippe schmusgig-violett. Blütezeit: Fast das ganze Jahr hindurch. Heimat: Java.
P. Godefroyae Pfiß. (Cvpripedi- um Godefroyae Godefr.).
Blätter etwa 4, linealisch-oblong, stumpf, oberseits grün, mit hellerer Schachbrettzeich- nung, 10—15 cm lang, 2—3 cm breit. Schaft sehr
P. bellatulum Pfiß. sehr ähnlich, aber mit verschie-
weiß, purpurrot punktiert und ge- fleckt. Blütezeit: April bis Juni. Heimat: Tonkin, Cochinchina, auf Felsen (Kalkfel- sen?) am Meere. 1883 von Gode- froy Lebauf ein- geführt. (Fig. 10.) P. Haynaldia- num Pfiß. (Cypri- pedium Haxnal- Fig. 9. Paphiopedilum Fairieanum Pifig. dianum Rchb. f.). Blätter riemenförmig, stumpflich, bis 25 cm lang, 3 cm breit. Schaft bis 50 cm hoch, 2—-6blütig. Blüten 10—15 cm breit. Sepalen und Petalen aus grünlicher Basis rosenrot, mit Ausnahme der Spiten mit großen braunen Flecken geschmückt. Die Petalen abstehend und deutlich länger als die
38 Il. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Sepalen. Labellum grünlich, oft leicht braun überlaufen. Die Art ist jest in Kultur viel seltener als früher. Heimat: Philippinen. Wurde 1874 von G. Wallis entdeckt und durch Veitch eingeführt. .
P. hirsutissimum Pit. (Cypripedium hirsutissimum Ldl.).
Blätter riemenförmig, stumpflich, oberseits undeutlich dunkler marmoriert, zirka 15 cm lang, 1,5—2 cm breit. Schaft etwa 15—20 cm hoch, einblütig ; Blüte ziemlich groß, zirka 12 cm breit. Fahne grün, in der Mitte und am Grunde violett überlaufen. Petalen abstehend, wellig, nach vorn verbreitert, stumpf, aus grüner Basis, nach der Spite violett, dicht braun punktiert.
a
ER
Fig. 10. Paphiopedilum Godefroyae Pifiß.
Lippe braun, violett überlaufen, Blütezeit: April bis Juni. Heimat: Assam, Khasyagebirge,
P. Hookerae Pfig. (Cypripedium Hookerae Rchb. f.).
Blätter zirka 4, zungenförmig, stumpf, oberseits mit scharfer, heller Schach- brettzeichnung, bis 15 cm lang, 3—4 cm breit. Schaft schlank, einblütig, 20—30 cm hoch. Blüten denen des P. Appletonianum Rolfe ähnlich, 10 cm breit. Fahne eiförmig, zugespist mit gewundenen oft gitterartig verbundenen Nerven, gelbgrün. Petalen abstehend, an der Basis grün, rot punktiert, vorn rosenrot. Labellum grün, bräunlich überlaufen. Blütezeit: April bis Juni, Heimat: Borneo. Seit 1863 durch Low eingeführt,
P. javanicum Pfis. (Cypripedium javanicum Reinw.).
Blätter 6—8, länglich, fast spit, zirka 15 cm lang, 5 cm breit, oberseits
Gruppe 1. Cypripedilinae., 39
mit deutlicher heller Schachbrettzeichnung. Schaft einblütig, zirka 25—-30 cm hoch. Blüte 10—12 cm breit. Fahne fast kreisrund, zugespitt, blaßgrün, mit dunkelgrünen Längsstreifen. Petalen schief herabgebogen, zungenförmig, stumpf, grün, mit spärlichen schwarzen Warzen. Lippe grün. In Kultur nicht häufig. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Westjava, bei 1000 bis 1500 m ü. d. M, Bereits seit 1826 durch Blume lebend eingeführt.
P. insigne Piig. (Cvpripedium insıgne Wall.).
Blätter 5—6, breit linealisch, stumpf, 15—25 cm lang, 1,5—2,5 cm breit. Schaft einblütig, etwa 20 cm hoch. Blüte 8-10 cm breit. Fahne rundlich, aus gelbgrünem Grunde nach der Spige weiß, mehr oder minder mit großen runden braunen Flecken bedeckt. Petalen schief abstehend, stumpf, gelbgrün mit brauner Nervatur, Lippe gelbgrün, braun überlaufen. Eine der populärsten und am häufigsten kultivierten Orchideen. Blütezeit: Oktober bis März Heimat: Himalaya, auf Felsen in Moospoistern, 1800—2000 m ü. d. M. Bereits seit 1820 in Kultur.
Var. aureum Stein, mit hellgelben Blüten und braungelber Lippe.
Var. Chantini Rafarin, mit größerer weißer Zone des mittleren 'Sepalums und dunklerer intensiver Blütenfärbung.
Var. Hallianum Rchb. f., mit längeren und schmäleren Sepalen.
Var. Kimballianum Desbois, mit flacher mehr als dreimal so langer als breiter Fahne und kleiner Lippe.
Var. Maulei T. Moore, mit großer Fahne und langer schmaler Lippe.
Var. Nilsonii Desbois, mit sehr kleiner runder Lippe.
Var. Sanderae Rchb. f., mit hellgelber Blüte, an der Spite weißer, leicht grün gestreifter Fahne.
Var. Sanderianum Sand., mit Blüten wie Var. Sanderae, aber etwas kleiner und mehr grünlich.
P. Lawrenceanum Pfit. (Cvpripedium Lawrenceanum Rchb. t.).
Blätter etwa 4, zungenförmig, stumpf, oberseits mit scharf abgesetter weiß- grüner Schachbrettzeichnung, zirka 15 cm lang, 5,5 cm breit. Schaft einblütig, zirka 30 cm hoch. Blüten 10—12 cm breit. Fahne fast kreisrund, kurz zugespißt, weiß mit violettroten Längsstreifen. Petalen wagerecht abstehend, kurz band- förmig, stumpf, hellgrün, nach der Spige purpurbräunlich, mit 5—6 schwarzen Warzen am oberen Rande. Lippe schmugßig braunpurpurn. Als Schnittblume sehr dankbar und daher häufig kultiviert. Blütezeit: Frühling und im zeitigen Sommer. Heimat: Nordborneo.
Var. coloratum Stein, mit abwechselnd violettroten und grünen Streifen der Fahne und mehr Warzen auf den Petalen.
Var. expansum Bull., mit viel größerer Fahne und größeren Petalen.
Var. Hyeanum Rchb. f., mit weißen grün gestreiften Sepalen, langen weißen grün gefleckten Petalen und olivgrüner Lippe.
Var. pleioleucum Rchb. f., mit weißer Fahne und kurzen grünen Streifen.
Var. stenosemum Rchb. f., mit viel schmälerer elliptischer Fahne.
40 IH. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
P. Lowii Pfit. (Cypripedium Lowii Ldl.).
Blätter bandförmig, spißlich, bis 30 cm lang, 3 cm breit. Schaft bis 60 cm hoch, 3-5blütig,. Blüten etwa 10 cm breit. Fahne breit elliptisch, kurz zugespißt, nach unten mit zurückgebogenen Rändern, aus brauner Basis nach oben grün, braun gestreift. Petalen schief herabgebogen, bandförmig, nach vorn verbreitet, aus gelber braun gefleckter Basis violettrosa. Lippe braungrün mit braunen Streifen. Bütezeit: März bis Juli. Heimat: Nord- borneo, auf Kalkfelsen oder epiphytisch auf Bäumen.
Var. eruciforme Hallier. }. (Cypripedium cruciforme Zoll. u. Morr.), mit schlankerem Wuchs und schmäleren, oft undeutlich marmorierten Blättern.
P. Mastersianum Pfiß. (Cvpripedium Mastersianum Rchb. f.).
Blätter zungenförmig, spitlich, oberseits mit undeutlicher Schachbrett- . zeichnung, etwa 20 cm lang, 4,5 cm breit. Schaft 35>—40 cm hoch, ein- blütig. Blüte etwa 10 cm breit. Sepalen fast kreisrund, grün, heller um- randet. Petalen wagerecht abstehend, stumpf, braun mit wenigen schwarzen Warzen. Lippe kupferbraun. Wegen des langen Schaftes und der eigen- artigen Blütenfärbung ist diese Art als Schnittblume sehr zu empfehlen. Blüte- zeit: April bis Juli. Heimat: Insel Ambon, seit 1879 durch Veitch ein- geführt.
P. nigritum Pfis. (Cypripedium nigritum Rchb. }.).
Blätter länglich, mit heller Schachbrettzeichnung, 15 cm lang, 3 cm breit. Schait einblütig, etwa 20 cm hoch. Blüten 6 cm breit. Fahne länglich, spiß, aus rotem Grunde nach der Spite weiß, dicht braun gestreift. Petalen aus grünem Grunde nach vorn braunrot, mit dunklen Warzen, schief abstehend. Lippe braun-purpurn. Die Art ist von Pfißer später als Varietät von P. barbatum Pfit. angesehen worden. Ich halte sie für eine durchaus getrennte Art. Gegen die Annahme, daß sie eine Hybride zwischen P. barbatum Pfiß. und P. purpuratum Pfiß. sein könne, spricht schon das Heimatland, in dem beide Arten fehlen. Blütezeit: Mai bis Juli. Heimat: Borneo. Jett sehr selten in Kultur.
P. niveum Pfis. (Cypripedium niveum Rchb. ?.).
Blätter 4—6, kurz bandförmig, stumpf, oberseits dunkelgrün mit grauer Zeichnung, unterseits rötlich. Schaft 10-—-12 cm hoch, einblütig. Blüte 7 bis 8 cm breit, weiß mit zerstreuten roten Punkten. Sepalen fast kreisrund, Petalen länglich, stumpf, schief herabgeneigt. Lippe klein, eiförmig. Blüte- zeit: April bis August. Heimat: Tembilan- und Langkawi-Inseln, auf Kalk- felsen oder zwischen Kalkgeröll, in der Nähe des Meeres.
Var. album Desbois, mit rein weißen nicht punktierten Blüten.
Var. reticulatum Rolfe, mit an der Spite rotnetadrigen Petalen.
P. Parishii Pfis. (Cypripedium Parishii Rchb. f.).
Blätter breit, bandförmig, stumpf, zirka 30 cm lang, 5 cm breit, grün. Schaft 50— 60 cm hoch, 3—7 blütig. Blüten etwa 8 cm breit. Fahne elliptisch, stumpf, gelbgrün. Petalen herabgebogen, mehr als doppelt so lang, bandförmig,
Gruppe 1. Cypripedilinae, 41
stumpf, gedreht, gelbgrün mit braunen Flecken und dunklen behaarten Warzen, nach vorn bräunlich überlaufen. Lippe gelbgrün. Blütezeit: April bis August. Heimat: Moulmein.
P. philippinense At (Cypripedium philippinense Rchb, f., Cvpri- pedium laevigatum Bat ;
Blätter breit, See stumpf, zirka 30 cm lang, 4 cm breit, grün. Schaft 50—60 cm hoch, 3—5blütig. Blüten etwa 6 cm breit. Fahne breit, eiförmig, zugespißt, gelblich mit violetten Längsstreifen. Petalen schief herabgebogen, linealisch nach vorn verschmälert, zirka 14 cm lang, gedreht, dunkel braun- violett, am Grunde mit Warzen. Lippe gelb mit grünen Nerven. Eine jest seltene Art. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Philippinen. Seit 1865 in Kultur.
Var. platytaenium Desbois, mit doppelt breiteren und etwas längeren Petalen. Heimat: Philippinen.
P. praestans Piig. (Cypripedium praestans Rchb. }.).
Blätter bandförmig, stumpf, bis 30 cm lang, 3 cm breit, grün. Schaft zirka 50 cm hoch, 2—4blütig. Blüten 10 cm breit. Sepalen elliptisch, spit, weißlich, purpurrot-gestreift. Petalen linealisch, gedreht, zirka 12 cm lang, gelbgrün mit rotbraunen Adern und 8—10 Warzen am Grunde. Lippe glänzend, gelb, rot überlaufen. Blütezeit: April bis August. Heimat: Holländisch Neu-Guinea.
Var. Kimballianum Lind., mit breiten, gestreiften Sepalen, breiteren Petalen und weißlicher, rosenrot überlaufenen Lippe. Heimat: Neu-Guinea.
P. purpuratum Pfiß. (Cypripedium purpuratum Ldl., Cypripedium sinicum Hance).
Blätter etwa 4, breit bandförmig, stumpf, 10 cm lang, 3,5 cm breit, oberseits dunkelgrün mit hellerer Zeichnung. Schaft etwa 15 cm hoch, einblütig. Fahne sehr kurz, fast kreisrund, weiß, mit purpurnen Streifen. Petalen abstehend, bandförmig, stumpf, aus grünlichem Grunde purpurn, am Grunde mit zahlreichen kleinen schwarzen Warzen. Labellum rötlichbraun. Blütezeit: Juni bis September. Heimat: Hongkong. Bereits seit 1836 durch Knight eingeführt.
P. Roebbeleni Pfit. (Cypripedium Roebbeleni Rchb. t.).
Blätter bandförmig, stumpf, grün, bis 30 cm lang, 3 cm breit. Schaft wie bei P. philippinense Pfit., ebenso die Blüten, welche etwas kleiner sind. Fahne weißgelb, purpurn gestreift. Petalen 12 cm lang, gelb, mit dunklen Warzen am Rande, an der Spige dunkelbraun-purpurn. Lippe grüngelb. Eine seltenere Art, die von einigen Autoren als Varietät des P. philippinense Pfit. angesehen wird. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Philippinen.
P. Rothschildianum Pfit. (Cypripedium Rothschildianum Rchb. t., Cypri- pedium neo-guineense Lind.).
Blätter bandförmig, etwa 40-60 cm lang, 4 cm breit, grün. Schaft bis 70 cm hoch, 2—5blütig. Blüten etwa 13 cm breit. Fahne eiförmig, spiß,
42 Ill. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
gelblich, mit dunkelpurpurnen Streifen, Petalen gewellt, linealisch, 13 cm lang, schief abwärts gebogen, blaßgrün, purpurrot-gefleckt. Lippe schmugig purpurn, an der Spite gelblich. Eine der kräftigsten Arten der Gattung. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Sumatra, Borneo, im Jahre 1888 durch Sander eingeführt.
Var. Elliottianum Pfiß. (Cypripedium Elliottianum O'Brien), mit weiß- lichen, rot gestreiften Blüten und kürzeren Petalen, Heimat: Philippinen.
Var. platytaenium Lind., mit längeren und breiteren Petalen.
P. Sanderianum Piit. (Cypripedium Sanderianum Rechb. t. pedium Foerstermannii hort.).
Blätter bandförmig, spitlich, zirka 30 cm lang, 3,5—4 cm breit. Schaft 40—60 cm hoch, 3—5blütig. Fahne breit lanzettlich, stumpflig, aus grün- lichem Grunde blaßgelb, mit breiten, purpurnen Streifen. Petalen schlaff herab- hängend, schmal linealisch, 40—60 cm lang, am Grunde blaßgelb, rot-berandet, nach der Spite braunrot, leicht gedreht. Lippe braunpurpurn, unterseits gelblich. Diese höchst interessante Art ist den Orchideenimporteuren zur Wiedereinfuhr ganz besonders zu empfehlen, da zur Zeit in Europa nur noch wenige Exemplare vorhanden sind. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Philippinen.
P. Spicerianum Pfit. (Cypripedium Spicerianum Rchb. }.).
Blätter breit linealisch, stumpf, grün, bis 25 cm lang ,. zirka 2—3 cm breit. Schaft einblütig, etwa 20 cm hoch. Blüte etwa 6 cm breit. Fahne schneeweiß, am Grunde etwas grünlich, in der Mitte mit einem purpurnen Längsstreifen, breit elliptisch. Petalen schief abstehend, zungenförmig, stumpf, am Rande stark gewellt, aus grünem braun punktiertem Grunde nach vorn bräunlich. Lippe am Grunde grünlich, mit violettbraunem, grün berandetem Schuh. Blütezeit: Oktober bis Februar. Heimat: Assam. Im Jahre 1878 zuerst durch Spicer eingeführt.
P. Stonei Pfis. (Cypripedium Stonei Hook t.).
Blätter bandförmig, stumpf, grün, bis 40 cm lang, zirka 3 cm breit. Schaft 40— 60 cm hoch, 3—5blütig. Blüten etwa 12 cm breit. Fahne elliptisch, zugespißt, weiß, purpurn-gestreift. Petalen schief herabhängend, linealisch, 12—15 cm lang, gelblich, braun-gefleckt. Lippe ziemlich lang genagelt, unter- seits gelblich, oben hellbräunlich oder rosa mit roten Adern. Blütezeit: Juli bis Oktober. Heimat: Nord-Borneo, auf Kalkfelsen. 1862 durch H. Low eingeführt. (Fig. 11.)
Var. acrosepalum Rchb, f., mit freien, nicht verwachsenen- seitlichen Sepalen und schmaler Fahne.
Var. platytaenium Rchb. f,, mit größeren Blüten und viel breiteren, inten- siver gefärbten Petalen.
P. superbiens Pfig. (Cypripedium superbiens Rchb. f., C. Veitchianum Lind). Blätter zungenförmig, stumpf, mit hellerer mehr oder minder deutlicher
‚ Cypri-
Gruppe 1. Cypripedilinae, 43 Schachbrettzeichnung, zirka 15 cm lang, 4,5 cm breit. Schaft einblütig, 20-25 cm hoch. Blüte etwa 9 cm breit. Fahne sehr breit, eiförmig, spiß, weiß, mit grünen Streifen. Petalen schief herabhängend, kurz, bandförmig, weißlich, mit grünen Streifen und purpurbraunen Warzen und Fleckchen. Lippe braunpurpurn, auf der Unterseite hell. Blütezeit: März bis Juli,
Fig.
Paphiopedium Stonei Pfiß.
Heimat: Halbinsel Malakka. 1861 von Lobb entdeckt und durch *Veitch eingeführt. P. tonsum Pfit. (Cvpripedium tonsum Rchb. f.). Blätter breit und kurz bandiörmig, spißlich, etwa 10—15 cm 3 breit, grün, mit heller Schachbrettzeichnung. Schaft einblütig, 20—25
ang,
‚5cm
44 1. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
hoch. Blüten etwa 12 cm breit. Fahne breit elliptisch, kurz zugespitt, weißlich oder weißgrün, mit roten Streifen. Petalen wagerecht abstehend, kurz bandförmig, nach vorn etwas verbreitert, hellgrün, mit dunkeigrünen Nerven, nach der Spite rot überlaufen. Labellum grünlich, braun über- laufen. Blütezeit: März bis Juli. Heimat: Auf den Gebirgen Sumatras. 1883 von Curtis eingeführt.
P. venustum Pfit. (Cypripedium venustum Wall.).
Blätter kurz bandförmig, spißlich, 10-—-15 cm lang, 4 cm breit, oberseits dunkelgrün, grüngrau marmoriert, unterseits schmugßig purpurn, Schaft ein- blütig, zirka 15 cm hoch. Blüte etwa 8 cm breit. Fahne breit eiförmig, spiß, weißlich, grün gestreift. Petalen wagerecht abstehend, kurz bandiörmig, nach vorn fast spateliörmig erweitert, aus rötlicher oder grünlicher Basis nach der Spigße bräunlich, mit schwarzen Warzen. Lippe gelbgrün mit rötlichem Anfluge und grünen Adern, in der Schuhöffnung braungelb. Die erste bekannt gewordene Art der Gattung. Blütezeit: November bis Januar. Winter. Heimat: Himalaya, bei 1000-1500 m ü. d. M. Bereits im Jahre 1816 von Wallich entdeckt und seit 1819 in Kultur.
Var. pardinum Rchb. f., mit gelblichen, kupferfarbig überlaufenen, der ganzen Länge nach warzigen Petalen. Heimat: Himalaya.
‚P. Victoriae Mariae Rolie (Cypripedium Victoriae Mariae Hook. }.).
‚ Habitus und Blätter wie bei P. Chamberlainianum Pfit., nur der Schaft zuweilen höher und die Blätter etwas schmäler. Blüten ebenfalls ziemlich ähnlich, 9 cm breit. Fahne fast kreisrund, grün, braunrot gestreift. Petalen wagerecht abstehend, grün, rot berandet. Lippe purpurbraun, an der Schuh- ' ‘öffnung grün. Eine in Kultur nicht häufige Art. Blütezeit: April bis Juli: Heimat: Sumatra.
P. villosum Pfis. (Cypripedium villosum Ldl.).
Blätter bandförmig, spitlich, grün, 25—40 cm lang, 4 cm breit, Schaft 1 blütig, 25—30 cm hoch. Blüte etwa 15 cm breit. Fahne breit elliptisch, stumpf, olivbraun, mit weißem Rande. Petalen schief abstehend, kurz band- förmig-spatelig, stumpf, am Rande leicht gewellt, braungelb, in der Mitte und auf der oberen Hälfte dunkler. Lippe braungelb mit helleren Adern. Eine als Schnittblume sehr dankbare und hochgeschägte Art. Blütezeit: November bis Mai. Heimat: Birma, Moulmein, bei 1300-1700 m u. d.M. Von Lobb im Jahre 1853 eingeführt.
Var. aureum Rchb. f., mit gelber, weiß berandeter Fahne und goldgelb schattierter Lippe.
Var. Boxallii Veitch (Cypripedium Boxalli Rehb. f., Paphiopedilum Boxallü Pfß., Cypripedium dilectum Rchb. f., Paphiopedilum dilectum Pfiß., mit tief schwarzbraun-gefleckter Fahne.
P. virens Pfiß. (Cypripedium virens Rchb. }.).
Blätter zungenförmig, spißlich, oberseits mit undeutlicher Schachbrett- zeichnung, zirka 15 cm lang, 5 cm breit. Schaft einblütig, etwa 20—25 cm
Gruppe 1. Cypripedilinae. 45
hoch, Blüte 8—10 cm breit. Fahne eiförmig, spit, hellgrünlich mit grünen Streifen. Petalen wagerecht abstehend, kurz bandiörmig, stumpf, aus grüner Basis nach der Spite rot überlaufen, mit zerstreuten, kleinen, schwarzen Warzen. Lippe grün, nach vorn rosenrot überlaufen. Blütezeit: Dezember bis Februar. Heimat: Borneo. Erschien im Jahre 1863 zuerst in der Samm- lung von Day.
P. Volonteanum Pfiß. (Cypripedium Volonteanum Sand.).
Blätter 4-5, zungenförmig, spißlich, oberseits mit undeutlicher Schach- brettzeichnung, etwa 20 cm lang, 5 cm breit. Schaft einblütig, 20—25 cm hoch. Fahne eiförmig spit, gelbgrün, mit etwas dunkleren Nerven. Petalen herabgebogen, kurz bandförmig, stumpf, nach vorn ein wenig verbreitert, einmal gedreht und am Rande leicht gewellt, aus grüner Basis nach der Spite rosenrot, am oberen Rande mit schwarzen Warzen. Lippe Re leicht rosenrot überlaufen. Eine ziemlich seltene Art. Blütezeit: Juli August. Heimat: Borneo. 1890 von Sander und von Low eingeführt.
Zur Einfuhr zu empfehlende Arten: P. glanduliferum Pfit. a glanduliferum Bl.) Eine ISPATDODE mehrblütige Art aus Holländisch-Neu-Guinea. P. violascens Schltr., eine einblütige 3“ mit schlankem Stiel aus Deutsch-Neu- Guinea.
Zweite Unterfamilie: Monandrae.
Bei den hierher gehörigen Orchideen wird stets nur das dem mittleren Sepalum gegenüberstehende Staubblatt des äußeren Kreises fertil aus- gebildet. Zuweilen sind die beiden, den Petalen gegenüberstehenden Staub- blätter des inneren Kreises in Form von Staminodien nachweisbar. Die übrigen Staubblätter sind vollständig abortiert. Diese Unterfamilie enthält das Gros der Gattungen und ist wohl die vielgestaltigste im ganzen Pilanzenreich.
Abteilung I. Basitonae.
Auf die hauptsächlichen Unterschiede, welche diese Gruppe von den Acrotonae trennen, habe ich bereits im allgemeinen Teil aufmerksam gemacht. Der besseren Übersicht wegen will ich die Charaktere der Basitonae hier noch- mals aufführen.
Die Anthere sitt, entgegen derjenigen der Acrotonae, mit breiter Basis fest der meist sehr kurzen Säule (Columna) auf, so daß ein Filament nicht erkennbar ist. Die Folge davon ist natürlich auch, daß die Anthere nicht ab- gegliedert wird, wie es bei den meisten Acrotonae der Fall ist.
Alle hierher gehörigen Arten sind Kräuter mit unterirdischen kleinen Knollen oder fleischigen spindelförmigen Wurzeln, aus denen sich alljährlich der neue Trieb entwickelt, welcher dann nach dem Abblühen resp. nach der Fruchtreife wieder abstirbt.
46 Ill. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Gruppe 2. Habenariinae.
Ich bin schon früher!) dafür eingetreten, daß einigen Untergruppen der Basitonae die gleiche Wichtigkeit beizumessen ist, wie den verschiedenen Gruppen der Kerosphaereae, und habe daher die Einteilung in Habenarinae, Disaeinae und Disperidinae in Vorschlag gebracht. Die Serapiadeae, Gymmnadenieae und Habenarieae Pfigers möchte ich als Untergruppen der Habenarinae beibehalten. Sie unterscheiden sich zu wenig voneinander, um als verschiedene Gruppen aufgefaßt zu werden; sind doch noch heute viele Autoren der Ansicht, daß einige Gattungen der Habenariae und Gymmnadenieae zusammengezogen werden sollten. Die letteren habe ich, da die Gattung Gymmadenia in ihrer heutigen Umgrenzung schwer haltbar ist, als Platanthereae bezeichnet. Das Vorhandensein oder Fehlen eines Täschchens (Bursikula) unter den Klebmassen ist meiner Ansicht nach ein Merkmal von sekundärer Wichtigkeit und bei verschiedenen nahe verwandten Arten oft recht variabel, so daß ich es für angebracht halte, die Serapiadeae mit den Platanthereae zu vereinigen. Eine andere Frage aber, welche wohl zu beachten wäre, ist die, ob es nicht natürlicher wäre, die Gattung Ophrys als eigene Untergruppe der Habenarinae aufzufassen. Sie unterscheidet sich in der Struktur der Säule und der Lippe doch nicht unerheblich von den übrigen Platanthereae.
Untergruppe 1. Platanthereae.
Entgegen den Habenarieae sind die Platanthereae hauptsächlich Be- wohner der gemäßigten oder seltener der subtropischen Zone. Vor den Habenarieae sind sie dadurch zu unterscheiden, daß die Narbenfläche konkav und rundlich ist, während bei den Habenarieae die Narben auf zwei ge- trennten, besonders hervortretenden Fortsäßen stehen, die gewissermaßen als Griffelarme gedeutet werden können. Die Einteilung der Platanthereae in Gattungen ist sehr schwierig, da sich nur in seltenen Fällen wirklich gute Gattungsgrenzen finden lassen, so kommt es auch, daß die Gattungen von den einzelnen Autoren sehr verschieden aufgefaßt werden, nicht nur bei den außereuropäischen, sondern auch bei den europäischen Formen.
Auf die Verbreitung der einzelnen Gattungen werde ich unten näher eingehen.
5. Ophrys L. (Arachnites F. W. Schmidt, Myodium Salisb.)
Der Aufbau der Gattung Ophrys ist bei allen Arten sehr ähnlich. Aus einer kleinen rundiichen oder eiförmigen Knolle entwickelt sich ein krautiger Stengel mit weichen sich fast fettig anfühlenden Blättern, der an der Spige in einer meist lockeren 1— 10blumigen Blütentraube endigt. Die Blüten selbst sind in ihren Formen und Farbenzusammenstellungen sehr interessant und gewähren, wenn die Pflanzen in kleinen Gruppen beisammenstehen, einen reizenden Anblick.
') cf. Schlechter, Die Orchidaceen von Deutsch-Neu-Guinea, p. 3.
Gruppe 2. Habenariinae. 47
Die meist länglichen Sepalen und Petalen stehen bei allen Arten stern- förmig von der Blütenachse ab. Die Lippe ist völlig ungespornt, im Umkreise meist rundlich, mit mehr öder minder deutlicher Lappenbildung, oberseit dicht sammetartig kurz behaart oder papillös mit einem oder mehreren glänzenden kahlen Flecken (Spiegeln) und zuweilen oberseits mit hervorstehenden Höckern oder Hörnchen versehen. Die Säule ist kurz, aber sehr deutlich und dadurch doch recht verschieden von der der übrigen Platanthereae. Die Anthere ist kurz und ziemlich breit.
Die Kultur der Ophrys-Arten ist allen Liebhabern sehr zu empfehlen, welche sich für die Freilandorchideen interessieren. Winterhart sind bei uns allerdings nur vier Arten und auch nur dann, wenn die Knollen aus Mittel- europa stammen. Deshalb ist sehr anzuraten, alle Arten in Töpfen zu kultivieren und dann frostirei bei niedriger Temperatur (1—5°) zu über- wintern. Am besten nimmt man dazu einen hellen Kasten, damit die Triebe nicht vorzeitig erscheinen und zu lang werden. Die Töpfe werden am besten so gewählt, daß man in jeden 3—5 Kollen einlegen kann. Recht gut gedeihen alle Arten in einer recht sandigen Mischung von Lauberde und Lehm. Für einen Zusa& von recht kleingeschlagenen Kalksteinchen sind sie meist sehr dankbar, da sie in ihren Heimatländern vorzugsweise auf kalk- haltigem Boden wachsen. Man sorge während des Wachstums und der Blütezeit für regelmäßige Bewässerung, verhüte aber, daß das Wasser irgend- wie stagniert, da die Pflanzen gegen zu große Feuchtigkeit sehr empfindlich sind. Nach der Blüte werden die bis dahin halbschattig gehaltenen Pflanzen allmählich an etwas mehr Sonne gewöhnt und trockener gehalten. Stein empfiehlt, im Herbst die ausgereiften Knollen in neuen Boden zu bringen, doch werden auch bei etwa dreijährigem Umpflanzen die Pflanzen unter solcher Behandlung gut gedeihen.
Das Verbreitungsgebiet der Gattung, die etwa 20 Arten enthält, ist ein merkwürdig beschränktes, denn mit Ausnahme der vier in Mitteleuropa auf- tretenden Arten O. apifera Huds., ©. arachnites Murr., O. aranifera Huds. und ©. muscifera Huds. sind alle Arten auf das mediterrane Florengebiet beschränkt. Am weitesten nach Osten ist von diesen ©. cornuta Stev. vor- gedrungen, welche noch im Kaukasus auftritt.
In der folgenden Aufzählung habe ich nur einige der weiter verbreiteten Arten angeführt. Wer sich über die übrigen Arten der Gattung informieren möchte, die alle der Kultur wert sind, kann alles Wissenswerte aus jeder süd- europäischen Florenbeschreibung schöpfen.
O. apifera Huds. (Ophrys insectifera L. p. p., Arachnites apifera Tod.).
20—30 cm hoch, locker 4—9blütig. Sepalen und Petalen grünlich, in der Mitte rötlich. Lippe oben leicht konvex, im Umriß oblong, kurz und stumpf fünflappig, purpurbraun mit gelben Flecken. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Mitteleuropa und Mediterrangebiet, besonders in Gips- und Kalk- boden.
48 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
0. arachnites Hofim. (Orchis arachnites Leop., Orchis fuciflora Crang, Ophrys fuciflora Rehb. 1., Arachnites fuciflora Schm.).
20-40 cm hoch, locker, 3-—8 blütig. Sepalen länglich-oval, stumpi, rosen- rot mit grüner Linie. Petalen länglich-lanzettlich. Lippe ganzrandig, breit oval, vorn gestußt, mit zwei seitlichen Höckern, dicht braun sammethaarig mit hellbraunen und gelben Linien. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel und Südeuropa.
0. aranifera Huds. (Ophrys insectifera L. p. p., Ophrvs rostrata Ten.).
20-—40 cm hoch, locker, 3—9blütig. Sepalen länglich-oval, rosenrot, mit grüner Linie. Petalen länglich-lanzettlich. Lippe dreilappig, mit kurzen, stark konvexen Seitenlappen und großem, rundem, leicht konvexem, vorm kurz dreilappigem Vorderlappen, dicht purpurbraun sammethaarig, mit einem kahlen, gelb umrandeten Flecken am Grunde. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Südeuropa.
0. Bertolonii Mor. (Arachnites Bertoloni Tod., Ophryvs grassensis Jaur.).
10—30 cm hoch, locker, 2—5 blütig. Sepalen länglich-lanzettlich, stumpf, rosenrot oder fast weiß, mit drei roten Nerven. Petalen schmäler und dunkel- rosa. Lippe dreilappig, schwarzpurpurn, sammethaarig, am Grunde mit zwei Erhebungen, vorn mit einem blauen, vorn dreilappigen Spiegel. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa.
0. bombylifera Link (Ophrys tabanifera Willd., Ophrys distoma Biv., Ophrys pulla Ten., Ophrvs canaliculata Viv.).
10—20 cm hoch, 1—-3blütig. Sepalen elliptisch, stumpf, dreinervig, grünlich, Petalen oval, grün, leicht purpurn überlaufen. Lippe dreilappig, braun sammetartig behaart, mit V-förmig, divergierenden, kahlen Linien am Grunde und auf den kleinen Seitenlappen mit Höckern. Blütezeit: Mai. Heimat: Südeuropa.
O0. cornuta Stev.
Im Habitus der ©. scolopax Cav. ziemlich ähnlich und wie diese bis 40 cm hoch, locker, 3—6 blumig. Sepalen länglich, rosenrot, zirka 3 cm lang, stumpf. Petalen zirka 5 mm lang, rosenrot. Lippe braun mit weißem Fleck, dreilappig, mit dicht und lang sammethaarigen Seitenlappen, Buckel zu langen, aufrechten Hörnern verlängert, Vorderlappen oval, vorn in ein drei- zinkiges Spischen auslaufend, die ganze Lippe zirka 1,7 cm lang. Blüte- zeit: Mai bis Juni. Heimat: Krim; Kaukasus.
0. fusca Link (Arachnites fusca Tod., Ophrys funerea Viv., Ophrys
iricolor Griseb.).
10—30 cm hoch, locker, 2—6blütig. Sepalen gelbgrün, elliptisch, stumpf. Petalen linealisch stumpf. Lippe dreilappig, mit kurzen Seitenlappen und zweilappigem Vorderlappen, am Grunde mit zwei Höckern, gelbbraun-sammet- haarig, mit zwei kleinen, gelb umrandeten Spiegeln, deutlich länger als die Sepalen. Eine der großblütigsten Arten. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südeuropa.
a ar a jr DA ln nn Bl a Se a
Tafel II.
PAPHIOPEDILUM CALLOSUM PFITZ.
R. Schlechter, Die Orchideen. Verlag von Paul Parey in Berlin SW 11.
Gruppe 2. Habenariinae. 49
0. lutea Cav. (Ophrys vespifera Brot., Arachnites lutea Tod.).
10-—30 cm hoch, locker, 2—5blütig. Sepalen gelbgrün, elliptisch, stumpf. Petalen linealisch, abgestußt. Lippe dreilappig mit kurzen Seitenlappen, gelb- braun sammetartig behaart, vorn mit zwei bläulichen Spiegeln mit gelb- brauner Umrandung, deutlich länger als die Sepalen, Seitenlappen zuweilen leicht gewell. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südeuropa.
0. muscifera Huds. (Ophrys myodes Jaeg., Ophrys musciflora Schrk., Ophrys muscaria Suff., Arachnites musciflora Schm.).
20—60 cm hoch, locker 3—10blütig. Sepalen länglich-lanzettlich, stumpf, grünlich. Petalen linealisch, rötlich. Lippe länger als breit, dreilappig, schwarzpurpurn-sammethaarig mit einem viereckigen weißlichen Spiegel, Seitenlappen kurz, schmal, Vorderlappen fast quadratisch, kurz zweilappig. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Südeuropa, besonders auf Kalkboden.
0. scolopax Cav. (Ophrys picta Lam.).
20—40 cm hoch, locker 3—8blütig. Sepalen länglich, nach vorn etwas schmäler, rosenrot. Petalen schmäler, kürzer und etwas dunkler. Lippe drei- lappig, mit zurückgebogenen Rändern, purpurbraun-sammethaarig, mit fünf runden, gelb-berandeten Spiegeln, Seitenlappen kurz, höckerartig, Mittellappen rundlich mit einem lanzettlichen Anhängsel an der Spite. Blütezeit: Mai. Heimat: Südeuropa.
O. speculum Link. (Ophrys vernixia Brot., Orchis ciliata Biv., Arachnites speculum Tod.).
10—30 em hoch, locker 2—6blütig. Sepalen oval, stumpf, gelblich- grün. Petalen breit-lanzettlich, etwas kürzer als die Sepalen, violettbraun. Lippe dreilappig, länger als die Sepalen, konvex, . dunkelbraun - sammet- haarig, am Grunde mit zwei kurzen Erhebungen, in der Mitte mit einem blau- schimmernden Spiegel, Seitenlappen kurz, rundlich, gewimpert, Mittellappen herzförmig, stumpf, mit zurückgebogenen Rändern. Blütezeit: Mai. Heimat: Südeuropa. Eine der selteneren Arten.
6. Serapias |. (Helleborine Tourn.)
Die Gattung Serapias ist vor Orchis durch die merkwürdige Form des ungespornten Labellums und das an der Spite deutlich verlängerte Antheren- konnektiv generisch geschieden. Im übrigen sind beide Gattungen nahe genug verwandt, daß sogar zahlreiche natürliche Bastarde zwischen ihnen entstanden sind. Habituell ähneln die Arten verschiedenen Ophrys- und Orchis-Arten. Die Sepalen sind lanzettlich oder eiförmig-lanzettlich und zu einem eiförmigen Helm zusammengeneigt, in dem die kleineren schmalen Petalen eingeschlossen sind. Die ungespornte Lippe besißt zwei kleine Seiten- und einen großen leuchtend roten, zungenförmigen, spigen, nach unten gebogenen Mittellappen,. Die Gattung ist vollständig auf das engere Mittel- meergebiet beschränkt.
Schlechter, Orchideen. 4
50 IH. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Diese reizenden Pflanzen sind ebenfalls der Kultur sehr wert und wachsen, in derselben Weise behandelt wie die Op/rys-Arten, sehr willig. Auch hier muß der Boden tüchtig mit Sand vermischt werden, um ihn gut durchlässig zu machen. Die Beimischung von zerschlagenen Kalksteinen kann hier fort- bleiben oder stark beschränkt werden.
S. cordigera L. (Helleborine cordigera Pers., Serapias ovalis Rich.).
20—35 cm hoch, beblättert. Blätter linealisch-lanzettlich, spig. Infloreszenz mäßig dicht, 3—8blütig. Brakteen elliptisch-lanzettlich, gewöhnlich kürzer als die Blüten, rötlich mit purpurner Aderung. Sepalen lanzettlich, spiß, hell- rötlich. Petalen kleiner, schmal linealisch-lanzettlich, spiß, dunkler als die Sepalen. Lippe dreilappig, fast doppelt so lang als die Sepalen, Seitenlappen rundlich, purpurn, Vorderlappen elliptisch, zugespitt, dunkelpurpurn, groß und so breit wie beide ausgebreiteten Vorderlappen. Blütezeit: Mai. Heimat: Südeuropa.
$. lingua L. (Helleborine lingua Pers., Helleborine oxyglottis Pers., Serapias glabra Lap.).
Habitus der vorigen, 20—40 cm hoch. Brakteen elliptisch-lanzettlich, so lang oder wenig länger als die Blüten, violettrosa, mit dunkleren Nerven. Sepalen lanzettlich, violettrot, zuweilen grünlich marmoriert. Petalen kleiner und schmäler. Lippe dreilappig, fast doppelt so lang als die Sepalen, am Grunde mit länglicher Verdickung, Seitenlappen rundlich, dunkel- purpurn, Mittellappen elliptisch-lanzettlich, zugespitt, halb so breit wie die beiden ausgebreiteten Seitenlappen, mit feinen Haaren besett, rein violettrot. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südeuropa.
S. longipetala Poll. (Helleborine longipetala Ten., Helleborine pseudo- cordigera Seb., Serapias hirsuta Lap., Serapias lancifera St. Am., Serapias oxyglottis Rchb., Serapias pseudocordigera Moric).
Habituell den beiden vorigen sehr ähnlich, bis 50 cm hoch, Brakteen aber die Blüten bedeutend überragend. Blüten 4— 8, in mäßig lockerer Traube. Sepalen 'zusammengeklebt, lanzettlich, rotviolett, außen blaß. Petalen kleiner und schmäler. Lippe dreilappig, 1'/s mal so lang als die Sepalen, am Grunde mit zwei Verdickungen, Seitenlappen rundlich, dunkelpurpurn, Vorderlappen elliptisch-lanzettlich, behaart, nicht so breit wie beide Seitenlappen, bräunlich- rot, mit gelblicherer Mitte. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südeuropa, an feuchten sandigen Stellen.
$. neglecta De Not.
Habitus der vorigen, bis 30 cm hoch. Brakteen kürzer als die Blüte, oval, spiß, grünlich, oft violett überlaufen oder fast purpurn. Blüten groß, 2—6. Sepalen lanzettlich, blaß violettpurpurn. Petalen fast ebenso lang, viel schmäler. Lippe dreilappig, doppelt so lang als die Sepalen, mit zwei linealischen Verdickungen am Grunde, Seitenlappen rundlich, dunkelpurpurn, Vorderlappen so breit wie beide Seitenlappen zusammen, oval, zugespißt, mit feinen Haaren, zinnoberrot mit ockerroter Mitte. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südeuropa.
re
Gruppe 2. Habenariinae, 51
$. occultata Gay. (Serapias parviflora Parl., Serapias laxiflora Chaub.).
Habitus der vorigen, aber schlanker und kleiner. Ähre locker, 4—8 blütig. Brakteen lanzettlich, den Blüten gleich lang oder wenig länger, rötlich oder seltener grün. Blüten für die Gattung klein. Sepalen lanzettlich, blaß violett- rot mit grüner Nervatur. Petalen schmäler, grünlich oder rötlich. Lippe dreilappig, kaum länger als die Sepalen, am Grunde mit zwei runden Höckern, Seitenlappen rundlich, dunkelpurpurn , Vorderlappen größer, gelbrot, mit bräunlichen Haaren, lanzettlich, spiß. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südeuropa.
Außer den hier aufgeführten Arten sind noch zahlreiche Bastarde bekannt, von denen besonders diejenigen mit Orchis papilionacea L. und Orchis laxiflora Lam. (Serapias Barlae Cam. und Serapias tribola Viv.) recht schöne Pflanzen sind.
7. Aceras R. Br.
Die Gattung Aceras möchte ich, wie Pfiter, auf die eine Art A. anthro- bophoraR. Br. beschränken. Sie hat völlig den Habitus von Orchis, doch ist die Lippe ganz spornlos, und die Klebmassen der Pollinien sind zu einer einzigen vereinigt, welche von einer breiten Bursikula umschlossen ist.
Die Gattung steht Zimantoglosum Sprgl. am nächsten, ist aber durch das spornlose Labellum unterschieden.
Die Kultur der Art ist dieselbe wie bei Ophrvs d. h. die Pflanze ist ebenfalls kalkliebend.
A. anthropophora R. Br. (Ophrys anthropophora L., Serapias anthro- pophora L., Loroglossum antropophorum Rich., Aceras anthropomophora Sm., Aımantoglossum anthropophorum Sprel.).
. 30—40 cm hoch, mit länglichen Blättern, besonders an der Basis des Stengels. Blütentraube 15—25 blütig, locker. Brakteen kürzer als das Ovarium. Blüten ziemlich klein. Sepalen lanzettlich in einen eiförmigen Helm zusammen- geneigt, zirka 4 mm lang, gelblich, rötlich überlaufen und berandet. Petalen schmäler. Lippe länger als das Ovarium, mit 4 rötlichen schmalen Lappen, von denen zwei am Grunde der grünlichen Platte, zwei an der Spite stehen. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Südeuropa, besonders auf Kalkboden.
8. Himantoglossum Sprgl. (Loroglossum Rich., Barlia Parlat.).
In der hier gegebenen Umgrenzung soll die Gattung auch Barlia ein- schließen, welche meiner Ansicht nach nicht wirklich generisch zu trennen ist. Im Habitus gleichen die Spezies starkwüchsigen Orchis-Arten. Die Sepalen neigen helmartig zusammen. Die Lippe, welche in der Knospe spiralig auf- gerollt ist, ist entgegen Aceras mit einem kurzen, aber deutlichen Sporn versehen. Die Pollinarien und die Säule mit ihrer breiten Bursikula gleichen
sonst völlig denen von Aceras. N. Si
52 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Die Kultur der Arten ist dieselbe wie bei den Op/rys-Arten, doch ver- langen sie meist einen etwas reicheren Boden mit etwas mehr Lehmzusaß, auch etwas sehr feiner Glimmerschiefer ist ihnen zuträglich.
H. hircinum Sprgl. (Satyrium hircinum L., Loroglossum hircinum Rich., Aceras hircina Ldl.).
30—60 cm hoch. Blätter länglich, nach oben schmäler. Traube ziemlich dicht, vielblütig, zylindrisch. Brakteen etwas länger als das Ovarium. Blüten ziemlich groß, mit einem starken Bockgeruch. Sepalen länglich, zu einem rundlichen Helm zusammengeneigt, grünlich, innen mit purpurnen Punkten. Petalen linealisch, purpurn-punktiert. Labellum bandförmig, vorn zweispißig, 4—5 cm lang, am Grunde mit zwei kurzen dreieckigen Seitenlappen, leicht schraubig gedreht, grünlichgelb, am Grunde rot punktiert, Sporn kurz, schief kegelförmig. Ist bei uns winterhart. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Südeuropa.
H. longibracteatum Schltr. (Orchis longibracteata Biv., Orchis Rober- tiana Lois., Aceras longibracteata Rchb. i., Loroglossum longibracteatum Moris., Barlia longibracteata Parl.).
Sehr starkwürchsig, 30--50 cm hoch. Blätter oval, die oberen etwas schmäler. Blütentraube ziemlich dicht, vielblütig, zylindrisch. Brakteen lanzett- lich, spiß, die Blüten etwas überragend. Blüten ziemlich groß, wohlriechend. Sepalen zu einem ellipsoiden Helm zusammengeneigt, elliptisch, stumpf, außen rotviolett, innen rot, mit purpurnen Fleckchen. Petalen lanzettlich, spißlich. Lippe dreimal so lang als die Sepalen, hellviolett, nach dem Rande grünlich, in der Mitte weißlich, mit purpurnen Punkten, dreilappig, mit sichelförmigen Seitenlappen und breiterem und längerem, zweispaltigem Vorderlappen, Sporn kurz, schief kegelförmig. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa.
Zur Einfuhr zu empfehlende Arten. Himantoglossum formosum Schltr. (Aceras formosa Koch.), aus dem Kaukasus und Himantoglossum Sieheanum Schltr. (Aceras Sieheana Hausskn.), aus Anatolien.
9. Anacamptis Rich.
Habitus einer schlanken Orchis-Art. Von dieser Gattung aber unter- schieden durch die vereinigten Klebmassen der Pollinien und die breite Bursi- kula. Vor Himantoglossum zeichnet sie sich aus durch die kurze, gleich- mäßig dreilappige Lippe mit zwei Lamellen an der Spornmündung und den schlanken fadenförmigen Sporn.
Die Art verlangt in der Kultur sehr stark mit Sand vermischten durch- lässigen Boden. Im übrigen ist sie wie die meisten Ophrys-Arten zu be- handeln.
A. pyramidalis Rich. (Orchis pyramidalis L., Orchis bicornis Gilib., Orchis condensata Desf., Aceras pyramidalis Rchb. }.).
20—60 cm hoch, schlank. Blätter linealisch-lanzettlich. Bläutentraube sehr dicht, vielblütig, kegelförmig oder eiförmig. Brakteen schmal, von der
a a a
Gruppe 2. Habenariinae, 53
Länge des Ovariums. Blüten leuchtend karminrot. Sepalen länglich, stumpflich. Petalen wenig schmäler. Labellum fast fächerförmig, mit drei fast gleich- großen, vorn abgestugten Lappen, kaum länger als die Sepalen. Sporn dünn, fadenförmig, etwas länger als das Ovarium. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Mittel- und Südeuropa, besonders oft auf Kalkboden.
10. Neotinea Rchb. f. (Tinea Biv.)
Diese Gattung steht Orchis sehr nahe und unterscheidet sich von jener hauptsächlich durch das Stigma, welches nach Reichenbach fil. aus zwei V-förmig divergierenden Schenkeln bestehen soll. Wie aus den Unter- suchungen von Camus hervorgeht, ist die Säule sonst genau so konstruiert wie bei Orchis, d. h. die Pollinien haben zwei getrennte Klebmassen, welche in einer zweifächerigen Bursikula eingeschlossen sind.
Die hier aufgeführte ist die einzige Art der Gattung.
N. intacta Rchb. f. (Orchis intacta Link., Satyrium maculatum Dest., Satyrium densiflorum Brot., Aceras secundiflora Ldl., Aceras densiflora Boiss., Aceras intacta Rchb. f., Coeloglossum densiflorum Nym.).
Eine 10—25 cm hohe Pflanze vom Habitus der Orchis-Arten, mit fast einseits-wendiger, dichter Traube kleiner blasser, rot-gezeichneter Blüten. Die Art hat nur Wert für den Sammler botanisch interessanter Orchideen. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa.
I. Orchis L.
Die Gattung Orchis, in.ihrer heutigen Umgrenzung, dürfte etwa 50 bis 60 Arten enthalten. Obgleich die in Europa heimischen Arten im allgemeinen einen ziemlich übereinstimmenden Habitus zeigen, weichen viele der außer- europäischen Arten doch nicht unerheblich im Habitus ab. Ich rechne zu der Gattung alle diejenigen Arten, welche zwei getrennte Klebscheiben besiten, die in einer zweifächerigen Bursikula ruhen, und deren Stigma eine einfache leicht konkave Höhlung mit einer zweilappigen Narbenfläche darstellt.
Die Gattung wird in zwei Untergattungen geteilt, nämlich:
A. Herorchis, mit helmförmig zusammenneigenden Sepalen und Petalen.
B. Androrchis, mit seitlich abstehenden resp. zurückgezogenen Sepalen.
Wie die Ophrys-Arten bilden die Orchis-Arten in jedem Jahre seitlich der alten eine neue Knolle, aus welcher der nächstjährige Trieb entsteht. Bei vielen Arten ist diese Knolle handförmig zerschligt, so daß es den An- schein hat, als bestehe sie nur aus dicken Wurzeln. Die Kultur ist denn auch im allgemeinen dieselbe wie bei den Ophrys-Arten, doch ist eine Reihe besonders der Formen mit fingerförmig zerteilten Knollen Bewohner mehr oder minder feuchter Wiesen. Deshalb ist es stets angebracht, ihnen eine etwas fettere Rasenerde oder Lauberde zu geben, doch sorge man auc hier’ stets dafür, daß der Boden gut durchlässig ist. Einige wenige Arten, wie
54 Ill. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
z. B. ©. palustris Jacqg., O. incarnata L. und ©. latifolia L. verlangen aber besonders im Frühjahr sehr viel Feuchtigkeit.
Ich habe nur einen kleinen Teil der Arten der interessanten Gattung auf- geführt, da sich, wie bei Ophrys, ein jeder Liebhaber in den europäischen Florenwerken genügend über sie informieren kann. Die indisch-chinesischen Arten sind als Kalthauspflanzen zu- kultivieren, die südeuropäischen resp. mediterranen werden am besten in einem hellen Kasten {rostfrei überwintert, die mittel- und nordeuropäischen, sowie O. aristata Fisch., sind bei uns winterhart.
0. aristata Fisch.
Habitus der O, latifolia L., aber mit lang zugespigten Sepalen und Petalen. Dadurch äußerst charakteristisch und stets unschwer zu erkennen. Blütezeit: Juni. Heimat: Nordost-Sibirien, nördliches Japan, Alaska. Ist bei uns winterhart.
0. coriophora L. (0. cimicina Cr., O. Jragrans Poll., ©. Pollini Spr., O. cassidea M. B., O. Martrini Timb.-Lagr.).
20— 40 cm hoch. Blätter lanzettlich, spiß. Traube dicht vielblütig, zylindrisch. Brakteen von der Länge des Ovariums. Blüten klein, mit stark wanzenartigem Geruch. Sepalen lanzettlich, zugespißt, zusammengeneigt, rot mit grünen Streifen. Petalen ähnlich, schmäler. Lippe dreilappig, rötlich, purpurn und grün punktiert. Seitenlappen rhombisch, am Rande unregelmäßig gezähnelt, Mittellappen eilörmig-lanzettlich, spit, etwas länger als die seitlichen, Sporn sackartig, schief kegelig, hängend, kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Mittel- und Südeuropa, auf Wiesen, zuweilen an trockenen Stellen, zuweilen an Sumpfrändern.
0. foliosa Soland.
Sehr üppig wachsende prächtige Art, bis 60 cm hoch. Blätter länglich, nach oben lanzettlich. Blütentraube dicht, vielblütig, zylindrisch, 2,5 cm im Durchmesser, bis 10 cm lang. Brakteen so lang als die Ovarien oder länger. Blüten purpurrot, mit violett-purpurn gezeichneter Lippe. Sepalen länglich, die seitlichen abstehend. Petalen elliptisch. Lippe rund-herzförmig, dreilappig, mit zylindrischem Sporn, der kürzer ist als das Ovarium, Blüte- zeit: Mai bis Juni. Heimat: Madeira.
0. globosa L. (Orchis Halleri Crang, Orchis sphaerica M. B., Nigr:- tella globosa Rchb., Traunsteinera globosa Rchb.).
Sehr schlank, 30 bis 50 cm hoch. Blätter schmal länglich, in Abständen. Infloreszenz kopfförmig, fast kugelig, sehr dicht, vielblütig. Blüten klein, hell- violett. Lippe am Grunde heller, mit dunkelvioletten Punkten. Sepalen etwas zusammengeneigt, eiförmig-lanzettlich , lang zugespitt. Petalen etwas kürzer. Lippe dreilappig, mit rhombischen stumpfen Seitenlappen und schmalem, an der Spite zweispaltigem Mittellappen, Sporn zylindrisch ‚ ungefähr halb so lang als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Nordeuropa, auf Bergwiesen.
Gruppe 2. Habenariinae. 55
0. incarnata L.
25—50 cm hoch, mit hohlem, beblättertem Stengel. Blätter lanzettlich, grün. Blütentraube dicht vielblütig, zylindrisch. Brakteen gewöhnlich länger als die Blüten. Blüten hellrosa bis rot mit dunklerer Lippenzeichnung. Sepalen länglich, die seitlichen abstehend. Petalen schmal elliptisch. Lippe fächerförmig, kurz dreilappig, mit zylindrischem Sporn, der etwas kürzer ist als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: In den Sümpfen von Mittel- und Nordeuropa sehr häufig.
0. latifolia L. (©. majalıs Rchb.).
20—50 cm hoch, mit länglichen, nach oben schmäleren purpurngefleckten Blättern. Traube dicht vielblütig, zylindrisch, die unteren Brakteen länger als das Ovarium. Blüten purpurrot mit dunklerer Lippenzeichnung. Sepalen und Petalen länglich, die seitlichen abstehend. Lippe breit fächerförmig, kurz dreilappig, die seitlichen vorn abgestumpft und unregelmäßig gezähnelt, Sporn etwas kürzer als das Ovarium, zylindrisch. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Auf nassen Wiesen durch ganz Europa.
0. laxiflora Luck. (O. ensifolia Vill., ©. Tabernaemontani Gmel.).
Bulben eiförmig. Stengel 30—50 cm hoch, locker beblättert. Blätter lanzettlich. Blütentraube locker, vielblütig. Brakteen lanzettlich, spit, etwas länger als das Ovarium. Blüten ziemlich groß, violettpurpurn. Sepalen länglich, stumpf, die seitlichen nach hinten gebogen. Petalen den Sepalen sehr ähnlich. Lippe 3lappig, violettpurpurn, Seitenlappen groß, zurück- geschlagen, Mittellappen klein und kurz, oft fast ganz fehlend, Sporn dünn- zylindrisch, wagerecht oder leicht nach oben gebogen. Blütezeit: Juli bis August Heimat: Ganz Europa, auf feuchten Wiesen.
O. maculata L. (Orchis solida Moench, Orchis basilica L.).
Knollen handförmig. Stengel 3—4blättrig, 30-60 cm hoch. Blätter länglich oder lanzettlich, oberseits dicht braungefleckt. Brakteen lanzettlich, oft länger als das Ovarium. Blüten purpurn, seltener blasser, rot-punktiert und -gestrichelt. Blütentraube dicht vielblütig, anfangs kegelig, später kurz zylindrisch. Sepalen und Petalen länglich, stumpf, die seitlichen abstehend. Lippe breit fächerförmig, mit breiten, gestußten und vorn gezähnelten Seiten- lappen und kurzem Vorderlappen, Sporn zylindrisch, kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Juni. Heimat: Ganz Europa, besonders unter Halbschatten in quarzreichem Boden. (Fig. 12.)
O0. mascula L. (Orchis ovalis Schm., Orchis Stabiana Ten., Orchis Pareissi Pr., Orchis glaucophylla Kern.).
Bulben rundlich. Stengel 20—40 cm hoch, beblättert. Blätter länglich lanzettlich, die oberen allmählich schmäler. Blütentraube dicht vielblütig, zylindrisch. Brakteen teils das Ovarium etwas überragend, teils kürzer. Blüten schön violettpurpurn. Sepalen länglich, spis, die seitlichen abstehend. Petalen etwas kürzer. Lippe dreilappig, fein papillös, mit breiten am Rande fein gekerbten Seitenlappen und längerem zweilappigem Mittellappen. Sporn horizontal oder leicht aufsteigend, zylindrisch, von der Länge des Ovariums.
56 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Ganz Europa und Sibirien, besonders auf Bergwiesen.
Var. speciosa Koch (Orchis speciosa Host.), mit größeren Blüten, deren Sepalen ziemlich lang zugespist sind. Heimat: Südeuropa.
0. militaris L. (0. ARivini Gouan., Orchis cinerea Schrk., Orchis galeata Lamk.).
Bulben ellipsoid. Stengel sehr kräftig, 30—50 cm hoch. Blätter groß, länglich, besonders am Grunde des Stengels. Blütentraube dicht vielblütig, kurz zylindrisch. Brakteen lanzettlich, kürzer als das Ovarium. Blüten grau- rosa oder weißlich, mit hellrosa, purpurn punktierter Lippe. Sepalen und Petalen einen ovalen Helm bildend. Lippe mehr als zweimal so lang als
i ei: N Sk Fig. 12. Orchis maculata L. die Sepalen, mit linealischen stumpfen Seitenlappen und breit keilförmigem, kurz zweilappigem Mittellappen, Sporn kurz zylindrisch, ungefähr halb so lang als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Ganz Europa, auf mäßig feuchten Wiesen. (Fig. 13.)
0. monophylla Roltfe.
15—20 cm hoch. Ein einziges ovales Blatt, den Stengel am Grunde umhüllend, grün mit dunkelbraunen Flecken. Blütentraube ziemlich dicht, vielblütig, bis 8 cm lang. Blüten violettrosenrot, mit dunkler gefleckter Lippe. Mittleres Sepalum und Petalen zusammenneigend, die seitlichen Petalen herab- gebogen. Lippe tief dreilappig, mit gestusten Lappen, Sporn zylindrisch, kürzer als die Lippe. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Oberburma, Yunnan, 1800—2500 m ü. d. M.
Gruppe 2. Habenariinae. 57
O0. morio L. (0 Nicodemi Ten., Orchis crenulata Gilib.).
Bulben rundlich. Stengel 10—20 cm hoch. Blätter besonders am Grunde des Stengels, schmal zungeniörmig. Blüten in mäßig dichter, 4 — 10blütiger Traube, violettrot, zuweilen etwas heller. Sepalen und Petalen in einen fast kugeligen Helm zusammengeneigt. Lippe aus breit-keilförmigem Grunde dreilappig, länger als der Helm, Seitenlappen rundlich, gekerbt, Mittellappen kurz, zweilappig, mit schief ovalen gekerbten Segmenten, Sporn zylindrisch, horizontal, etwas aufsteigend, etwas kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Ganz Europa, auf sonnigen Wiesen.
0. pallens L. (0. sul- phurea Sims.).
Bulben ellipsoid. Stengel
länglich, groß, hellgrün. Blütentraube ziemlich dicht, vielblütig, zylindrisch. Brak- teen gelblich, das Ovarium etwas überragend. Blüten ziemlich groß, blaßgelb. Se- palen länglich, stumpf, die seitlichen abstehend. Petalen ähnlich. Lippe dreilappig, fein papillös, Seitenlappen rundlich, Vorderlappen kurz zweilappig, Sporn horizontal, zylindrisch, stumpf, ungefähr so lang als das Ovarium. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Süd- und Mittel- europa, im Halbschatten auf
Kalkboden. O. palustris Jacg. (Orchis germanorum Mor., Orchis mediterranea Guss.,
Orchis elegans Heuft.). or
In allen Teilen der O. laxiflora Lamk. sehr ähnlich, aber mit aus- gebreiteten Seitenlappen und längerem Mittellappen. Die Blütezeit ist stets etwas später (ziika 3 Wochen) als bei O. laxiflora Lamk. Blütezeit:
58 Il. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
August. Heimat: Ganz Europa, besonders Südeuropa und Mitteleuropa, in Sümpfen.
0. papilionacea L. (0. expansa Ten., Orchis rubra Jacq.).
Bulben rundlich. Stengel 20 bis 35 cm hoch. Blätter besonders am Grunde, schmal zungenförmig. Blüten in lockerer, 4—8blütiger Traube, groß, purpurn mit violettrosa Labellum, Sepalen und Petalen zu einem länglichen Helm zusammenneigend, länglich. Lippe fast kreisrund - fächerförmig, am Rande gewellt, Sporn zylindrisch-kegelförmig, kürzer als das Ovarium. Eine recht schöne, sehr empfehlenswerte Art. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa, auf trockneren sonnigen Wiesen,
0. picta Loisel.
In allen Teilen fast wie ©. morio L., aber mit kleineren Blüten und längerem Sporn. Habituell auch schlanker. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa.
0. provincialis Balb. (Orchis Cyrilli Ten., Orchis leucostachys Griseb.),
Bulben ellipsoid. Wuchs gedrungen, 10—25 cm hoch. Blätter besonders am Grunde, länglich-lanzettlich. Blütentraube 6—12blütig, kurz ellipsoid. Brakteen gelblich, von der Länge des Ovariums. Blüten blaßgelb, mit purpurroten Tupfen auf dem papillösen Labellum. Sepalen und Petalen länglich, die seit- lichen abstehend. Lippe tief dreilappig, Seitenlappen rundlich, stumpf, leicht gekerbt, Vorderlappen breit keilförmig, abgestugt, fast zweilappig-ausgeschnitten, Sporn ziemlich dick, zylindrisch , zurückgestreckt, etwas aufwärts gekrümmt, von der Länge des Ovariums oder etwas länger. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa.
0. purpurea Huds. (Orchis fuscata Pall., Orchis fusca Jacq., Orchis brachiata Gilib.).
Bulben ellipsoid.. Wuchs kräftig, 30—60 cm hoch. Blätter groß, besonders am Grunde, elliptisch. Blütentraube dicht, vielblütig, zylindrisch. Brakteen kürzer als das Ovarium. Blüten denen des O. militaris L. ähnlich, mit dunkel-purpurbraunem Helm und weißer oder hell-rosenroter, braunrot ge- tüpfelter Lippe. Sepalen und Petalen länglich, stumpf, einen ovalen Helm bildend. Lippe länger als die Sepalen, Seitenlappen linealisch, stumpf, Vorder- lappen keilförmig, zweilappig, Sporn nach unten gestreckt, zylindrisch-kegel- förmig, wenig gekrümmt, doppelt kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Fast ganz Europa. Auf trockenen Wiesen oder an Wald- rändern. (Fig. 14.)
0. quadripunctata Cyr. (Orchis Hostil Tratt., Orchis Brancifortii Biv., Anacamptis quadripunctata Ldl., Anacamptis Brancifortii Ldl.).
Bulben rundlich. Stengel 10-20 cm hoch. Blätter besonders nach der Basis, schmal zungenförmig. Blütentraube 10—20blütig, halbkugelig bis kurz zylindrisch, ziemlich dicht. Blüten klein, leuchtend hellrot. Sepalen und Petalen länglich, die seitlichen etwas abstehend. Lippe sehr breit, rhombisch, ziemlich gleichmäßig und stumpf dreilappig, Sporn etwas gebogen, fadenförmig, das
Gruppe 2. Habenariinae., 59
Ovarium etwas überragend. Eine reizende, sehr zierliche, in Kultur recht dankbare Art. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa, an sonnigen trockenen Abhängen.
Fig. 14. Orchis purpurea Huds.
O0. sambucina L. (Orchis Schleicheri Sweet, Orchis salina Fronius). Bulben kurz oder schwach dreilappig. Habituell der O0. provincialis Balb. ähnlich, mit kurzer, 5—15blütiger, etwas dichter Traube. Brakteen die Blüten etwas überragend. Blüten ziemlich groß, gelb oder hellpurpurn. Sepalen und Petalen länglich, die seitlichen etwas abstehend. Lippe drei- lappig, Lappen rundlich, die seitlichen breiter als der vordere, Sporn
60 Il. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen uud der hauptsächlichsten Arten.
zylindrisch-kegelförmig, hängend, leicht gebogen, etwas kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Nord- und Mitteleuropa, in lichtem Gebüsch und auf Bergwiesen.
0. simia Lamk. (Orchis tephrosanthos Vill., Orchis italica Lamk., Orchis zoophora Tuil.).
Knollen ellipsoid. Habitus völlig von O. militaris L. Blüten grauweiß, innen rosa punktiert, Lippe weiß oder hellrosa, mit violetten Tupfen. Sepalen lanzettlich, zugespigßt, einen eiförmigen Helm bildend. Petalen schmäler, linealisch, kürzer. Lippe mehr als doppelt so lang als die Sepalen, dreilappig, Seitenlappen linealisch, stumpf, Vorderlappen aus keilförmiger Basis, zwei- lappig, Segmente linealisch, stumpf, Sporn kurz, nach vorn gebogen, dreimal kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Juni. Heimat: Auf Bergen und Hügeln Mittel- und Südeuropas, besonders in kalkhaltigem Boden.
O. spathulata Rchb. f. (Gymnadenia spathulata Ld).).
10—15 cm hoch. Ein einziges, spatelförmiges, stumpfes Laubblatt am Grunde. Schaft locker, 3—6blütig. Brakteen kürzer als die Blüten. Blüten rosenrot. Sepalen und Petalen länglich, zirka 7 mm lang. Lippe breit-oval, stumpf, Sporn zylindrisch, ziika 4 mm lang. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Himalaya; Yunnan, 2800-3500 m ü. d. M.
0. spectabilis A. Gr.
Knollen handförmig zerschnitten. Blätter zwei am Grunde, dem Boden mehr oder minder flach aufliegend, breit elliptisch. Schaft kurz, 10—15 cm hoch, locker 3—10blütig. Blüten ziemlich groß. Sepalen und Petalen helm- förmig zusammengeneigt, purpurn. Lippe rundlich, schwach dreilappig, weiß mit violetter Zeichnung, am Rande etwas gewellt, Sporn kurz und stumpf. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Nordamerika, in feuchten Wäldern.
0. tridentata Scop. (Orchis variegata All., Orchis cercopitheca Lamk.).
Habituell der ©. militarıs L. ähnlich, aber in allen Teilen kleiner, besonders in den Blüten. 20—40 cm hoch. Traube dicht und vielblütig, zylindrisch. Blüten hell violettrosa, mit purpurn geflecktem, hellerem Labellum. Sepalen eiförmig-lanzettlich, zugespitt, einen eiförmigen Helm bildend. Petalen linealisch. Lippe länger als die Sepalen, dreilappig, Seitenlappen linealisch, nach vorn etwas verbreitert, schief abgestußt, Vorderlappen keilförmig verkehrt-eiförmig, aus- gerandet oder kurz zweilappig, mit rundlichen am Rande gezähnelten Seg- menten, Sporn zylindrisch, hängend, fast von der Länge des Ovariums. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Südeuropa. Auf sonnigen Wiesen oder an Waldrändern. Häufig auf Kalkboden.
Var. lactea Rchp. (Orchis lactea Poir., Orchis acuminata Dest., Orchis corsica Vis., Orchis Tenoreana Guß., Orchis Henrici Henon, Orchis Scopoli Timb.-Lagr.), von stärkerem Wuchs mit meist größeren Blüten und breiteren Seitenlappen des Labellums. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Südeuropa, Mediterrangebiet.
Gruppe 2. Habenariinae. 61
O0. ustalata L. (Orchis Columnae Schm., Orchis parviflora Willd., Himantoglossum parviflorum Spr.). abituell völlig mit ©. Zridentata Lamk. übereinstimmend, aber mit doppelt kleineren Blüten in langzylindrischer dichter Traube. 10 —30 cm hoch. Blüten dunkel braunrot, mit weißem, purpurn-punktiertem Labellum. Sepalen und Petalen in einem eiförmigen Helm zusammengeneigt. Lippe dreilappig, gestußt, Vorderlappen doppelt länger, zweispaltig, mit kurzen Segmenten. Seitenlappen schmal, vorn schief, Sporn kurz, viermal kürzer als das Ovarium, Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Ganz Europa. Auf Wiesen, besonders in kalkhaltigem Boden.
Zur Einfuhr zu empfehlende Arten. 0. Comperiana Stev. (Comperia taurica C. Koch.), mit prächtigen großen Blüten. Heimat: Kaukasus. 0. cyclochila Maxim., ähnlich O. sdeciosa A. Gr., aber nur mit einem Grundblatt. Heimat: Japan, Nordchina. 0. Karduchorum Schltr. (Comperia Karduchorum Bornm. u. Kränzl.), Nahe verwandt mit O0. Comperiana Stev. Heimat: Kleinasien.
12. Stenoglottis Ldl.
Mit dieser Gattung beginnen diejenigen Platanthereae, deren Klebmassen nicht von einer Bursikula umschlossen sind. In Stenoglottis liegt eine der wenigen Gattungen dieser Verwandtschaft vor, welche sich durch das völlig spornlose, vorn in drei bis fünf Spigen zerschligte, zungenförmige Labellum auszeichnet. Die Gattung zeigt offenbar gewisse Beziehungen zu Platanthera an, ist aber auch in dem kurzen Gynostegium von jener verschieden. Bisher sind drei Arten bekannt, von denen die beiden unten aufgeführten in Süd- afrika beheimatet sind, die dritte, S. sambesiaca Rolfe, in Nyassaland ge- funden ist.
Die Arten werden am besten im temperierten Hause in guter, mit Sand durchmischter Lauberde kultiviert. Nach dem Verblühen sollte ihnen, nach- dem die oberirdischen Teile abgestorben sind, eine längere Ruheperiode gegeben werden.
$. fimbriata Ldl.
Wurzeln dickfleischig, spindelförmig. Blätter 3—6, rosettenartig am Grunde des Schaftes, länglich-lanzettlich, spiß, grün, meist mit dunkelbraun- purpurnen Flecken, 6— 10 cm lang. Schaft 10-20 cm hoch, locker 10- bis 25blütig. Blüten rosenrot, mit purpurnen Punkten auf der Lippe. Sepalen und Petalen zu einem ellipsoiden Helm zusammengeneigt, zirka 3 mm lang. Lippe zungenförmig, vorn in drei fein zugespigte Segmente geteilt, doppelt so lang als die Sepalen. Blütezeit: August bis Oktober. Heimat: Süd- afrika. Im Humus der Wälder und auf Felsen.
Var. saxicola Schltr., mit kleineren grünen Blättern, 5—8 cm hohem Schaft und 3—7 blütigen Infloreszenzen. Blütezeit: Herbst. Heimat: Südafrika. In Felsspalten in schattigen Wäldern.
62 IN. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
$. longifolia Hook f.
In allen Teilen viel kräftiger und mit größeren grünen oder spärlicher gelleckten Blättern als bei S. fömbriata Ldl. Schaft bis 35 cm hoch. Blüten- traube dicht, zylindrisch, vielblütig. Blüten größer als bei S. fimbriata Ldl., mit vorn in 5—7 Segmente zerteilter Lippe. Es ist nicht unwahrscheinlich,
DALE MD er et Fig. 15. Stenoglottis longifolia Hk. f.
daß sich diese Art als luxuriante Varietät von S. fimbriata Ldl. wird. Sie ist in guter durchlässiger Lauberde kultiviert eine prächtige und sehr dekorativ wirkende Pilanze, besonders, wenn mehrere Exemplare in Schalen zusammen gepflanzt sind. Blütez eit: August bis Oktober. Heimat: Natal, Zululand, im Humus dichter Wälder. (Fig. 15.)
erweisen
Gruppe 2. Habenariinae. 63
13. Sylvorchis ]. J. Sm.
Eine kleine saprophytische Orchidee, mit wenigblütiger kurzer Infloreszenz und ungespornter, dreilappiger Lippe, mit großen Seitenlappen und stark verkürztem Mittellappen.
S. colorata J. J. Sm., die einzige Art. Bemerkenswert als einziger saprophytischer Vertreter der Basitonae. Im Humus dichter Wälder, auf der Insel Java.
@ “ 14. Schwartzkopffia Kränzl.
Kleine Pflanzen, mit sehr stark verkürztem Stamm und auf Scheiden reduzierten Blättern, mit 1—4blütiger kurzer Infloreszenz. Blüten lang gestielt, ziemlich groß, mit kurz dreilappigem ungesporntem Labellum.
S. pumilio Schltr. (Penthea pumilio Ldl., Brachycorythis pumilio Rchb. f., Schwartskopffia togoensis Kränzl.), im tropischen Afrika, vereinzelt in lichten Baum- steppen.
S. Lastii Schltr. (Brachycorythis Lastii Rolfe), auf den Bergen des Nyassa- landes.
15. Neobolusia Schltr.
Eine monotypische Gattung, mit schlankem, aufrechtem, wenig beblättertem Stengel und mittelgroßen in sehr lockerer Traube stehenden Blüten, mit spornloser flacher Lippe und deutlicher Säule.
N. Tysoni Schltr., die einzige Art, mit gelbgrünen, rot berandeten Sepalen und Petalen und weißer Lippe. In Sümpfen in Natal und Transvaal.
16. Herminium R. Br. (Chamaeorchis L. C. Rich., Chamaerepes Sprgl., Cybele Falc., Thisbe Falc.)
Meist kleinblütige Pflanzen, mit ein bis zwei, seltener mehr Blättern. Die
Gattung enthält zirka 20 Arten, welche hauptsächlich auf alpinen Bergwiesen . in den Gebirgen des tropischen und subtropischen Asiens, sowie in Europa und Nordasien vorkommen.
H. monorchis R. Br, (Ophrys Monorchis L., Orchis chonorchis All,, Satyrium Monorchis Pers., Herminium clandestinum Gren. & Godr.).
Bulben ellipsoid. Blätter zwei am Grunde, schmal-länglich. Schaft 10 bis 20 cm hoch. Blüten klein, in ziemlich dichter, einseitswendiger, vielblütiger Traube, gelbgrün. Brakteen etwa von der Länge der Ovarien. Sepalen zu- sammengeneigt, länglich, stumpf, zirka 4 mm lang. Petalen lanzettlich zu- gespißt, die Sepalen überragend, am Rande in der Mitte beiderseits zahnförmig verbreitert. Lippe vorn dreilappig, mit lanzettlichem, zugespigtem Mittellappen und kürzerem Seitenlappen, am Grunde konkav. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Europa, Nordasien bis Nordchina. Auf trockenen sonnigen Wiesen.
64 III. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
H. alpinum Ldl. (Ophrys alpina L., Orchis alpina Schrk., Epipactis alpina Schm., Orchis graminea Crant, Chamaerepes alpina Sprgl, Chamae- orchis alpina Rich.)
Bulben eiförmig. Blätter 5—8, schmal linealisch, fast so lang als der 5—10 cm hohe Stengel. Blütentraube dicht 8—15blütig. Blüten sehr klein, grün, braun überlaufen, mit gelblicher Lippe. Sepalen und Petalen zusammen- geneigt, länglich, stumpf. Lippe länger, vorn kurz dreilappig, völlig spornlos. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Auf hochalpinen Wiesen der Schweiz, der Karpathen und Skandinaviens, 1500—2000 m ü. d. M.
17. Platanthera Rich.
(Bicchia Parl., Blephariglottis Rafin., Coeloglossum Hartm., Gennaria Parl., Hemibabenaria Finet, Lindblomia Fries, Limnorchis Rydb., Mecosa Bl., Neolindleya Kränzl., Perularia Ldl., Piperia Rydb.)
Schon seit Jahren habe ich vergeblich versucht, einen stichhaltigen Unter- schied zwischen den Gattungen Platanthera und Gymnadenia sowie anderen sich eng an diese anschließenden Gattungen zu finden, doch bis jett ist es mir noch nicht gelungen, hier definitive Grenzen festzulegen. Daß ich diese beiden Gattungen, sowie einige andere, dennoch hier getrennt behandle, liegt darin, daß ich vermeiden möchte, voreilig neue Namen zu schaffen. Eine Klärung dieser Verhältnisse wird erst möglich sein, wenn eine genaue Durcharbeit aller Arten der Gattung vorgenommen wird.
Habituell ist die Gattung äußerst variabel. Wir finden hier Arten, die nur ein oder zwei grundständige Blätter haben, welche unten den Schaft um- schließen; bei anderen sind zwei oder wenig mehr stengelständige Blätter in Abständen verteilt oder aber der ganze Stengel sehr dicht beblättert. In den Blüten ist, so wie die Gattung jest gehandhabt wird, eine noch größere Variation zu beobachten. Abgesehen von der Vielgestaltigkeit der Petalen ist das Labellum ganz besonders Umwandlungen unterworfen. So sind von dem einfachen zungenförmigen der ?. bifolia Rich. alle möglichen Übergänge zu einem dreilappigen oder auch viel zerschlißten Labellum vorhanden sowie von einem sehr kurzen sackförmigen Sporn bis zum faden- oder keulen- förmigen. Das Rostellum, dem bei der Unterscheidung zwischen Platanthera und den verwandten Gattungen so viel Bedeutung zugelegt wird, ist teils flach und breit dreieckig, teils kapuzenförmig wie bei Gymnadenia, dazwischen aber sind alle Übergangsiormen_ festzustellen. Kurzum, wir haben eine Gattung vor uns, die an Vielgestaltigkeit keineswegs hinter der polymorphen Habenaria zurücksteht. Wollte man beide Gattungen gleichmäßig behandeln, so bliebe uns sicher nichts anderes übrig, als Platanthera mit den hier folgenden sechs Gattungen zu vereinigen, denn tatsächlich finden sich zwischen diesen nicht mehr Unterschiede als zwischen einigen Sektionen von Habenaria. Es ist daher sehr zu hoffen, daß in absehbarer Zeit einmal eine brauchbare Monographie dieser Gattungsgruppe erscheint.
Gruppe 2. Habenariinae. 65
Die Gattung in ihrer heutigen Umgrenzung dürfte etwa 80 Arten haben, die mit wenigen Ausnahmen auf die nördliche Hemisphäre beschränkt sind, wo sie teils in der gemäßigten Zone, teils auf den hohen Gebirgen der tropischen und subtropischen Länder anzutreffen sind. Nur wenige sind als wirkliche Tropenpflanzen zu bezeichnen.
P. albida Ldl. (Satyrium albidum L., Orchis albida Scop., Orchis alpina Crant., Orchis parviflora Lamk., Habenaria albida Sw., Gymma- denia albida Rich., Coeloglosum albidum Hartm.).
Bulben tief geteilt. Stengel 20 - 30 cm hoch, mit 3—5 länglichen Blättern. Blütentraube dicht, vielblütig, zylindrisch. Blüten klein, weiß oder gelblich. Sepalen und Petalen länglich, stumpf, zusammenneigend. Lippe dreilappig mit linealischen fast stumpfen Seitenlappen und doppelt längerem Mittellappen, Sporn länglich, stumpf, etwa dreimal kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Nordeuropa, auf Gebirgswiesen.
P. bifolia Rich. (Orchis bifolia L., Platanthera solstitialis Borungh., Platanthera brachyglossa Rchb.).
Bulben spindelförmig. Blätter zwei am Grunde, oval, stumpf. Schaft 20—40 cm hoch. Traube locker vielblütig. Blüten weiß, wohlriechend. Sepalen eiförmig, stumpflich. Petalen schief lanzettlich. Lippe schmal zungen- förmig, stumpf, mit grünlicher Spige, Sporn fadenförmig, leicht nach innen gebogen, etwas länger als das Ovarium, mit grünlicher Spige. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Nordeuropa, sowie Nordasien, an Wald- rändern und auf lehmigen Wiesen.
P. ciliaris Ldl., (Habenaria ciliaris R. Br., Blephariglottis flaviflora
Rafin.). Bulben länglich. Stengel wenigblättiig, 20—35 cm hoch. Blätter länglich-lanzettlich. Blütentraube kurz zylindrisch, dicht vielblütig. Blüten weiß, wohlriechend. Sepalen und Petalen eiförmig, die seitlichen schief. ‘Lippe etwa doppelt so lang als die Sepalen, lanzettlich, am Rande dicht mit langen Fransen versehen, Sporn fadenförmig, etwas länger als das Ovarium. Blütezeit: Mai. Heimat: Nordamerika. (Fig. 16.)
P. cristata R. (Habenaria cristata R. Br., Orchis cristata Michx.).
Schaft 30-45 cm hoch, beblättert. Blätter länglich, stumpflich. Blütentraube dicht 10-20 blütig. Blüten mittelgroß, goldgelb. Sepalen eiförmig, stumpflich. Petalen elliptisch, am Rande gezähnt. Lippe dreilappig, mit zwei keilförmigen Seitenlappen und breiteren Vorderlappen, am Rande tief zerschlißt, Sporn dünn, doppelt kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Sommer. Heimat: Nordamerika.
P. dilatata Ldl. (Orchis dilatata Pursh, Platanthera graminea Ldl.).
30-30 cm hoch. Stengel spärlich beblättert. Blätter länglich zungenförmig oder breit linealisch. Blütentraube dicht 10—20blütig, schmal zylindrisch. Blüten weiß, mit grünlichen Spigen, ziemlich klein. Sepalen eiförmig stumpflich. Petalen lanzettlich, schief. Lippe schmal zungenförmig, stumpf, Sporn schlank,
Schlechter, Die Orchideen. <
66 IN. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
etwa so lang wie die Lippe. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Im
ganzen nördlichen Teile von Nordamerika verbreitet. P. diphylla Rchb. f. (Gennaria diphylla Parl., Gymnadenia diphylla Lk., Habenaria cordata R. Br., Herminium cordatum Ldl., Orchis ES, cordata Willd., Peristylus cordatus Ldl.,
\ op) v 2 Satvrium diphyllum Lk.). \ ; = Sy 15—25 cm hoch. Stengel mit zwei breit- LIEF ZN eiförmigen, kurz zugespigten, am Grunde
KAT, A NN ’ ’
SM
herzförmigen, stengelumfassenden Blättern. Blüten klein, gelblich, in dichter schmal zylindrischer Traube, zirka 5 mm breit. Se- palen und Petalen zusammenneigend, oval. Lippe stumpf, oval, vorn dreilappig, Lappen einander fast gleich, Sporn kurz, sackförmig, zirka '/s so lang als die Lippe. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Mittelmeergebiet.
P. fimbriata Ldl. (Orchis fimbriata Dryand., Orchis grandiflora Bigel., Habe- naria grandiflora Torr., Platanthera gran- diflora Ldl.).
Bis 60 cm hoch, beblättert. Blätter länglich-lanzettlich, bis 15 cm lang. Traube dicht, mehrblütig, aufrecht. Blüten dunkel rosenrot, zirka 2 cm im Durchmesser. Sepalen länglich, stumpflich. Petalen aus genagelter Basis verkehrt eiförmig, gezähnt. Lippe dreilappig, mit fächerför- migen zerschligten Lappen, Sporn an der Spike etwas verdickt, wenig länger als das Ovarium. Blütezeit: Juni. Heimat: Nordamerika, in halbschattigen, feuchten Wäldern.
P. Hookeri Ldl. (Habenaria Hookeri Torr., Orchis Hookeri Wood.).
Fig. 16. Platanthera ciliaris Ldl. Blätter zwei, rundlich, basal,
zirka 15 cm lang. Schaft mit
Scheiden bedeckt, zirka 30 cm hoch. Traube aufrecht, mäßig locker, viel-
blumig. Blüten grünlich, zirka 1,5 cm lang, Sepalen eiförmig, das mittlere
konkav. Petalen lanzettlich. Lippe lanzettlich, zugespitt, etwas länger als
die Sepalen, Sporn zirka 2 cm lang. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Nordamerika, in Wäldern.
Gruppe 2. Habenariinae, 67
P. psycodes Ldl. (Orchis psvcodes L., Platanthera incisa Ld!.).
Stengel 40—65 cm hoch, beblättert. Blätter breit-lanzettlich oder länglich ; Blütentraube dicht, kurz-zylindrisch, vielblütig. Blüten klein, 1—1,2 cm breit; hell purpurrot. Sepalen länglich, die seitlichen schief. Petalen schief länglich- lanzettlich, stumpf. Lippe dreilappig, Seitenlappen keilförmig, zerschlißt, Mittellappen ähnlich, oft tief zweispaltig, zerschlitt, Sporn so lang als das Ovarium. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Nordamerika.
P. lacera A. Gr. (Habenaria lacera R. Br., Orchis lacera Mich.).
Schlank, 40—50 cm hoch. Blätter lanzettlich, spis. Traube dicht vielblütig, aufrecht. Blüten zirka 1 cm breit, weißgelb. Sepalen länglich, stumpf, die seitlichen herabgebogen. Petalen schmäler. Lippe dreilappig, Lappen schmal, vorn in wenige fadenförmige Segmente aufgelöst, Sporn etwas kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Nordamerika.
P. montana Schan. (Orchis montana Schm., Platanthera chlorantha Cust.).
Habituell der /. bifolia R. Br. äußerst ähnlich, aber verschieden durch grünlichere Blüten, mehr keulenförmigen Sporn und die nach unten aus- einanderspreizenden Antherenfächer. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Südeuropa bis Ostsibirien, auf Berg- und Waldwiesen. .
P. obtusata Ldl. (Orchis obtusata Pursh., Habenaria obtusata Richds.).
Bis 25 cm hoch. Nur ein radikales, verkehrt eiförmiges, stumpfes Blatt. Traube 5—10blumig. Blüten weißlich, zirka 6 mm breit. Sepalen und Petalen eilörmig, stumpf. Lippe herabgebogen, zungenförmig, stumpf, Sporn kegelförmig, so lang als das Labellum. Blütezeit: Juni. Heimat: Nordskandinavien, Sibirien, Nordamerika.
P. Susannae Ldl. (Orchis Susannae L., Orchis gigantea Sur., Habenaria Susannae R. Br., Platanthera robusta Ldl.).
Kräftig, bis 1 m hoch, beblättert. Blätter oval, spit. Traube aufrecht, wenigblütig. Blüten wohlriechend, weiß. Sepalen länglich, stumpf, 5 cm lang. Petalen linealisch, spit, 5 cm lang, Lippe mit breiten, zerschligten Seitenlappen und linealischem, stumpfem Mittellappen, Sporn fadenförmig, 10—14 cm lang. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Von Südchina bis Ambon.
P. viridis Ldl. (Satyrium viride L., Orchis viridis Crant, Habenaria viridis R. Br., Gymnadenia viridis Rich., Peristylus viridis Ldl., Himanto- glossum viride Rehb.).
Knollen handförmig. Schaft 3—4blättrig, 10—25 cm hoch, Blätter schmal oval, die oberen lanzettlich. Blütentraube locker, 5—15blütig. Brakteen so lang oder kürzer als die Blüten. Blüten grün. Sepalen länglich, zuweilen rot berandet. Petalen ähnlich. Lippe zungenförmig, grün, oft rot berandet, vorn dreispigig, mit kürzerer, mittlerer Spige, Sporn länglich, stumpf, etwas einwärts gebogen, 4—5mal kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Nordeuropa, Nordasien und Kar:
68 IIl. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Var. bracteata Rchb. f. (Orchis bracteata Willd., Platanthera bracteata Ldl.), mit langen, die Blüten weit überragenden Brakteen. Die ganze Pflanze meist kräftiger im Wuchs. Heimat: Nordamerika, Ostasien.
18. Gymnadenia R. Br. (Mitostigma Bl., Ponerorchis Rchb. f., Siberia Sprel.)
Die Gattung Gymnadenia ist in ihrer heutigen Umgrenzung von Platan- thera nicht mehr zu unterscheiden. Die Gründe, welche mich dennoch ver- anlaßt haben, hier beide Gattungen getrennt zu halten, habe ich schon oben unter Platanthera angegeben. Bei einer genauen systematischen Durch- arbeitung des ganzen Materials wird es vielleicht doch möglich sein, neue Grenzen zwischen diesen beiden und den zunächst folgenden Gattungen zu finden.
Die Gattung enthält etwa 20 Arten, die, wie Platanthera, in ihrem Habitus sehr verschieden sind. Von diesen treten 4 Arten, nämlich G. conopsa R. Br., G. cucullata Ldl., G. odoratissima Rich. und G. Friwaldskvana Haenke in Europa auf, die übrigen sind hauptsächlich asiatisch und bisher nicht in Kultur. Die hier angeführten Arten sind bei uns winterhart.
G. conopea R. Br. (Orchis conopea R. Br., Orchis ornithis Jacq., Platanthera conopea Schltr.).
Bulben handförmig. Stengel schlank, mit Traube 30-—-50 cm hoch. Blätter linealisch oder linealisch-lanzettlich. Blütentraube kurz zylindrisch, dicht vielblütig. Blüten karminrosa, wohlriechend. Sepalen und Petalen länglich. Lippe dreilappig, mit ovalen, stumpfen Seiten- und Vorderlappen, Sporn fadenförmig, doppelt so lang als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Europa und Nordasien bis Ostsibirien und Nordjapan. ‚Auf sonnigen Wiesen oder in Waldlichtungen.
G. cucullata R. Br., (Orchis cucullata L., Himantoglossum cucullatum Rchb.). Knollen ellipsoid. Blätter zwei, länglich oder oval, grundständig. Schaft 7—15 cm hoch, schlank, mit ziemlich dichter, einseitswendiger Traube. Blüten karminrosa oder heller, ziemlich klein. Sepalen lanzettlich, spiß, in einen schmalen, spigen Helm zusammengeneigt. Petalen schmäler. Lippe ziemlich tief dreilappig, mit linealischen, stumpflichen Lappen, Sporn leicht nach vorn gebogen, schmal länglich, spit, mehr als doppelt kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Von Ostpreußen durch Rußland, Sibirien bis zum gemäßigten Ostasien. In feuchten, sandigen, lichten Wäldern und auf Bergwiesen,
G. Friwaldskyana Hampe.
Etwa 15 cm hoch. Blätter 2-3, länglich bis lanzettlich, aufrecht. Traube dicht vielblütig, zylindrisch. Blüten weiß, klein, Sepalen und Petalen eiförmig- länglich, stumpf, wenig spreizend. Lippe nach vorn verbreitert, dreilappig,
Gruppe 2. Habenariinae, 69
Seitenlappen kurz abgerundet, Vorderlappen dreieckig, stumpf, Sporn zylin- drisch kurz, stumpf. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Ungarn, Rumelien.
G. odoratissima Rich. (Orchis odoratissima L., Gymnadenia suaveolens Rchb.).
In allen Teilen kleiner als G. conopea R. Br. Blüten violettrot. Sepalen und Petalen länglich, stumpflich. Lippe dreilappig, mit stumpfen kurzen Lappen, Sporn etwas nach innen gebogen, schlank zylindrisch, etwa halb so lang als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Mittel- und Osteuropa, auf sonnigen Bergwiesen.
Zur Einfuhr zu empfehlende Arten. G. cyrtoceras Schltr. (Habenaria cyrtoceras Rolfe), mit einblütigem Schaft und großer Blüte, aus den Bergen von Setchuan (China). Kalthauspflanze. G. pinguicula Rchb. f., ebenfalls mit einer großen Blüte. Wie die vorige, etwa vom Aussehen einer Pinguicula. Reizende kleine Kalthausorchidee, aus den Bergen Chinas.
19. Nigritella Rich.
Von Gymnadenia ist die Gattung nur dadurch unterschieden, daß die Ovarien nicht gedreht sind und deshalb die Lippe, welche ungeteilt oder un- deutlich dreilappig ist, hinten steht und nach oben gewendet ist. Der Sporn ist kurz und ellipsoid. Das Gynostegium ist von dem der Gymmadenia nicht verschieden. ie Gattung ist monotypisch, doch sind verschiedene Bastarde mit Gyam- nadenia-Arten gefunden worden.
Die Kultur ist dieselbe wie bei den Op/ır ys-Arten.
N. nigra Rchb. f. (Satyrium nigrum L., Orchis nigra Scop., Orchis miniata Crang., Habenaria nigra R. Br., Nigritella angustifolia Rich., Gymmnadenia nigra Rchb. ?.).
Bulben handförmig, kurz. Blätter schmal linealisch, zahlreich, am Grunde des kurzen 5—15 cm hohen Schaftes. Blütentraube kopfförmig verkürzt, sehr dicht, vielblütig. Blüten dunkel purpurn, fast schwarzpurpurn. Sepalen und Petalen länglich, spis, ziemlich gleich. Lippe rhombisch-eiförmig, an der Basis etwas konkav, Sporn elliptisch-länglich, viel kürzer als das Ovarium. Blütezeit: Mai bis Juli. Heimat: In den Hochgebirgen von Mittel- und Nordeuropa, auf sonnigen Abhängen.
Var. rubra (Nigritella rubra Wettst.), mit mehr karminroten Blüten in mehr ellipsoidem Kopf. Heimat: Ostalpen.
20. Schizochilus Sond.
Auch diese Gattung ist weder habituell noch durch die Struktur der Blüten scharf von Gymnadenia unterschieden, es sei denn, daß sich noch bessere Charaktere finden lassen. Beachtenswert ist allerdings, daß alle Arten im östlichen Südafrika heimisch sind und sich den übrigen Gymnadenia gegenüber durch die goldgelbe Blüten- färbung auszeichnen. Sie wären wohl wert, in Europa als Kalthausorchideen kultiviert zu werden. Ihre Kultur müßte ganz ähnlich sein, wie bei den Disa-Arten.
70 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
$. bulbinella Rchb. f. ee bulbinella Schltr.), mit sehr dichter ellipsoider Traube kleiner goldgelber Blüte $. Gerrardi Rchb. f. akanihern Gerrardi Schltr.), mit länglicher Traube weißer Blüten mit Be Labellumquerleiste . Zeyheri Sond. (Platanthera Zesheri Schltr.), mit länglicher zylindrischer Traube mittelgroßer goldgelber Blüten.
21. Brachycorythis Ldl.
Habituell gleichen die Arten gewissen Orchideen, die teils als Platanthera, teils als Gymnadenia beschrieben worden sind. Aus einem Büschel dickfleischiger spindel- förmiger Knollen entwickelt sich ein dicht beblätterter Stengel, dessen Blätter ganz allmählich in die Brakteen übergehen. Die Blüten selbst sind in der ganzen Struktur denen von Gymnadenia sehr ähnlich, unterscheiden sich bei den typischen Formen aber dadurch, daß die Petalen in ihrem unteren Teile mit der Säule verwachsen sind, und daß die Lippe am Grunde statt des Spornes ein konkaves scharf abgegrenztes Hypochi! besitt. Leider aber gibt es auch hier Arten, die Übergänge zu den typischen Gymnadenia-Blüten darstellen und dadurch die Grenzen der Gattung völlig ver- wischen
Etwa zehn typische Arten finden sich im tropischen und im extratropischen Süd- afrika. Es sind stattliche Pflanzen, welche wegen ihres reichen Blütenschmuckes und des regelmäßigen Aufbaues wohl verdienten, in den europäischen Sammlungen Auf- nahme zu finden.
n wachsen mit .. in durchlässiger Wiesenerde, die mit feinem Glimmerschiefer gemischt werden
Besonders en sind zur Einführung:
B. Kahlbreyeri Rchb. f. aus Kamerun.
B. ovata Harv. aus Südafrika.
B. pleistophylla Rchb. f. aus Ostafrika.
la. Sie alle haben kräftige, steif aufrechte, dicht belaubte, bis 50 cm hohe Stämme und in dichten Trauben stehende ziemlich große rosenrote oder violettrote-Blüten.
22. Hemipilia Ldl.
In der Struktur der Blüten steht die Gattung Gyrınnadenia am nächsten. Sie ist von ihr hauptsächlich dadurch unterschieden, daß die Lippe am Sporn- eingang eine \/-förmige Lamelle besigt. Im Habitus gleichen die Arten der Orchis monophylla Rolfe, d. h. ein grundständiges Blatt umfaßt den wenig- blütigen Schaft, der bei einigen Arten recht hübsche Blüten trägt. Die Gattung ist auf die Gebirge Ostasiens, besonders von Yunnan und Setchuan, und auf den Himalaya beschränkt. Sie enthält etwa acht Arten. Die Arten sind wie Orchis und Ophrys zu behandeln, aber im temperierten Hause zu halten.
H. calophylla Par. & Rchb. f
Diese, die einzige sich in Kultur befindende Art hat ein schön purpurrot geflecktes Blatt. Die Blüten haben etwa das Aussehen derjenigen von Orchis laxiflora Lamk. Blütezeit: Mai bis Juli. Heimat: In den Gebirgen von Burma,
Gruppe 2. Habenariinae, 71
23. Deroemeria Rchl. f.
Die Gattung hält etwa die Mitte zwischen Platanthera und Holothrix. Mit dem Gynostegium der Platanthera, aber viel niedrigerem Rostellum, vereinigen die Arten den Habitus von Holothrix. Eine Zusammenstellung der Arten habe ich zu- sammen mit Dr. A. B. Rendle im Journal of Botany 1895 p. 277 gegeben. Diesen sind nur noch die folgenden Arten hinzuzufügen: D. Culveri Schltr. (Holothrix Cul- veri Bol.), D. Schimperi Rolfe und D. triloba Rolfe.
In Kultur befindet sich keine Art.
24. Holothrix Ldl.
(Bucculina Ldl., Monotris Ldl., Saccidium Ldl., Scopularia Ldl.).
Wir haben in Holothrix eine typisch-afrikanische Gattung vor uns, deren heutiges Verbreitungszentrum im außertropischen Südafrika liegt. Abgesehen von der merk- würdigen Blütenform, ist die Gattung vorzüglich charakterisiert durch das Gymnostegium, das ein auffallend niedriges Rostellum hat, welches oft nur als Hautleiste nachweisbar ist. In Europa dürfte zurzeit nur H. Schlechteriana Kränzi. in Kultur sein. Früher wurden auch H. Lindleyana Rchb. f. und H. orthoceras Rchb. f. kultiviert, doch sind beide bereits wieder verschwunden. Eine Übersicht über die Arten der Gattung habe ich in der Österreichischen botanischen Zeitschrift (1898) p. 439 gegeben.
Alle Arten können in möglichst sandiger Lauberdemischung im Kalthaus kulti- viert werden.
25. Bartholina R. Br.
Die »Spider-Orchids« (Spinnen-Orchideen) der Engländer gehören zu den merkwürdigsten Gebilden der Flora von Südafrika. Zwischen einem dem Boden aufliegenden, fast kreisrunden Blatt erhebt sich ein einblütiger Schaft mit einer ziemlich großen Blüte, deren Lippe fast ganz in feine Fäden zer- schligt ist, während die Sepalen und Petalen zusammenneigen und einen länglichen Helm bilden.
Bisher sind drei Arten der Gattung bekannt geworden, von denen sich zwei in Kultur beiinden. Sie wachsen alle in sehr sandigem Boden, oft in der Nähe der Küsten, und gedeihen in Europa gut im Kalthaus in einer Mischung von Lauberde und recht viel Sand.
B. Ethelae Bol.
Knollen klein, kugelig. Ein fleischiges, fast kreisrundes Laubblatt, dem Boden fest aufliegend. Schaft einblütig, etwa 10 cm hoch. Sepalen und Petalen schmal, lanzettlich, zusammengeneigt. Lippe fast kreisrund, 2—2,5 cm lang, in feine an der Spite mit einer runden Drüse versehene, aufsteigende Fäden zerschlißt, Sporn zylindrisch-kegelförmig, spißlich, kaum so lang als das Ovarium. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südafrika, in sandigem
oden.
B. pectinata R. Br.
In allen Teilen wie B. Ethelae Bol., nur dadurch verschieden, daß die Drüse an der Spige der Lippenfäden fehlt. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Südafrika, in sehr sandigem Boden.
72 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
26. Huttonaea Harv. (Hallackia Harv.)
In Huttonaea haben wir eine kleine südafrikanische Gattung vor uns, welche sich durch die merkwürdig geformten weißen Blüten auszeichnet. Diese sind zwar nicht sehr groß, doch von sehr eigenartiger Gestalt. Die Petalen sind genagelt und haben eine sackartig ausgehöhlte, am Rande federförmig zerschlitte Platte. Auch das spornlose Labellum ist am Rande stark zerschlitt.
Die Arten sind in mit Sand gemischter Lauberde im temperierten Hause zu kulti- vieren. Nach ihrem Abblühen müssen sie eine Ruheperiode haben, bis sich der neue Trieb zeigt
Die aeungn Arten sind:
riata Harv. (Hallackia fimbriata Harv.), mit gestielten Blättern, aus Wäldern in in Südatrika.
H. oreophila Schltr., mit größeren Blüten, aber von kleinerer N auf humus-
reichen schattigen Felsen im östlichen Südafrika, 1500—2000 m ü. d. M.
H. pulchra an mit sigenden Blättern, aus feuchten Ei im östlichen Süd- afrika, 500—1000 m ü. d. M.
Untergruppe 2. Habenarieae.
Den Platanthereae gegenüber sind die Habenarieae dadurch ausgezeichnet, daß die zwei Narben auf deutlichen Fortsägen stehen, die wagerecht von der Blütenachse abstehen. Diese Fortsäße sind in einigen Fällen sehr kurz, in anderen sehr lang und schlank. Verzweigte Fortsäge hat die Gattung Koe- perocharis.
Habituell] sind diese Pflanzen von den Platanthereae nicht verschieden. Ebenso sind ihre Blüten denen jener Gruppe sehr ähnlich, doch haben viele tief zweiteilige Petalen, von denen dann meist das hintere Segment mit dem mittleren Sepalum zu einem Helm verklebt ist. Das Rostellum ist sehr viel- gestaltig.
Fast sämtliche Arten dieser Untergruppe sind Bewohner der Tropenländer und daher in temperierten oder warmen Häusern zu kultivieren. Sie alle gedeihen vorzüglich in einer mit Sand und etwas Lehm vermischten Lauberde. Während ihrer Wachstumsperiode verlangen sie ziemlich reichliche Bewässerung, doch danach eine längere Ruheperiode und teilweise Trockenheit.
27. Arnottia A. Rich,
Die zu dieser Gattung gehörigen Arten sind nicht sehr gut bekannt, scheinen sich aber ziemlich eng an Cyanzosorchis Thou. anzuschließen, von der sie sich durch das völlig __. Labellum unterscheiden sollen. Jedenfalls bedarf die Gattung noch der Aufkläru
A. mauritiana A Rich. ist der Typus der u Wie die zweite Art, A, inermis S. Moore, ist sie auf der Insel Mauritius zu Hause
Gruppe 2. Habenariinae. 73
28. Bicornella Ldl. (Forsythmajoria Kränzl.)
Auch diese Gattung ist nahe verwandt mit Cynosorchis Thou. und vor dieser nur durch geringe Unterschiede in dem Gynostegium unterschieden. Die drei bisher bekannten Arten sind auf der Insel Madagaskar in Sümpfen und an Sumpfrändern häufig.
B. gracilis Ldl., mit schlankem Wuchs, etwa wie eine Gymnadenia, mit der üppigeren Varietät /ongifolia (Bicornella longifolia Ldl.).
B. parviflora Ridl., schlanker im Wuchs wie die obige, mit etwas kleineren Blüten; ebenfalls rot-blumig.
B. pulchra Schltr. (Forsythmajoria pulchra Kränzl.), ein schlankes, offenbar ebenfalls rot-blumiges Kraut, das sich durch die Form des Lippensporns auszeichnet.
29. Cynosorchis Thouars. (Amphorchis Thou., Barlaea Rchb. 1.)
Eine prächtige Gattung, von welcher bereits verschiedene Arten in Europa in Kultur eingeführt sind. Die Gattung steht Habenaria sehr nahe, unter- scheidet sich aber durch das stark nach vorn gezogene, oft fast niederliegende Rostellum. Bei weitem der größere Teil der Arten besigt eine drüsige Be- haarung auf dem Ovarium oder der Außenseite der Sepalen.
Mit Ausnahme einiger weniger Arten des tropischen Afrika sind fast alle zu der Gattung zu rechnenden Spezies auf Madagaskar und den Maskarenen heimisch. Die beiden Gattungen Barlaea Rchb. f. und Amphorchis Ldl. sind mit Cynosorchis Thouars zu vereinigen. Cynosorchis calcarata Schltr. (Barlaca calcarata Rchb. f.) ist auch legthin wieder als Cynosorchis ana- camptorides Kränzl. beschrieben worden.
In der Kultur gedeihen alle Arten recht gut in einem Gemisch von Laub- erde, Sand und Lehm. Sie sind im übrigen zu behandeln wie Habenaria und alle im Warmhaus zu halten.
C. compacta Rchb. f.
7--15 cm hoch. Ein basales elliptisches Blatt am Grunde den Stengel umhüllend. Schaft mit locker 4—10blütiger Traube, das Blatt überragend. Blüten zirka 1 cm groß, weiß mit violettrot-gefleckter, dreilappiger Lippe und kurzem konischem Sporn. Petalen sichelförmig, etwas kürzer und schmäler als die Sepalen. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Natal, zwischen Felsspalten, etwa bei 700 m ü. d. M.
C. grandiflora Ridl.
90-25 cm hoch. Am Grunde mit zwei linealischen, bis 17 cm langen Blättern. Schaft einblütig. Blüte groß, gelbgrün, mit roten Punkten. Sepalen und Petalen zu einem Helm zusammenneigend. Lippe dreilappig, 2,5 cm lang, mit fadenförmigem, sehr langem Sporn. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Madagaskar, auf feuchten Gneißfelsen.
74 IN. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
C. Lowiana Rchb. if.
10-—20 cm hoch. Am Grunde mit einem lanzettlichen, spißen, bis 10 cm langen Blatt. Schaft einblütig. Blüte groß, Sepalen und Petalen grünlich, rosenrot überlaufen, zirka 1 cm lang. Lippe karminrot, vierlappig, fast 3 cm lang, mit 2,5 cm langem, leicht gekrümmtem Sporn. Ovarium zirka 4 cm lang. Blütezeit: Februar bis April. Heimat: Madagaskar, auf feuchten Felsen, zirka 200 m ü. d. M.
Fig. 17. Cynorchis purpurascens.
C. purpurascens Thou. (Cynosorchis calanthoides Kränzl.).
25—40 cm hoch. Am Grunde mit einem länglichen, bis 30 cm langen, 10 cm breiten Blatt. Schaft dieht 5—-25blütig. Blüten groß, leuchtend violett- rot, ähnlich denen der C. Lowiana Rchb. f., mit fadenförmigem, bis 6 cm langem Sporn. Ovarium zirka 5—6 cm lang. Eine prächtige, etwa 15 Jahren in Kultur befindliche Art. Blütezeit: Heimat:
seit Juli bis September. Madagaskar, auf feuchten Felsen und zwischen Moos auf Bäumen. r Einfuhr zu empfehlende Arte C. aphylla Schltr., mit großen roten Blüten auf schlankem enden Schaft, aus Madagaskar. C. gibbosa Ridl., ähnlich der C. Yurpurascens Thou., mit größerem, stark buckeligem Helm und roten Blüten, aus Madagaskar.
Gruppe 2. Habenariinae. 75
30. Habenaria Willd.
(Acrostylia Frapp., Ate Ldl., Benthamia A.Rich., Bilabrella Ldl. Bonatea
Willd., Centrochilus Schauer, Chaeradoplectron Schau., Cybele Falc., Di-
phxlax Hk. f., Dissorchynchium Schan., Glossaspis Sprgl., Glossula Ldl.,
Hemibperis Cordem., Macrocentrum Phil., Montolivaea Rchb. f., Peristylus Bl., Platycoryne Rchb. f., Podandra Rolie).
Eine riesige, nunmehr bereits etwa 500 Arten umfassende Gattung mit dem Habitus von Orchis und Platanthera, aber durch die Merkmale der Untergruppe verschieden. Die Sepalen sind denen von Orchis ähnlich, die Petalen oft tief zweiteilig. Die Lippe ist ebenso variabel wie bei Platan- thera, doch herrscht die tief dreiteilige Form vor. Die Narbenfortsäge sind stets deutlich vorhanden, in ihrer Länge und Breite aber recht verschieden.
Die Gattung ist über den Tropengürtel der ganzen Welt verbreitet, nur wenige Arten, wie H. tridactylites Ldl., von den Kanaren, einige süd- afrikanische und wenige südamerikanische Arten treten außerhalb des Tropen- gürtels auf.
Die Kultur der Arten ist meist eine sehr leichte und dankbare, da sie, wenn ihnen nach der Wachstumsperiode genügend Ruhe gewährt wird, regelmäßig blühen. Sie wachsen alle gut in einem Gemisch von Lauberde, Lehm und Sand und verlangen während des Wachstums reichliche Bewässerung. Mit Ausnahme der wenigen extratropischen Arten empfiehlt es sich, alle im Warmhause zu kultivieren, während der Ruheperiode ihnen aber kühlere Temperatur angedeihen zu lassen.
H. bonatea Rchb. f. (Orchis speciosa L. f., Bonatea speciosa Willd., Habenaria robusta N. E. Br.).
30-80 cm hoch, mit großen länglichen Knollen. Stengel kräftig, be- blättert. Blätter elliptisch, bis 10 cm lang. Blütentraube ziemlich dicht, viel- blütig, breit, zylindrisch. Blüten groß. Sepalen länglich, grün. Petalen weiß, zweispaltig, wie die Lippe mit schmalen Segmenten. Lippe tief drei- spaltig, Sporn zirka 3 cm lang, herabhängend, nach der Spite etwas ver- dickt. Eine recht stattliche Pflanze, besonders in kräftigen Exemplaren. Blütezeit: Frühling bis Sommer. Heimat: Südafrika; besonders in san- digem Boden unter Schatten, oder auf Felsen im Walde.
H. carnea N. E. Br.
20-30 cm hoch. Blätter 4—6, länglich-lanzettlich, spis, an der Basis des Stengels, blaugrün, mit rosenroten Fleckchen, bis 13 cm lang. Blüten- traube locker, 4—8blütig. Blüten groß, zirka 3,5 cm im Durchmesser, rosenrot. Sepalen und Petalen eiförmig, zirka 1 cm lang. Lippe dreilappig mit breiten Lappen, 2,5 cm lang, Sporn fadenförmig, doppelt länger als das Ovarium. Eine sehr dekorative und dankbare Warmhauspflanze. Blüte- Herbst. Heimat: Langkawi-Inseln bei Penang, in kalkhaltigem
76 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
H. pusilla Rchb. f. (Zabenaria rhodocheila Hance, Habenaria militaris Rchb. f.).
Bis 30 cm hoch. Im Habitus der #. carnea N. E. Br. sehr ähnlich, aber zierlicher und mit schmäleren Blättern. Lippe mit schmäleren Lappen und kürzerem Sporn. Sepalen und Petalen rot mit grünlichem Anstrich, Lippe leuchtend zinnoberrot. Blütezeit: Herbst. Heimat: Cochinchina, Südchina, in Felsspalten.
Zur Einfuhr zu empfehlende Arten. . Saundersiana Harv. (Bonatea Saundersiana Rolfe), schlanker als die obigen, mit gelbroter Lippe, aus Südafrika H. xanthochila Ridl., ähnlich der H. pusilla Rchb. f., mit leuchtend gelber Lippe, von der Insel Penang.
31. Roeperocharis Rchb. f.
Nur durch die geteilten Narbenfortsäße unterscheidet sich die Gattung von Habenaria. Habituell ist sie jener Gattung so ähnlich, daß die Arten oft nur nach genauer Untersuchung als hierher gehörig erkannt worden sind
Die Gattung enthält zurzeit sieben Arten, welche alle auf offenen Abhängen der Berge des tropischen Afrika wachsen.
Ihre Kultur dürfte dieselbe sein wie bei den tropischen Habenaria-Arten.
32. Diplomeris Don.
(Diplochilus Ldl.. Paragnathis Sprgl.)
Eine kleine Gattung, die schon habituell charakteristisch ist. Aus kleiner kugeliger oder ellipsoider Knolle entwickeln sich ein bis drei dem Substrat mehr oder minder aufliegender Blätter, welche den kurzen einblütigen Schaft am Grunde umschließen. Die Blüten sind groß, gelblich oder weiß, mit breiten Petalen und runder ungeteilter,
gespornter Lippe. Die Narbenfortsäße sind durch eine Membran verbunden isher sind vier Arten beschrieben worden, D. pulchella Don., D. hirsuta Ldl., D. chinensis Rolfe und D. Boxalli Rolfe, welche in den Gebirgen Indiens und Chinas
heimisch sind. Alle verdienen wohl in Kultur eingeführt zu werden
Gruppe 3. Disaeinae.
Den übrigen Gruppen der Basitonae gegenüber ist diese dadurch gekennzeichnet, daß alle ihre Gattungen ein erhöhtes, polsterartiges oder ein aufrechtstehendes, scheibenartiges Stigma besiten. Pfiter hat größeren
ert auf die mehr oder minder zurückgelegte Anthere gelegt, doch haben lange nicht alle Arten dieses Merkmal. Aus diesem Grunde habe ich die Gruppe auch in meiner Monographie der Diseae !) auf die hier folgenden fünf Gattungen reduziert, und es scheint, als ob spätere Autoren mir darin recht gegeben haben.
Das Entwicklungszentrum der Disaeinae liegt ohne Zweifel in Süd- afrika, doch ist auch das tropische Afrika reich an Arten, besonders nach-
') cf. Englers, Botanische Jahrbücher vol. XXXI, p. 134—313,
Gruppe 3. Disaeinae, 77
dem durch die Erforschung der Hochsteppen und der Gebirge sich immer mehr gezeigt hat, daß die südafrikanischen Gattungen früher in Afrika eine weitere Verbreitung gehabt haben müssen als jest. Nach Osten dehnt sich das Verbreitungsgebiet der Gruppe dann über Madagaskar und die um- liegenden Inseln in wenigen Vertretern aus. Einige wenige Safyrium-Arten finden wir dann noch auf den Gebirgen Indiens und schließlich auch auf den Gebirgen von Südchina, wie sich neuerdings erst herausgestellt hat.
33. Satyrium SW. (Diplectrum Pers., Satyridium Ldl., Aviceps Ldl.)
Mit der nächstfolgenden Gattung Pachites Ldl. zusammen ist Salyrium Sw. den anderen Gattungen gegenüber durch die eigenartige, verlängerte Säule ausgezeichnet. Satyrium besitt dazu ein kappenförmiges, am Grunde fast stets mit zwei Säckchen oder Spornen versehenes Labellum, das den auf- fallendsten Teil der Blüte darstellt, da die Sepalen und Petalen klein und an der Spite meist zurückgerollt sind.
Die Verbreitung der Arten deckt sich völlig mit der der ganzen Gruppe, deshalb ist es überflüssig, hier näher darauf einzugehen.
Recht verschieden verhalten sich die einzelnen Arten in bezug auf ihre Standortsverhältnisse. Doch wird der Kultivateur nie falsch handeln, wenn er eine ihm unbekannte Art der Gattung zunächst im temperierten Hause hält, sie in recht sandiger, d. h. sehr gut dränierter Lauberde mit etwas Lehm aufzieht, ihr während des Wachstums reichlich Wasser gibt, danach aber sie im Kalthause trocken hält, bis sich neue Wachstumskräfte zeigen, die ja dann nach einer etwa halbjährigen Ruhe gewöhnlich leicht zu er- wecken sind.
Die meisten der nunmehr gegen 70 Arten sind der Kultur wert.
S. candidum Ldl. (Satyrium utriculatum Sond.).
Die beiden dem Boden aufliegenden, rundlichen. Blätter sind 3—10 cm lang und fast ebenso breit. Der mit Scheiden beseßte Schaft ist zirka 30—40 cm hoch. Die zylindrische Traube ist dicht vielblütig und trägt 7 mm breite, weiße, rosenrot überlaufene Blüten mit fast kugeliger, zweisporniger Lippe. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Südafrika, besonders auf sandigem und glimmerhaltigem Boden zuweilen in Lehm.
S, carneumR. Br. (Orchis carnea Dryand.).
Aus rundlich-elliptischer großer Knolle entstehen zwei 6—10 cm lange, 4-9 cm breite Blätter. Schaft kräftig, von tütenförmigen Scheiden umgeben, 30—70 cm hoch, mit sehr dichter, vielblütiger Traube zirka 1,5 cm breiter, leuchtend rosenroter Blüten. Blütezeit: August bis September. Heimat: Südafrika, auf sehr sandigen Dünen.
$. coriifolium Sw. (Orchis bicornis L., Diplectrum corüfolium Sw., Satyrium cucullatum Ldl., Satyrium aureum Paxt.).
i Knollen ellipsoid. Die schief aufrechtstehenden Grundblätter breit-elliptisch, 5-10 cm lang, 3—5 cm breit. Stamm mit der dichten, zylindrischen eig
78 Il. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
17—60 cm hoch. Blüten goldgelb bis leuchtend orangegelb, zirka 1,75 cm breit, mit kapuzenförmiger, zweisporniger Lippe. Die prächtige Art verdiente häufig in Kultur genommen zu werden, um so mehr, als sie leicht in größeren Mengen zu beschaffen wäre. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Kapland, in sandig-lehmigem Boden.
$. nepalense Ldl. (Satyrium Perrottetianum A. Rich., Satyrium albi- florum A. Rich., Satyrium pallidum A. Rich., Satvrium Wightiorum Ldl.).
Habituell erinnert die Art an S. coriifolium Sw., ist aber schlanker und hat bei einer Höhe von 12-60 cm hellrosenrote, kleinere Blumen, ebenfalls in dichter Traube. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Auf Bergwiesen der indischen Gebirge, bei 1300—2500 m ü. d. M.
$. sphaerocarpum Ldl. (Salyrium mitlitare Ldl., Satyrıum Beyri- chianum Kırzl.).
abituell wie S. corifolium Sw., aber mit kürzerer, breiter Traube weißer, braunrot gezeichneter Blüten. Blütezeit: Juli. Heimat: Auf Wiesen und an sandigen Sumpfrändern im östlichen Südafrika. Zur Einfuhr besonders zu empfehlende Arten.
$. amoenum A. Rich., mit rosenroten Blüten, aus Madagaskar.
$. Buchananii Schltr., mit langen Trauben rosenroter Blüten, aus Nyassaland.
$. membranaceum Ldl., mit zart weißroten Blüten, aus Südafrika.
$. Hallakii Brl., mit Aare dichter Traube hellpurpurner Blüten, aus dem öst- lichen Südafrika.
$. Woodii Schltr., mit dichter vielblütiger Traube orangeroter Blüten, aus Natal.
34. Pachites Ldl.
Für die Kultur kommt diese höchst interessante Gattung, deren zwei Arten nur in drei Herbarien vertreten sind, kaum in Betracht, da diese in der Heimat, Südafrika, selbst zu den größten Seltenheiten gehören. Sie wachsen unter en Verhältnissen wie viele südafrikanischen Disa-Arten, d. h. an sandigen Bergabhänge
P. appressa Ldl., eine bis 40 cm hohe Staude, mit einer Traube hellvioletter Blüten. P, Bodkini Bol., eine kaum spannhohe Art mit wenigen dunkelrot-violetten Blüten.
5. Disa Berg. (Monadenia Ldl., Penthea Ldl., Forficaria Ldl., Herschelia Ldl., Ortho- penthea Rolfe, Amphigena Rolte.)
Diese größte Gattung der Gruppe (zurzeit etwa 120 Arten enthaltend) ist leider oft in verschiedene Gattungen zerspalten worden, von denen einige kaum den Rang einer Sektion verdienen.
Charakterisiert wird das Genus durch das mehr oder minder helmförmige, große, mittlere Sepalum, meist nach hinten stehende kleinere Petalen, und das Labellum, welches meist zungenförmig oder selten gelappt, stets aber schmäler ist als das mittlere Sepalum.
Die Gattung ist über Afrika ähnlich wie Satyrium nr und tritt noch in einigen wenigen Arten auf Madagaskar und der Insel Bourbon auf, fehlt aber östlich dann.
Gruppe 3. Disaeinae. 79
Die Kultur der Arten ist ähnlich wie bei Satyrium, doch verlangen die auf feuchten Felsen wachsenden Arten, wie D. uniftora Berg. (D. grandi- flora L.) und D. longicornu L.f. mehr moorigen Boden mit einer Sphagnum- Auflage, um ihnen eine regelmäßigere Feuchtigkeit zu sichern.
D. barbata Sw. (Orchis barbata L. f., Satyrium barbatum Thbg., Herschelia barbata Bol.).
Knolle ellipsoid. Blätter fadenförmig, bis 25 cm lang. Schaft sehr schlank, locker 2—7blütig, bis 60 cm hoch. Blüten 2,5 cm breit, weiß oder bläulichweiß, mit rundlichem Helm und eiförmiger, am Rande tief gefranster Lippe. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Südafrika, auf sandigen, sonnigen Flächen.
D. cornuta Sw. (Orchis cornuta L., Satyrium cornutum Thbg.).
Sehr kräftige bis 40 cm hohe Art, mit dicht beblättertem Stamm und lanzettlichen, am Grunde rot gefleckten, bis 13 cm langen Blättern. Traube dicht vielblütig, zylindrisch. Blüten 3 cm breit, mit grünlichem, auf dem Rücken violettbraunem, gewölbtem Helm und kleiner zungenförmiger, weißlicher, vorn dunkelvioletter Lippe. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Kap- land; auf sandigen, sonnigen Flächen, in denen die Knolle oft sehr tief liegt.
D. crassicornis Ldl. (Disa megaceras Hook., Disa macrantha Hort.).
Eine prächtige bis 1 m hohe Art, die am Grunde breit zungenförmige, bis 30 cm lange Blätter besißt, neben denen dann der kurz beblätterte, starke Schaft entsteht. Die Blütentraube ist locker, vielblütig und bis 10 cm breit. Blüten groß, 5 cm breit, weiß, mit roten Flecken und Punkten, großem nach hinten gebogenem Helm, mit kurzem, hängendem Sporn und kleiner Lippe. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Auf grasigen Bergabhängen im öst- lichen Südafrika.
D. Cooperi Rchb. f.
35—60 cm hoch. Im Habitus ähnlich der vorigen, aber schlanker, mit den Schaft dicht umfassenden Scheiden. Blütentraube 10—15blütig, zylin- drisch, dicht, zirka 6 cm im Durchmesser. Blüten zirka 2,5 cm breit, zirka 4 cm hoch mit lang kegelförmig auftsteigendem Helm, weiß, rosenrot über- laufen, Lippe rhombisch olivgrün. Eine sehr hübsche Art. Blütezeit: August. Heimat: Auf grasigen Bergabhängen im östlichen Südafrika.
Var. Thodei Schltr. (Disa Thodei Bol.) von schlankerem Habitus, mit schmälerer Lippe.
D. draconis Sw. (Orchis draconis L., Satyrium draconis Thbg.).
Bis 50 cm hoch. Blätter am Grunde eine Rosette bildend, linealisch- lanzettlich, 10—18 cm lang. Schaft mit dünnen, bald trockenen Scheiden bedeckt, schlank. Blüten in lockerer 5—8blütiger Traube, zirka 3 cm breit, cremeweiß, mit rosa Mittelnerven. Helm nach hinten in einen spigen Sporn verlängert. Lippe zungenförmig. Blütezeit: August bis September. Heimat: Kapland, auf Glimmerschieferhügeln.
80 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
D. ferruginea Sw. (Satyrium ferrugineum Thbg.).
20—40 cm hoch. - Grundblätter schmal-linealisch, 7—10 cm lang. Schaft sehr schlank, mit kegelförmiger Traube leuchtend orangenroter Blüten. Helm zurückgelehnt, langkegelig. Lippe klein, zungenförmig. Blütezeit: Sep- tember. Heimat: Kapland, zwischen Gras und Felsen bei 300—1000 m ü. d.M.
D. filicornis Thbg. (Orchis filicornis L., Disa patens Sw., Penthea Sllicornis Ldl., Penthea reflexa Ldl., Disa reflexa R. f.),
8—20 cm hoch, am Grunde von einer Rosette winziger, linealischer Blätter umgeben. Schaft 1—-8blütig. Blüten 2,5 cm breit, rot, mit zurück- gelehntem, konkavem oder löffelförmigem Helm und sehr kleiner, schmaler Lippe. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Kapland, an sandigen Stellen.
D. graminifolia Ker. (Herschelia coelestis Ldl., Herschelia graminifola Dur. & Schinz.). }
Im Habitus völlig wie D. barbata Sw., aber mit prächtig blauen, gleich- großen Blüten und ungeteilter, ovaler, violett umrandeter Lippe. Blüte- zeit: Herbst. Heimat: Kapland, auf grasigen Abhängen, in sandig-torfigem Boden.
D. incarnata Ldl. (Disa fallax Kränzl.).
30—50 cm hoch. Am Grunde mit zwei bis drei linealisch-lanzettlichen, 20—30 cm langen Blättern. Schaft dicht von blattartigen Scheiden umgeben. Blüten orangengelb oder orangenrot, in lockerer 7—15blütiger Traube, zirka 1,5 cm breit. Helm oval, mit hängendem, schmal -zylindrischem, kurzem Sporn. Lippe zungenförmig. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Mada- gaskar, in Sümpfen.
D. longicornu L. t.
10—17 cm hoch. Blätter lanzettlich, am Grunde des Stengels eine Rosette bildend. Schaft einblütig, mit Scheiden besett. Blüte groß, hell- blau, zirka 5 cm breit. Helm nach hinten in einen leicht gebogenen Sporn auslaufend. Lippe zungenförmig. Blütezeit: Juli. Heimat: Kapland, auf Bergen, in Felsspalten.
D. polygonoides Ldl. (Disa natalensis Ldl.).
20—40 cm hoch. Im Habitus genau wie D. incarnata Ldl., aber mit einer sehr dichten, zylindrischen Traube kleiner, leuchtend orangenroter Blüten, von gleicher Gestalt wie bei jener, aber viel kleiner. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Auf grasigen Hügeln und Sumpfrändern im östlichen Südafrika,
D. porrecta Sw. (Disa Zeyheri Sond.).
Im Habitus genau wie D. Ferruginea Sw., aber etwas höher, mit mehr zylindrischer Traube orangenroter innen gelber Blüten, deren spornartiger, 3 cm langer Helm fast senkrecht emporsteht. Blütezeit: August bis Sep- tember. Heimat: Südafrika, auf den Bergen bei zirka 1000 m, zwischen Gräsern und Geröll.
Gruppe 3. Disaeinae. 81
D. racemosa L. f. (Satyrium secundum Thbg., Disa secunda Sw.).
Bis 75 cm hoch. Blätter länglich, zum Teil am Grunde des schaftartigen Stengels eine Rosette bildend. Blüte in lockerer, 3—9blütiger Traube, rosenrot, 4—5 cm breit. Helm breit, elliptisch, auf dem Rücken mit einem Höcker. Lippe zungenförmig. Eine schöne, elegante Art, welche in den letten Jahren häufiger kultiviert wird. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Kapland, in nassem, torfigem Boden.
D. spathulata Sw. (Orchis spathulata L., Satyrium spathulatum Thbeg., Disa tripartita Ldl.,, Disa propingua Sond.).
Habituell an eine sehr kurze D. barbata Sw. erinnernd, nur 10-35 cm hoch, mit lockerer, 1—4blütiger Traube. Blüten zirka 2—2,5 cm breit. Helm rundlich, hinten mit kurzem Säckchen, grünlich, violettrot überlaufen. Lippe olivgrün, lang genagelt, von der Form eines Efeublattes und wie dieses in der Lappung etwas variabel. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Kapland, in glimmerhaltigem, sandigem Boden.
Var. atropurpurea Schltr. (Disa atropurpurea Sond.), wie die Stamm- form, aber mit einfarbig roten Blüten und kürzerem Lippennagel.
D. uniflora Berg. (Satyrium grandiflorum Thbg., Disa grandiflora L. f.,, Disa Barelli Puydt.).
Habitus der vorigen, bis 60 cm hoch, mit 1-5 bittigein Stengel. Blüten sehr groß, 9—10 cm breit, mit scharlachroten, seitlichen Sepalen, aufrechtem, außen hellrotem, innen weißlichem, rot geadertem, am Grunde kurz ge- sporntem Helm und kleiner, zungenförmiger Lippe. Bei weitem die schönste uns bekannte Art der Gattung. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Kapland, auf nassen Felsen, in moorigem Boden.
D. tripetaloides N. E. Br. (Orchis tripetaloides L. f., Disa venosa Lindl.).
Im Habitus ähnlich der D. racemosa L. f., aber nur 15—40 cm hoch, mit dichterer, 4—10blütiger Traube und kleineren, 2—2,5 cm breiten, purpur- roten Blüten. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Längs der Bäche auf den Bergen des östlichen Südafrika.
Var. aurata Bol., wie die Stammform, aber mit goldgelben Blüten.
Zur Einfuhr besonders zu empfehlende Arten.
D. Charpentieriana Rchb. f., ähnlich D. barbata Sw., aber mit merkwürdiger langer dünner, vorn federförmig zerschligter Lippe, aus Südafrika.
D. chrysantha Sw., ähnlich 2. Dee A Ldl., aber höher, mit bis über fuß- langer dichter Blütentraube, aus Süda
D. erubescens N. E. Br., eine oh 37, aus der Verwandtschaft der D. incar- nata Ldl., mit rötlichen bis 4 cm breiten Blüten, aus Nyassaland.
D. rhodantha Schitr., mit einer Traube schön scharlachroter Blüten, aus Südafrika.
D. pulchra Sond., an Gladiolus erinnernd, mit schönen roten Blüten, aus Südafrika.
D. Walleri Rchb. f., ebenfalls mit roten großen Blüten, etwas an D.cornuta Sw.: in der Form erlinkend, aus Nyassaland.
Schlechter, Die Orchideen. 6
82 III. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
36. Schizodium Ldl.
Eine merkwürdige kleine Gattung aus dem Kaplande, deren sechs Arten bisher alle noch nicht in Kultur waren, ihrer reizenden Formen wegen aber verdienten, ein- geführt zu werden.
Die Grundblätter bilden eine Rosette, aus der sich der stark gewundene draht- artige Schaft erhebt, welcher eine wenigblütige Traube rosenroter oder weißer Blüten trägt. Diese erinnern an gewisse Disa-Formen, haben aber ein Labellum, das in ein Hypochil und ein Epichil getrennt ist.
Die größtblütige Art ist $. flexuosum Ldl., mit weißen Blüten und gelber braun punktierter Lippe. Von den anderen zart-rosablütigen Arten seien noch erwähnt $. bifidum Rchb. f. und $. longipetalum Ldl. ;
37. Brownleea Harv.
In dieser Gattung liegt ebenfalls ein sehr ‘charakteristischer Typus der Disaeinae vor. Dieser zeichnet sich vor Disa dadurch habituell aus, daß der Stengel am Grunde stets blattlos ist, dagegen in der Mitte ein bis drei Laubblätter trägt, deren Zahl für die Arten stets charakteristisch ist. In der Blüte ist die Gattung dadurch kenntlich, daß das kaum sichtbare Labellum der Säule am Grunde angedrückt ist und diese mit verbreiterter Basis vorn umfaßt.
Es sind zurzeit etwa zehn Arten der Gattung bekannt, die hauptsächlich im östlichen Südafrika beheimatet sind, nur eine Art, B. alpina N. E, Br., ist auf den Gebirgswiesen im tropischen Afrika, und eine, B. madagascarica Ridl., in schattigen Wäldern auf Madagaskar zu finden,
Die Kultur der Arten, von denen bisher nur die unten beschriebene ein- geführt ist, ist die gleiche wie bei Disa und Satyrium.
B. coerulea Harv. (Disa coerulea Rchb. £.),
20—45 cm hoch. Stengel mit drei eiförmig-lanzettlichen, bis 15 cm langen Blättern besett. Blütentraube ziemlich dicht, 6— 20 blütig, einseits- wendig. Blüten hell blauviolett mit nach hinten gestrecktem, spornartigem, zirka 2 cm langem Helm und 1,2 cm langen, schief-länglichen, violett ge- Hleckten, seitlichen Sepalen. Blütezeit: Sommer. Heimat: Auf humus- reichen Felsen, in dichten feuchten Wäldern, im östlichen Südafrika.
Gruppe 4. Disperidinae,
Von den übrigen Gruppen der Basıtonae ist die hier zu behandelnde recht wesentlich verschieden durch den Blütenbau. Die Sepalen und Petalen weichen zwar im großen und ganzen von denen anderer Gruppen wenig ab, doch die Lippe ist dadurch sehr bemerkenswert, daß sie hoch an die Säule angewachsen ist, daher aufrecht in dem durch die Petalen und das mittlere Sepalum gebildeten Helm steht und durch diesen verdeckt wird. Außerdem aber ist sie fast stets an der Spige durch merkwürdige Anhängsel ausgezeichnet, die oft nach hinten über die Säule gebogen sind. Die hohe
erwachsung der Lippe mit der Säule hat zur Folge, daß ein sehr breites
Gruppe 4. Disperidinae. 83
Antherenkonnektiv gebildet wird und daher auch die Antherenfächer weit voneinander abgerückt werden. Ferner aber werden die beiden fertilen Narben scharf getrennt und so zwei gesonderte Narbenflächen geschaffen.
Die Gruppe ist mit wenigen Ausnahmen eine afrikanische. Auf die Verbreitung der drei hierher zu rechnenden Gattungen gehe ich unten näher ein.
38. Pterygodium Sw. (Corycium Sw., Ommatodium Ldl., Anochilus Roltfe.)
Die einzigen Arten der Gattung, welche wohl je in Europa in Kultur gewesen sind, dürften die vier Arten sein, welche im Jahre 1820 im Quarterly Journal of Sciences and Arts vol. VI, auf Tafel 1, 3u.4, von Kerr abgebildet sind und dann wohl wieder verschwanden, nämlich P. volueris Sw., P. catholicum Sw., P. orobanchoides Schltr. (Corycium orobanchoides Sw.), und P. inversum Sw. Aus diesem Grunde kann ‚ich mich über das Genus hier kurz fassen.
Da sich herausgestellt hat, daß die früheren Gattungen Ommatodium Ldl. und Corycium Sw. von Pterygodium nicht trennbar sind, ist die Gattung nunmehr auf 28 Arten angeschwollen, die ich in vier Sektionen zerlegt habe, welche uns hier ja weniger interessieren. Es genüge hier anzugeben, daß die Gattung sich von Ceratandra dadurch unterscheidet, daß die Arten wie Orchis rundliche Knollen bilden und die anders gestaltete Lippenplatte keine deutlichen und scharf umgrenzte Verdickungen zeigt, während bei Ceratandra die Wurzeln zylindrisch und von einer dicken wollig-zottigen Hülle umgeben sind, das Labeilum aber mit einer deut- lichen, grünlichen, glänzenden Schwiele versehen ist.
Die 28 Arten, welche im Habitus an Orchis-Arten erinnern, sind in ihrer Ver- breitung alle auf das extratropische Südafrika beschränkt. Besonders bemerkenswert ist das bis 1,30 m hoch werdende kräftige P. magnum Rchb. f., während andere wie P. catholicum Sw., P. acutifolium Ldl., P. carnosum Ldl. und P. erispum Schltr. selten über einen Fuß hoch werden, P. platypetalum Ldl. sogar selten spannhoch ist.
‘39. Ceralandra Ekl. (Callota Harv., Evota Ldl., Ceratandropsis Rolfe.)
Auf die Unterschiede zwischen dieser Gattung und Pferygodium habe ich be- reits oben aufmerksam gemacht, ich will deshalb nicht nochmals hier darauf eingehen.
Die sieben hierher gehörigen Arten sind alle im außertropischen Südafrika be- heimatet und wachsen daselbst zumeist in zu ihrer Vegetationszeit nassem sandigem
oden.
Soweit ich bisher feststellen konnte, sind Arten dieser Gattung bisher noch nicht in Kultur gewesen. Ich vermute, daß ihre Kultur auch nur eine vorübergehende sein dürfte, da ich die Arten dieser Gruppe im Verdacht habe, daß sie Halbsaprophyten sind.
Einige der Arten wie C. bicolor Sond., C. Harveyana Lindl. und C. affinis Sond. haben nur wenige goldgelbe Blüten. Bei C. atrata Schinz u. Dur. und C. venosa Schltr. finden wir dichte Trauben. G. grandiflora Ldl. und C. globosa Ldl. zeichnen sich durch fast kopfförmige Infloreszenzen aus. Alle Arten haben sehr schmale kurze Blätter.
40. Disperis SW. (Dryopeia Thou., Dipera Sprel.)
Zur selben Zeit, als kapensische Pterygodium-Arten in England in Kultur waren, gab es daselbst auch einige Vertreter dieser Gattung, die aber era Schicksal
84 IN. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
verfielen. Seitdem hat man von lebenden Disperis in Europa nichts mehr ver- nommen, obgleich die Gattung nunmehr gegen 50 Arten zählt. Charakteristisch für sie sind die beiden Säckchen, deren sich je eines auf den beiden seitlichen Sepalen findet und die mit merkwürdigen Anhängseln versehene Lippe.
Mit Ausnahme von vier Arten ist die Gattung auf Afrika nebst den dazu ge- hörigen Inseln beschränkt. Fast alle tropischen Arten wachsen im Schatten der Wälder, im Humus, zuweilen auf mit Humus bedeckten Felsen. Die südafrikanischen meist in sandig-lehmigem Boden. Ihre Kultur müßte daher dieselbe sein, wie bei den Disa-Arten dieser Herkunft, in deren Gemeinschaft sie nicht selten angetroffen werden.
Zu den größtblütigen Arten gehört D. Fanniniae Harv. Durch merkwürdige Blütenformen zeichnen sich aus: D. anthoceros Rchb. f., D. kamerunensis Schltr., D. Kerstenii Rchb. f., D. secunda Sw., D. cucullata Sw. u. a.
Abteilung Il. Acrotonae.
Wie bei den Basitonae will ich hier nur den Hauptunterschied hervor- heben, durch den diese Abteilung vor jener getrennt ist, da ich ja ausführlicher schon im allgemeinen Teile darüber geschrieben habe.
Die Anthere ist hier an dem Grunde des Rückens befestigt und hängt von einem dünnen Stielchen in eine Aushöhlung an der Spite der Säule hinab; dabei kann es wohl vorkommen, daß sie durch das aufrechte Rostellum aufrecht gestellt wird, doch ist dabei die akrotone Stellung dennoch stets leicht dadurch kenntlich, daß die Klebscheide an der dem Anheftungspunkte gegenüberliegenden Stelle liegt.
Unterabteilung I. Polychondreae. Ä
Diese Unterabteilung steht insofern den Basitonae noch näher, als bei ihr die Pollinien noch aus leicht trennbaren Pollenkörnern bestehen, während sie bei der zweiten Untergruppe zu wachsartigen Massen fest verklebt sind.
Über die Einteilung der Unterabteilung habe ich bereits früher ein- gehender (in Engiers Botanischen Jahrbüchen Band 45 p. 375 u. f.) geschrieben und bin dabei zu der Überzeugung gekommen, daß wir hier auf gewisse vegetative Charaktere mehr Wert legen müssen, als dies früher geschehen.
Bei den ersten sieben Gruppen werden, wie bei Orchis und Ophrys kleine Knöllchen gebildet, aus denen die nächstjährigen Triebe entstehen. Die nächsten sechs zeigen gebüschelte, meist mehr oder minder fleischige Wurzeln. Ihnen folgen die Bletillinae und Gastrodiinae, bei denen der Wurzelstock aus einer mehrgliedrigen, runden oder länglichen Knolle besteht, die zuweilen als Sympodium_ sich aneinanderreihen. Alle diese haben eine aufliegende Anthere. Ihnen stehen vier Gruppen mit aufrechter Anthere gegenüber, die unter sich leicht zu unterscheiden sind.
Gruppe 5. Pterostylidinae. Die einzige Gattung, welche ich hierzu rechne ‚.ist die wohlbekannte Pterostylis R. Br. Sie ist den nächsten gegenüber dadurch charakterisiert,
Gruppe 5. Pterostylidinae. 85
daß sie, wie die Diuridinae eine Grundblattrosette bildet, Die Sepalen und Petalen neigen zu einem Helm zusammen, und die zungenförmige, oft be- wegliche Lippe ist lang genagelt. Die Säule ist sehr schlank und verlängert.
41. Pterostylis R. Br. (Diplodium Sw.)
Das charakteristischste Merkmal der Gattung Pierostylis liegt schon in der Form der Blüte. Die Petalen und das mittlere Sepalum neigen zu einem mehr oder minder kahnförmigen Helm zusammen. Vor diesem stehen die seitlichen Sepalen, die in ein mehr oder minder tief zweispaltiges Blatt ver- wachsen sind, so aufrecht, daß der größere Teil der Helmöfinung verschlossen ist und gewissermaßen nur ein Fenster offen bleibt, aus dem die Spige der zungenförmigen Lippe hinausragen kann, die so auch gewissermaßen eine Brücke zu der Nektar absondernden Stelle bildet. Die Säule ist sehr schlank und an der Spitge mit zwei breiten Öhrchen versehen.
Von den etwa 50 Arten der Gattung sind mit wenigen Ausnahmen alle auf Australien und Neu-Seeland beschränkt. Drei Arten sind von Neu-Kale- donien bekannt und eine auf Neu-Guinea,
Die Arten sind leicht in sehr sandiger Lauberde mit etwas Lehm in Schalen im Kalthause zu kultivieren. Sie blühen bei uns alle im Sommer, müssen aber, nachdem sie verblüht sind, bis zum Frühjahr trocken gehalten werden. Legt man die etwa erbsengroßen Knöllchen dann in eine neue ähnliche Erdmischung, die mit der alten gemischt ist, so blühen diese reizenden Pflänzchen alljährlich. Während der Wachstumszeit ist ihnen reichlich Wasser zu geben.
In Kultur befinden sich wenige Arten, die ich hier aufzählen will. Alle aber verdienen mehr Beachtung durch den Liebhaber.
P. Banksii R. Br.
Bis 40 cm hoch, beblättert. Blätter linealisch spiß, zirka 10 cm lang. Blüten einzeln an der Spite des Stengels, mit lang ausgezogenen Spiten, 6—7 cm lang, hellgrün, mit dunkleren Streifen und bräunlichen Spißen. Blütezeit: Jul. Heimat: Neu-Seeland, meist im lichten Gebüsch.
P. Baptistii Frisg.
Bis 30 cm hoch. Blätter kurz gestielt, länglich, am Grunde des Stengels. Schaft einblütig. Blüte 4,5—5 cm lang, weißlich, mit grünen Längsnerven und rotbraunen Spigen. Blütezeit: August. Heimat: Östaustralien, Neu- Süd-Wales, in sandigem Boden.
P. concinna R. Br.
Bis 15 cm hoch. Blätter kurz gestielt, elliptisch, stumpf, 2—2,5 cm lang, am Grunde des Schaftes. Schaft einblütig. Blüte zirka 2 cm lang, mit antennenartig ausgezogenen Spigen der seitlichen Sepalen, weißlich mit grünen Streifen und an der Spige grünem Helm. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Südost-Australien, in sandigem Boden.
86 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
P. curta R. Br.
Im Habitus der vorigen ähnlich, aber kräftiger und bis 25 cm hoch. Blüten zirka 3 cm lang, mit kurzen, seitlich abspreizenden Spiten der seit- lichen Sepalen, grünlich-weiß mit grünen Längsbändern und dunkelgrüner Helmspite. Blütezeit: Juli bis September. Heimat: Östaustralien, häufig im sandigen Boden, zwischen Gebüsch oder im Offenen.
P. nutans R. Br.
Der vorigen habituell sehr ähnlich und ebenso hoch, aber mit nach vorn übergeneigten Blüten von 2—2,5 cm Länge und ähnlicher Färbung. Blüte- zeit: August. Heimat: Ostaustralien, häufig mit P. curta R. Br.
Gruppe 6. Diuridinae.
Gegenüber den Pierostylidinae zeichnet sich die Gruppe aus durch fast fadenförmige Grundblätter, freie seitliche Sepalen und Petalen und die sigende breitere Lippe. Die Verbreitung ist eine ähnliche wie bei den Pierostylidinae.
42. Diuris R. Br.
Habitus der Gruppe, d. h. aus einer Rosette fadenförmiger Blätter erhebt sich ein locker ein- bis mehrblütiger beblätterter Schaft. Die freien Sepalen und Petalen sind oft am Grunde nagelartig verschmälert. Die sigende Lippe ist rhombisch. Die Blüten sind oft recht bunt gefärbt, doch herrschen dabei weiße, gelbe und violettbraune Farben vor. Die Säule ist kurz, aber durch zwei große Staminodien ausgezeichnet.
Etwa 22 Arten sind zurzeit bekannt, von denen nur eine, D. Fryana Ridl., außerhalb Australiens, auf der Insel Timor, gefunden wurde,
Die Behandlung der Arten in Kultur ist dieselbe wie bei Plerostylis, einige Arten verlangen mehr Feuchtigkeit.
In Kultur sind nur zwei Arten gewesen, doch, wie es scheint, wieder verschwunden: D. alba R. Br., mit fast weißen Blüten und D. maculata R. Br., mit gelblichen, braun gefleckten Blüten.
43. Orthoceras R. Br.
Habitus wie Diuris, doch mit mehr helmförmigem, mittlerem Sepalum, kleinen pfriemlichen, in dem Helm fast verborgenen Petalen und sitender, länglicher Lippe. Die seitlichen Sepalen stehen wie ein Paar Hörner aufrecht und überragen den Helm.
Die einzige Art 0. strietum R. Br. (0. Solandri Hk. }.) ist in Ostaustralien, Neu- seeland und Neukaledonien in sandigem Boden zwischen lichtem Gebüsch anzutreffen.
Gruppe 7. Thelymitrinae, Charakterisfisch für diese und die nächsten vier Gruppen ist die Reduktion der Laubblattausbildung. Mit wenigen Ausnahmen findet sich nur ein basales Blatt. So ist es auch in der hier zu behandelnden Gruppe. Das einzige
Gruppe 8. Prasophyllinae. 87
(meist grundständige) Blatt ist schmal und umschließt am Grunde den ein- bis mehrblütigen Schaft. Die Blüten zeichnen sich dadurch aus, daß fast alle Perigonteile (Sepalen, Petalen und Labellum) einander sehr ähnlich sind, oft sich kaum unterscheiden. Besonders charakteristisch aber ist, daß die Säule von zwei Flügeln (einer Kalyptra) umgeben ist, welche sie nur vorn offen lassen. Diese Flügel sind oben zu beiden Seiten durch je einen charakteristischen pinselartigen Auswuchs gekrönt.
44. Thelymitra R. Br. (Macdonaldia Gum.).
Die Gattung entspricht vollständig dem oben beschriebenen Charakter der Gruppe.
Wir kennen zurzeit etwa 40 Arten, von denen die meisten prächtige tiefblaue Blüten besiten, welche in lockeren einseitigen Trauben stehend einen prächtigen Anblick gewähren; andere haben violettrote Blüten und einige wenige auch rote oder gelbe Perigonblätter. Bei weitem die Mehrzahl ist in Australien beheimatet, ein geringerer Teil in Neuseeland, eine Art in Neu- kaledonien und als letter nordwestlicher Vorposten eine Art auf der Insel Java. Dem Züchter von Erdorchideen sei die Gattung warm empfohlen, besonders Arten, wie T. ixioides R. Br., T. epipactidea F. v. M., T. grandi- flora Fitg. und T. villosa F. v. M.
45. Epiblema R. Br.
Die Gattung entspricht in allem Thelymitra, unterscheidet sich nur dadurch, daß die Lippe am Grunde mit zwei aufrechten Anhängseln versehen ist. Die einzige, bisher bekannte Art ist E. grandiflorum R. Br., welche als eine Sumpfpflanze des süd- westlichen Australiens anzusehen ist.
Gruppe 8. Prasophyllinae.
Habituell gleicht diese Gruppe den Thelymitrinae, wenngleich die meisten der Arten hier nur kleine Blüten zeigen. Immerhin aber wird durch die doch nicht unansehnlichen Calochilus-Arten eine gewisse Annäherung zu den Thelymitrinae geschaffen. Unterschieden ist die Gruppe dadurch, daß die für die 7helymitrinae charakteristischen Flügel, welche die Säule umgeben (die Kalyptra), hier fehlen.
46. Calochilus R. Br.
Die Arten dieser Gattung gleichen völlig denen von Thelymitra, doch zeichnen sie sich durch das bartartig zerschlitte Labellum aus, und es fehlt ihnen die Kalyptra. Wir kennen zurzeit fünf Arten, von denen C. Robertsii F. v. M., C. paludosus R. Br. und €. campestris R. Br. in Australien verbreitet sind, C. Holtzei F. v. M. bisher nur von der nördlichsten Spite Australiens bekannt ist und €. neo-caledonicus Schltr. auf Neukaledonien gefunden ist.
In Kultur kenne ich keine Art.
gg IH. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten, 47. Prasophylium R. Br.
Genoplesium R. Br., Carunastylis Fißg.).
Wir haben in dieser Gattung kleinblütige Formen vor uns, welche wohl den Botaniker lebhaft interessieren, aber kaum je das Interesse der Kultivateure erregen werden, wenigstens derer, die hier für uns in Betracht kommen.
Die Blüten sind stets so gedreht, daß die Lippe nach oben steht. Im übrigen zeichnet sich die Säule durch einen beiderseits stehenden mehr oder minder großen Flügel aus.
Wir kennen etwa 35, meist australische Arten, von denen vier auf Neuseeland und eine auf Neukaledonien wachsen
48. Microtis R. Br.
Auch diese Gattung ist für den Kultivateur kaum von Interesse, obgleich schon im Jahre 1825 eine Art in England in Kultur gewesen ist. Bemerkenswert für sie ist das helmförmige, mittlere Sepalum und die kurze am Grunde mit zwei Schwielen besette Lippe. Die in reg Ähre stehenden Blüten sind meist grün, seltener wie bei M. puichella R. Br., weiß.
Die neun bisher bekmiten Arten sind vorzugsweise australisch, doch treten je eine Art auf Neu-Kaledonien, Java, den Philippinen und den Liukiu-Inseln auf.
Gruppe 9. Drakaeinae.
Im Habitus unterscheidet sich diese Gruppe schon dadurch den letteren gegenüber, daß hier das flache, breit-linealische bis breit-nierenförmige Blatt am Stengelgrunde zu finden ist. Nur bei einer Gattung, Chuloglottis R. Br., sind stets zwei basale Blätter zu finden. Abgesehen von der sonstigen Struktur der Blüten fällt hier die Form der Lippe auf. Diese ist stets schild- oder hammerförmig, kurz genagelt und oberseits mit Papillen und Protuberanzen mehr oder minder dicht beseßt. Beachtenswert ist die in den meisten Fällen nachgewiesene Reizbarkeit der Lippe, infolge deren das hier berührende Insekt plößlich gegen die breite Säule gedrückt wird.
In Kultur befinden sich bisher keine Arten dieser interessanten Gruppe.
49. Caleana R. Br. (Caleya R. Br.) .
Diese kleine Gattung von vier Arten, von welchen auch eine in Neu-Seeland wiedergefunden wurde, erheischt besonders morphologisch-biologisches Interesse. Die Sepalen und Petalen liegen hier alle ganz frei; das schildiörmige genagelte Labellum steht nach oben und bildet so den Anflugspunkt für das die Blüte besuchende Insekt, welches durch plößliches Zurückschlagen der Lippe sofort gegen die breite Säule geschleudert wird und so die Befruchtung erwirkt
Alle Arten besitzen einen einblütigen Schaft, der am Grunde von einem linealischen ee umgeben ist.
major R. Br. und C. minor R. Br. sind die häufigsten Arten.
50. Drakaea Ldl. (Spiculaea Ldl., Arthrochilus F. v. M.) Ähnlich Caleana ist hier die Blüte beschaffen, doch mit dem Unterschiede, daß die Lippe mehr hammerförmig konstruiert ist und am Grunde des Nagels eine deutliche
Gruppe 10. Caladeniinae. 89
Gliederung zeigt. Zudem ist die Säule schlanker, aber am Grunde mit 2—4 Flügeln versehen. Von den bis jett bekannten fünf Arten sind drei, D. elastica Ldl., D. ciliata R. f. und D. glyptodon Fitg., einblütig, die beiden anderen besiten eine lockere, traubige Infloreszenz. Bei allen Arten findet sich stets nur ein (basales) Laubblatt.
51. Chiloglottis R. Br.
Schon äußerlich ist diese Gattung kenntlich durch das Vorhandensein von zwei Grundblättern, zwischen denen sich der stets einblütige Schaft erhebt. Die Sepalen und Petalen stehen frei voneinander, die legteren sind meist sehr schmal. Die kurz genagelte hammerförmige Lippe ist mit merkwürdigen Auswüchsen bedeckt
Wir kennen acht Arten, von denen sechs in Australien auftreten, während die übrigen neuseeländisch sind,
Sie wären ähnlich zu kultivieren wie die Pferostylis-Arten.
Gruppe 10. Caladeniinae.
Diese Gruppe besitßt im allgemeinen den Habitus der vorigen, doch ist die Lippe nicht genagelt, sondern sie sitt fest an der Basis der Säule. Meistens ist sie mit merkwürdigen mehr oder minder gestielten Warzen beseßt oder zeigt am Grunde zwei plattenartige Fortsäge, wie bei Glossodia R. Br. Be- merkenswert ist, daß sich hier bei den beiden Gattungen Adenochilus Hk. !. und Codonorchis Ldl. zum ersten Male wirklich hochstengelständige Blätter zeigen. Mit Ausnahme der antarktisch-südamerikanischen Gattung Codonorchis Ldl. gehören alle hierherzurechnenden Gattungen der australischen Florenwelt an. Nur wenige Ausstrahlungen nach Nordwesten, Osten und Südosten sind vorhanden.
52. Caladenia R. Br. (Leptoceras Ldl.).
Es ist bedauernswert, daß diese meist prächtigen und zierlichen, nicht selten recht bizarren Erdorchideen noch nicht mehr Eingang in die Sammlungen der Liebhaber gefunden haben.
Alle Arten besigen ein einziges, oft behaartes Grundblatt, das den 1—-Iblütigen Stengel umhüllt. Die Blüten sind meist recht ansehnlich ; Sepalen und Petalen einander mehr oder minder ähnlich, oft in eine antennen- artige Spige ausgezogen und recht oft schön gefärbt. Die meist am Rande etwas zerschlitte, leicht gewölbte Lippe ist mit eigenartigen Warzen oder Protuberanzen besett, dabei nicht selten wunderbar gezeichnet. Die Säule ist beiderseits flügelartig berandet und mäßig hoch.
Zurzeit kennen wir etwa 55 Arten, von denen zirka 40 auf Australien, 14 auf Neuseeland entfallen. Eine Art ist bisher auf Neukaledonien’ und eine auf Java und Timor gefunden worden.
Die Kultur ist dieselbe wie bei Pferostylis.
C. carnea R. Br. (Caladenia alata R. Br., Caladenia angustala Hk. f.).
Bis 30 cm hohes, schlankes Pflänzchen mit linealischem , bis. 15 cm langem, sehr fein und dünn behaartem Grundblatt. Schaft gewöhnlich einblütig,
90 IN. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
seltener 2—-3blütig. Blüten weiß bis rosenrot, 3—3,5 cm breit. Sepalen und Petalen schmal länglich, stumpflich. Lippe klein, kurz, dreilappig, schön gezeichnet mit gestielten Wärzchen, Vorderlappen am Rande buchtig ein- geschnitten. Blütezeit: Frühjahr. Heimat: Australien, in sandig-lJehmigem Boden.
Zur Einfuhr besonders zu empfehlende Arten.
C. gemmata Ldl., mit großen azurblauen Blüten, in feuchtem lehmig-kiesigem Boden, in Westaustralien.
C. Patersonii R. Br., mit bizarren, großen weißbraun-bunten Blüten, antennenartig- verlängerten Sepalen und Petalen und vorn zerfranster Lippe. Aus Ost- wie West- australien in lehmig-sandigem Boden
a R. Br., mit goldgelben schön purpurn punktierten Blüten, aus West- australien (in feuchtem kiesigem Boden
53. Glossodia R. Br.
Habituell und in der Blüte ähnlich Caladenia, aber am Grunde der Lippe mit zwei horn- oder plattenartigen Auswüchsen
Wir kennen fünf australische Arten, die aber alle noch nicht in Kultur gewesen sind. Die in Herbarien häufigsten sind G. major R. Br., G. minor R. Br. und G. Bru- nonis En
Auch diese wären in sandig-lehmigem Boden mit etwas Lauberde zu kultivieren und wie die Pferostylis-Arten zu behandeln.
54. Eriochilus R. Br.
Im Habitus und Blütenbau etwa wie kleine Caladenia-Arten. Die seitlichen Sepalen genagelt und die Lippe mit dichtwollig behaartem Mittellappen.
Die sechs australischen Arten sind reizende kleine bis 15 cm hohe Gewächse, mit er weiß oder hell-violettrosa Blüten. Hier tritt zum ersten Male bei Arten, wie E. dilatatus R. Br. und E. multiflorus Ldl., das stengelständige Laubblatt auf, während andere Arten, wie E. autumnalis R. Br. und E. fimbriatus F. v. M. noch das grundständige Blatt besiten.
Die Arten sind noch nicht in Kultur, wären aber wie die vorigen Gattungen zu kultivieren.
55. Adenochilus Hk. f.
In den Blüten ist die Gattung kaum von Caladenia zu unterscheiden, doch zeichnet sie sich durch die starke Ausbildung der Seitenlappen des Labellums aus, und der Habitus ist durch das an der Mitte des Stengels stehende Laubblatt recht verschieden
Bisher kennen wir zwei Arten, von denen die eine, A. gracilis Hk. f., auf Neu- Seeland wächst, während die andere, A. Nortoni Fitg., in Ostaustralien auftritt.
56. Codonorchis Ldl.
5 Der einzige Vertreter der Gruppe im antarktischen Südamerika. In den Blüten gleicht die Gattuhg stark der vorigen und dann auch Caladenia, doch ist die Säule schlanker, und die schmäleren Flügel sind mehr nach oben verbreitert. Bemerkenswert
ist zudem, daß der einblütige Stengel in der Mitte mehrere sehr stark genäherte Laub- blätter trägt.
Gruppe 11. Acianthinae. 91
Wir kennen nur eine Art, welche aber zeitweise in zwei, letthin sogar in drei gespalten worden ist, C. Lessoni Ldl.,, mit schönen weißen, innen auf den Petalen rot punktierten Blüten von 3—4 cm Durchmesser in der natürlichen Stellung.
Es wäre interessant, diese einzige wirklich antarktische Orchidee Südamerikas einmal lebend in Europa zu sehen. Sie sollte hier als Kalthauspflanze wie die Pterostylis-Arten kultiviert werden.
Ihre Heimat ist Südchile und Patagonien bis zur Magelhanstraße.
Gruppe 11. Acianthinae.
In dieser Gruppe habe ich diejenigen Gattungen der Polvchondreae zusammengebracht, welche in der Verwandtschaft durch das nicht genagelte von gestielten Papillen und Protuberanzen freie Labellum gekennzeichnet sind. Vielleicht wäre es wünschenswert, hier Zyperanthus auszuscheiden, um die Gruppe gleichförmiger zu gestalten, doch gibt es in der Gattung Arten, welche für diese Zugehörigkeit sprechen. Wir müssen es weiteren Untersuchungen überlassen, ob die Gattung hier verbleiben soll oder als eigene Gruppe davor zu stellen ist. Das mittlere Sepalum ist konkav oder helm- förmig, die übrigen sind völlig frei von ihm. Die Petalen sind mehr oder minder den seitlichen Sepalen ähnlich. Eine etwas isolierte Stellung nimmt Corysanthes ein, bei welcher die stark gewölbte Lippe am Grunde zwei Säckchen aufweist und die seitlichen Sepalen sowie die Petalen eine starke Reduzierung aufweisen.
57. Lyperanthus R. Br. (Fitzgeraldia F. v. M., Burnettia Ldl.)
Das mittlere Sepalum ist hier meist etwas breiter als die seitlichen und bildet einen lanzettlichen Helm. Die Petalen sind gewöhnlich schmäler als die Sepalen. Die Lippe ist kurz, oft ungeteilt, nach unten etwas zurückgebogen, oberseits kahl oder mit vereinzelten kleinen Wärzchen bese&t, die aber nie die Form der Protuberanzen der Caladeniinae annehmen. Die Säule hat fast flügelartig verbreiterte Ränder. Die Arten haben meist ein grundständiges Laubblatt und einen beblätterten Schaft, der einblütig bis etwa fünfblütig ist. In Kultur befinden sich keine Arten.
Wir kennen fünf bis sechs Arten der Gattung; von diesen sind L. nigricans R. Br. und L. suaveolens R. Br. häufig in sandigem Boden in Ostaustralien. L. antarcticus Hk. f. gehört der Flora von Neu-Seeland an. Die Stellung von L. Burnetia Schltr. (Burnetia cuneata Ldl., L. Burnetii F. v. M.) ist noch zu klären.
58. Acianthus R. Br. (Cyrtostylis R. Br.)
In der Struktur der Blüten ist diese Gattung der vorigen recht ähnlich, nur ist die Lippe, meist nur am Grunde, mit zwei kurzen Lamellen oder Leisten versehen. Die Blüten sind stets viel kleiner und zarter als bei Inperanthus. Habituell ist die Gattung durch das einzige, meist in der Mitte des 1—-6blütigen Stengels sigende Laub-
blatt kenntlich. Von den 16 zurzeit bekannten Arten sind fünf australisch, drei neuseeländisch,
acht in Neu-Kaledonien endemisch,
92 III. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
59. Townsonia Cheesem.
Die Gattung ist nahe verwandt mit Acianthus, aber dadurch geschieden, daß sich hier ein gestieltes Grundblatt findet und die Säule beiderseits flügelartig ver- breitert ist.
Wir kennen zurzeit nur zwei Arten, von denen T. deflexa Cheesem auf Neu- Seeland, T. viridis Schltr. auf der Insel Tasmanien auftritt,
60. Stigmatodactylus Maxim. (Pantlingia Prain.)
Durch die merkwürdig konstruierte, vorn mit einem fingerförmigen Fortsa ver- sehene Säule ist diese Gattung gut von Acianthus verschieden. Wie bei den beiden legten Gatturgen gehören hierher nur winzige Pflänzchen mit kleinen Blüten. Doch während die Acianthus und Townsonia sandige Erde zu bevorzugen scheinen, sind die vier Arten von Stigmatodactylus Bewohner humusreicher Wälder.
61. Corysanthes R. Br. (Corvbas Salisb.)
Die Gattung besteht aus kleinen Pflanzen, welche selten über einen Zoll hoch sind. Zwischen einem stengelumfassenden, oft schön bunt gezeichneten Laubblatt erhebt sich der sehr kurze, stets einblütige Schaft, der die oft un- verhältnismäßig große Blüte trägt, die sich nicht selten durch schöne Färbung auszeichnet. Das mittlere Sepalum ist mehr oder minder helmartig oder kapuzenartig, die seitlichen Sepalen und die Petalen sind klein und dünn, fast fadenförmig. Die tütenförmige, vorn nach unten zurückgebogene Lippe besißt zwei kurze Sporen und ist nicht selten am vorderen Rande scharf gezähnt.
Etwa 60 Arten sind uns bekannt geworden, die über ein Gebiet verteilt . sind, welches sich vom Himalaya über die Sundainseln, Philippinen, Neu- Guinea, Australien und Neuseeland bis zu den Taiti- und Samoainseln erstreckt. Die Arten lieben fast alle humusreichen Boden in schattiger Lage und sollten im kalten oder temperierten Hause gehalten werden. ’
Gruppe 12. Cryptostylidinae.
Arten besigen gewöhnlich ein bis zwei Grundblätter und einen mit Hochblättern beseßten mehrblütigen Schaft. Die sehr verschieden gestaltete Lippe ist meist stark konkav und ohne Warzen- oder Papillenbedeckung. Einige Gattungen zeichnen sich durch schöne große Blüten aus,
Gruppi 12. Cryptostylidinae. 03
62. Megastylis Schltr.
Die Gattung erinnert in der Struktur der Blüte an Zypderanthus, doch ist die Lippe mehr oder minder glatt. Die für Zyperanthus und die bisher aufgezählten Gattungen typischen Knollen fehlen, doch statt dessen finden wir hier gebüschelte, dickflleischige Wurzeln, mit einem, seltener zwei grundständigen Laubblättern. Der Schaft, der bei M7. gigas Schltr. und M. latissimus Schltr. recht ansehnliche Blüten in langen Trauben trägt, ist kräftig und mit Hochblättern besett.
Die Arten sind während der Ruhezeit trocken zu halten, sonst aber regelmäßig zu gießen. Sie gedeihen in einer lehmig-sandigen Erde, doch einige, wie z M. latissimus Schltr. und M. glandulosus Schltr., verlangen eine sandige Lauberde, Wir kennen sieben Arten der Gattung, von denen M. gigas Schltr. die schönste ist.
63. Coilochilus Schltr.
Es ist wohl unwahrscheinlich, daß diese Gattung je in Kultur genommen wird, denn die winzigen Blüten, die zu den kleinsten gehören, welche in der Familie bekannt sind, sprechen entschieden dagegen. Neben dem einzigen Grundblatt ent- wickelt sich ein sehr schlanker, vielblütiger Schaft, der eine dichte Traube winziger gelbgrüner Blüten trägt, welche in ihrer Struktur stark an C'r.yPtosiylis erinnern.
Die einzige Art C. neocaledonicus Schltr. wächst im lehmig-schieferigen Boden der südlichen Bezirke in Neu-Kaledonien.
64. Cryptostylis R. Br. (Zosterostylis Bl., Chlorosa Bi.).
Die Zahl der Arten, welche wir jegt hierzu zu rechnen haben, dürfte ein Dutend kaum übersteigen. Die Gattung ist stets leicht kenntlich durch die abstehenden schmalen und meist kleinen Sepalen und Petalen und das un- geteilte, längliche, am Grunde konkave Labellum.
Die Arten sind alle in sandiger Lauberde im temperierten Hause zu kultivieren.
In Kultur ist bisher nur C. arachnites Endl. gewesen, welche in den Wäldern von Java beheimatet ist.
65. Pachyplectron Schltr.
In der Gruppe fällt diese Gattung dadurch besonders auf, daß die Lippe einen breiten dicken Sporn besitt. Im übrigen zeigt die Gattung gewisse Anklänge an die Physurinae an, doch verweisen die Tracht und die Anthere sie hierher.
In Kultur ist bisher keine Art, doch ist P. arifolium Schltr. als eine der schönsten Blattorchideen ganz besonders zur Einfuhr zu empfehlen.
66. Maniella Rchb. t. Diese Gattung, welche sich dadurch auszeichnet, daß die Sepalen nach dem Grunde in eine Röhre verwachsen sind, gehört besser hierher, da sie sonst alle Merk-
male der Gruppe besitßt. ; Gustavi Rchb. f., die einzige Art, ist ein Humusbewohner mit schön gefleckten
Blättern in den Wäldern des tropischen Westafrikas.
94 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
Gruppe 13. Chloraeinae.
Diese neuweltliche Gruppe ist gegen die Cryptostylidinae durch die ganze Konfiguration der Blüte mit stark von Warzen bedecktem Labellum und die Grundblattrosette gut getrennt. Der Schaft endet gewöhnlich in einer mehrblütigen Traube, seltener ist er einblütig.
67. Chloraea Ldl. (Asarca Ldl., Gavilea Poepp., Ulantha Hk., Bieneria Rehb. f., Geoblasta Rodr.)
Von dieser interessanten, etwa 100 Arten umfassenden Gattung sind kaum ein halbes Dußend in Europa bekannt geworden.
Die Arten wachsen in der Heimat in lehmig-sandigem Boden, der während der Ruhezeit der Pflanzen, nach dem Abblühen, oft sehr stark austrocknet. Sie sollten im kalten oder temperierten Hause gehalten werden, je nach der Herkunft der Art.
= gem Ldl, (Asarca sinnata Ldl.).
cm hoch, mit dichter Traube etwa 4 cm breiter weißer or a Spigen und goldgelb gezeichneter Lippe. Blütezeit: Juli. Heimat: Granithügel in Chile,
C. lutea Schltr. (Cyrmbidium Iuteum Willd,, Chloraea crispa Ldl.).
Eine starkwüchsige, 60—90 cm hohe Art, mit einer ziemlich dichten 10—15blumigen Traube großer weißgelber Blüten von 6 cm Durchmesser, Diese prächtige Art verdiente wie die nächste häufiger kultiviert zu werden. Blütezeit: Mai bis Juni. Heimat: Sandig-lehmige Ebenen in Chile.
C. virescens Ldl.
Ähnlich der vorigen, aber mit etwas kleineren, etwa 3 cm breiten Blüten von gelber oder grünlich-gelber Färbung mit kurzen goldgelben Stacheln auf der Lippe. Blütezeit: April bis Mai. Heimat: Sandig-lehmige Ebenen in Chile.
68. Bipinnula Läl.
Leider sind bisher von den acht zu dieser Gattung gehörigen Arten keine lebend nach Europa gebracht worden, obgleich sie durch ihre ‚bizzaren, ziemlich großen Blüten hier sicher manchen Bewunderer .. würden. Sehr eigentümlich sind die federartig zerschlitten, langen seitlichen Sepale
Vier Arten mit mehrblütigen Trauben ind. aus Chile bekannt, die anderen vier mit einblütigem Stengel treten in Uruguay
Die Arten wären in Kultur wie an zu behandeln.
Gruppe 14. Listerinae.,
Mit dieser beginnen die Gruppen, welche nur stengelständige Laubblätter haben. Die Zisterinae zeichnen sich unter diesen durch die flache Lippe aus.
Gruppe 15. Vanillinae. 05
69. Neottia L. (Neottidium Schltd., Synoplectris Raf.)
Die beiden Gattungen der Zisterinae sind sehr nahe verwandt und unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, daß Neottia L. nur bleiche Saprophyten mit stark redu- zierter Blattbildung enthält, während bei Zistera R. Br. stets zwei große grüne Laub- blätter zu finden sind.
Diese Gattung, mit sieben Arten, kommt für die Kultur als saprophytische kaum in Betracht. Fünf Arten sind auf dem Hochgebirge von Indien und China zu finden, N. nidus avis L. in den Wäldern Europas und N. camtschatica Sprgl. in Kamtschatka.
70. Listera R. Br. « (Diphryllum Rat., Distomaea Spen., Polinirhiza Dulac.)
Von den zurzeit bekannten 26 Arten der Gattung wären verschiedene für den Liebhaber von Freiland-Orchideen zu empfehlen. So besonders einige der nord- amerikanischen Arten, die durch eine Laubdecke im Winter zu schüßen wären. Die beiden europäischen Arten, L. ovata R. Br. und L. cordata R. Br., die in Lauberde gut gedeihen, sind bei uns völlig winterhart; die Arten aus den Gebirgen von Indien und China sind im Kalthause zu halten.
Gruppe 15. Vanillinae.
Durch den ganzen Habitus und die anders geformten Blüten mit dem konkaven, mit Längsleisten oder Papillen mehr oder minder besetten Labellum ist diese Gruppe vor den Zisterinae gekennzeichnet, Wie bei den le&teren ist auch hier nicht selten Saprophytismus zu beobachten, und zwar in einer sonst seltenen Entwicklung wie bei Galeola Lour.
7I. Odonectis Rat.
Man pflegt die beiden Arten, welche ich hierzu rechne, oft mit Pogonia Juss. zu vereinigen, doch erscheint mir dieses Vorgehen nicht ganz berechtigt, da die Stellung der Blätter im wirklichen Quirl für eine Orchidee so bemerkenswert ist, daß man ihr doch wohl mehr Wert beilegen muß, zudem, zeigen die Blüten auch Abweichungen von Pogonia an. Zuweilen ist wohl 0. verticellata Raf. mit verlängerten Petalen in Kultur anzutreffen, aus feuchten Wäldern in Nordamerika, doch ist die verwandte 0. affinis Schltr. (Pogonia affinis Austin) selbst in der Heimat eine Rarität ersten Ranges.
72. Pogonia Juss. (Cleistes Rich., /sotria Rat., Triphora Nutt.)
Die Gattung enthält etwa 40 Arten, welche alle mit Ausnahme von zwei chinesisch-japanischen Arten neuweltlich sind. In Kultur dürften sich von diesen nur sehr wenige befinden, doch einige von ihnen zeichnen sich durch prächtige, meist rote Blüten aus.
96 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
P. divaricata R. Br. (Arethusa divaricata L.).
Schaft schlank, einblättrig, und einblütig, 30—45 cm hoch. Blüte be- deutend größer als bei der vorigen mit rosenroten, abstehenden Sepalen, fleischfarbenen Petalen und grünlicher, rotgeaderter Lippe. Blütezeit: Juli. Heimat: In Sümpfen der südlichen Staaten von Nordamerika. Ist bei uns frostfrei zu überwintern.
P. ophioglossoides Ker. (Arethusa ophioglossotdes L.).
Schatt schlank, 2—-3 blättrig, 30—40 cm hoch, mit einer rosenroten, zirka 2 cm langen Blüte an der Spige. Durch das zerschliste Labellum ist die Art gut charakterisiert. Blütezeit: Juni bis Juli. Heimat: Auf feuchten Wiesen und an Sumpfrändern in Nordamerika.
Zur Einfuhr zu empfehlende Arten.
P. grandiflora Rchb. f., mit großen roten Blüten aus Brasilien.
P. macrantha Rodr., ähnlich der vorigen und von gleicher Herkunft.
P. metallina Rodr., mit metallisch glänzenden, dunkelgrünen Blüten aus Brasilien.
Alle diese sind im Warmhause in Lauberde zu kultivieren. Sie zeichnen sich durch große schöne Blüten aus.
73. Pogoniopsis Rchb. f. Eine ren ge Gattung von zwei saprophytischen Arten, welche mit den kleineren Pogonien sehr nahe verwandt ist, für die Kultur aber kaum je in Betracht kommen kann, Eine generische Trennung von Pogonia ist hier kaum möglich.
74. Epistephium Kth.
Habituell erinnern die Arten stark an große Pogonia, sind aber alle durch derbere Blätter und das an der Spige mit einem Außenkelch ver- sehene Ovarium, sowie durch die geflügelten Samen verschieden. Alle Arten sind in den höher gelegenen Kampos oder an Waldrändern des tropischen Südamerika heimisch und verlangen eine Kultur in einem Gemisch von Lauberde, Lehm und Sand im Warmhause Die Blüten aller Arten sind recht ansehnlich.
E. Williamsii Hk. f.
Stengel locker beblättert, 30—45 cm hoch, mit lockerer Traube zirka 7 cm im Durchmesser haltender Blüten mit violettroten Sepalen und Petalen und violetter, weiß gezeichneter Lippe, mit gelbem Bart in der Mitte. Blüte- zeit: Juli bis August. Heimat: Brasilien.
75. Eriaxis Rchb. f.
Bis vor kurzem war diese Gattung sehr unvollständig bekannt. Sie steht Episte- phium sehr nahe, doch fehlt bei ihr der Außenkelch; das Ovarium sowie außen die Sepalen sind dicht von bräunlichem Filz bekleidet, außerdem ist die Säule etwas verschieden.
E. rigida Rchb. 1. (Epistephium regis Alberti Kränzl.), die einzige Art, mit hübschen, zirka 4 cm großen Blüten, ist bisher nie in Kultur gewesen. Sie wächst als starrer Strauch mit lederigen Blättern auf offenen steinigen Serpentinhügeln in Neu-Kaledonien.
Gruppe 15. Vanillinae. 07
76. Galeola Lour. (Cyrtosia Bl., Erythrorchis Bl., Haematorchis Bl, Ledgeria F. v.M. Pogo- chilus Falc.)
Für die Kultur wird diese Gattung, welche mit Vanilla verwandt ist, kaum je in Betracht kommen, da ihre 15 Arten alle Saprophyten sind, von denen einige kaum fußhoch, andere bis 10 m hoch in die Bäume emporklettern.
Eine Art, G. pterosperma Schltr. (G. Hydra Rchb. f.), ist vor einigen Dezennien mit Palmen zufällig in den botanischen Garten in Karlsruhe eingeführt worden, scheint dann aber nach der ersten Blüte wieder abgestorben zu sein.
77. Vanilla Sw. (Myrobroma Salisb.)
Der hauptsächlichste Charakter der Gattung liegt bei Vanilla den Ver- wandten gegenüber in dem Habitus und den eigenartigen Früchten mit den hartkrustigen Samen. Sonst sind die Blüten denen von Zpistephium und Galeola ziemlich ähnlich.
Die Gattung enthält zirka 65 Arten, von denen eine, V. Planifolia Andr., wegen ihrer Früchte in den Tropen oft plantagenmäßig angebaut wird. Nicht selten ist sie auch in kleineren Exemplaren in Europa in Kultur. Alle Arten lassen sich im Warmhause leicht kultivieren, kommen aber selten zur Blüte.
V. aphylla Bl.
Eine schlanke, blattlose Art, mit zirka 4 cm großen, gelbgrünen Blüten mit weißen, rosenrot gezeichneten, vorn mit einem Bart versehenen Labellum. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Java, in Bergwäldern.
V. africana Ldl.
Eine schlanke Art mit elliptischen Blättern. Blüten in kurzen, dichten Trauben, zirka 4 cm groß, gelb mit roter Zeichnung auf der Lippe. Blüte- zeit: Juli bis August. Heimat: Westafrika, in feuchten Wäldern.
V. Humbloti Rchb. t.
Blattlos, kräftig, mit 10—12 cm großen, gelben Blüten, deren Lippe dunkelbraun gezeichnet ist. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Comoro- Inseln.
V. planifolia Andr.
Ziemlich kräftig, mit elliptischen Blättern und weißgrünen, etwa 10 cm großen Blüten. Die Früchte sind die aromatischen Vanille-Stangen des Handels. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Tropisches Amerika.
78. Xerorchis Schltr.
Ich halte es für angebracht, diese kleine Gattung hier unterzubringen, da die Blätter nicht gefaltet sind und mehr denen einiger Pogonien ähneln. In den kleinen Blüten sind die leicht nach innen gebogenen Ärmchen an der Säule neben dem Stigma bemerkenswert. Die Blüten sind von zarter Textur und bieten nichts, was gegen die Zugehörigkeit der Pflanze zu den Pogoniae spräche.
Die einzige Art, X. amazonica Schltr. wächst auf feuchtem Sandboden am Rio Negro bei Manaos.
Schlechter, Die Orchideen. fi
98 II. Aufzählung und Beschreibung der Gattungen und der hauptsächlichsten Arten.
79. Lecanorchis Bl.
Neben Epistephium liegt hier die zweite Orchideengattung vor, bei welcher ein Außenkelch auf dem Ovarium gebildet wird.
Die Gattung enthält fünf schlanke saprophytische Arten mit wenigblütiger In- lloreszenz und drahtig-starren blattlosen Stengeln. Eine Art ist in Japan zu Hause, die übrigen in Malaisien und Neu-Guinea.
Für die Kultur wird die Gattung wohl kaum in Betracht kommen.
80. Aphyllorchis Bl. Ebenfalls eine rein saprophytische Gattung, die als solche für die Kultur kaum in Betracht kommt. Sie ist vor Lecanorchis unterschieden durch die weicheren
Das Verbreitungsgebiet von 15 Arten der Gattung erstreckt sich von Ceylon bis Neu-Guinea,
Gruppe 16. Sobraliinae.
Diese Gruppe ist vor den übrigen mit beblättertem Stamm dadurch aus- gezeichnet, daß bei ihr die Blätter mehr oder minder lederig und deutlich gefaltet sind. Die Blüten sind in ihrer Struktur denen der vorigen Gruppe ähnlich, besonders bei den beiden ersten Gattungen. Die Stellüng von EFlleanthus und Sertifera hier ist noch nicht ganz sicher.
81. Sobralia Ruiz. & Pav. (Cyathoglottis Poepp. & Endl.)
Die schönen Cattleya-ähnlichen Blüten von Sobralia sind ja allen Orchideenliebhabern wohl bekannt.‘ Leider dauern sie nur sehr kurze Zeit an, sonst würden diese im Habitus meist schilfartigen Orchideen wohl zu den populärsten gehören.
Gegen 60 Arten sind beschrieben, alle aus dem tropischen Amerika, doch es scheint, als ob bei einer kritischen Revision der Gattung sich diese Zahl nicht unerheblich vermindern wird,
Da die in Kultur befindlichen Arten einander sehr nahe stehen, will ich hier nur einige. wenige anführen. Sie wachsen alle willig im Warmhaus in einer Mischung von Heideerde, Lehm und Sand.
$. chlorantha Hook.
Eine gedrungene, kräftige Art mit breiten Blättern und einzelnen, zirka 10 cm langen, gelbgrünen Blüten mit hellgelber in der Mitte goldgelber Lippe. Blütezeit: Juli bis August. Heimat: Brasilien.
$. decora Batem.
Eine schlanke, schilfartig